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Der Vorstand der Karnevalsgesellschaft Müllemer Junge setzt sich für Flüchtlinge in Köln ein. Präsident Siegfried Schaarschmidt Mitte vorne.

Engagement für Flüchtlinge: Karnevalsgesellschaft Müllemer Junge wird aktiv

Köln | Die Situation in der Welt, vor allem der Bürgerkrieg in Syrien, aber auch der Terror des IS lassen immer mehr Menschen aus ihrer Heimat flüchten. Auch in Köln gibt es seit einem Jahr eine deutlich ansteigende Anzahl an Flüchtlingen. Während die einen demonstrieren um Menschen auszugrenzen, wie etwa die „KÖGIDA“ am morgigen Montag, engagieren sich andere Menschen in Köln für eine Willkommenskultur. Ein Beispiel ist die Karnevalsgesellschaft Müllemer Junge. Report-K sprach mit Siegfried Schaarschmidt, dem Präsidenten der Müllemer Junge, über deren Initiative im Karneval für Flüchtlinge aktiv zu werden.

report-K.de: Wie kam die Karnevalsgesellschaft Müllemer Junge auf die Idee sich für Flüchtlinge in Köln zu engagieren?

Siegfried Schaarschmidt: Es gibt die Textzeile „Su sin mer all he hin jekumme…“ die uns inspiriert hat. Das Lied „Stammbaum“ der Bläck Fööss ist nicht nur eine kölsche Hymne, sondern mahnt uns Bürger einmal mehr und fragt, wie seid ihr eigentlich drauf? Das Flüchtlingsthema beherrscht seit Monaten unsere Medien und wird zwischenzeitlich durch wachsende Demos und Gegendemos immer mehr hochgekocht. Wir hören, lesen und sehen Tag für Tag von Horrornachrichten aus der Welt und wollen nicht verstehen, dass Menschen davor fliehen und bei uns Zuflucht suchen? Das war der Impuls aktiv zu werden.

Glauben Sie dass es mehr Ausländerfeindlichkeit durch die Flüchtlinge gibt?

Wir glauben nicht, dass sich in unserer Gesellschaft Ausländerfeindlichkeit ausbreitet, es handelt sich eher um Angst vor dem Fremden. Um Angst zu bekämpfen bedarf es ein wenig Mut. Die KG Müllemer Junge beginnt damit, auf die Fremden zuzugehen, sie kennenzulernen und ihnen ebenfalls Ängste zu nehmen. Wie anders kann Vertrauen entstehen? Flüchtlinge leben normalerweise abgesondert von uns in Flüchtlingsheimen oder ähnlichen Einrichtungen, also separiert von unserer Gesellschaft. Warum zeigen wir ihnen nichts von unserer Kultur, lassen sie an unserem Brauchtum teilhaben?

Was tun Sie konkret?

Als Karnevalsgesellschaft haben wir doch eine sehr schöne Kultur, wir haben und verbreiten Freude, die wir teilen sollten. Nicht nur zu dem ahle Mann, dä vill zo winnig Jeld hätt, sollten wir sagen „Drenk doch eine met“. Die Müllemer Junge machen den Anfang am 10.2.2015. Wir laden 20 Flüchtlingskinder im Alter von 5-10 Jahren zur KinderSitzung in die Mülheimer Stadthalle ein. Sie dürfen mitten unter den erwarteten rund 950 Personen erfahren, wie sich Karneval anfühlt, mit gleichaltrigen Kindern feiern und Kasalla, Domstürmer, eine Kindertanzgruppe und das Kinderdreigestirn erleben. Sie werden unsere Gäste sein.

Eine gute Woche später beim Mülheimer Dienstagszug möchte ich gemeinsam mit rund zehn größeren Kindern im Alter zwischen zehn und 15 Jahren auf einem Festwagen durch Mülheim fahren um mit ihnen fleißig Kamelle zu werfen. Auch das verstehen wir unter Inklusion. In beiden Engagements werden wir unterstützt von der Cöllnischen Stiftung „einfach ein Lächeln schenken“, vom Senat und von Mitgliedern der Gesellschaft, die gespendet haben, unterstützt. Dies sollen keine einmaligen Aktionen werden, sondern vielmehr sind diese Projekte auf die nächsten Jahre angelegt.

Herr Schaarschmidt wir danken Ihnen für das Gespräch.

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