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"FAZ": Kölner Polizei bekam Silvester Verstärkung angeboten - und lehnte ab - Mehr Strafanzeigen

Köln | Das Kölner Polizeipräsidium hat nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe) während der Exzesse rund um den Hauptbahnhof Verstärkung angeboten bekommen, aber nicht angenommen. Der "Spiegel" berichtet, dass mittlerweile 200 Strafanzeigen vorlägen. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt sagte dem Sender Phoenix: "Das Politiker-Gerede von schärferen Gesetzen ist mir zuwider" und forderte eine bessere Vernetzung und Ausstattung der Polizei. Für Polizeipräsident Wolfgang Albers schlägt Wendt den frühzeitigen Ruhestand vor.

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg sagte der Zeitung auf Nachfrage, die Leitstelle des LZPD habe in der Silvesternacht in ständigem Kontakt mit dem Polizeipräsidium in Köln gestanden. Im Laufe der Silvesternacht habe die Duisburger Leitstelle sogar aktiv in Köln nachgefragt, ob Verstärkung benötigt werde.

Nach Darstellung des LZPD-Sprechers hätten kurzfristig drei auf verschiedene Standorte verteilte Züge einer Einsatz-Hundertschaft nach Köln geführt werden können. Ein Zug umfasst jeweils 38 Beamte. "Die Hundertschaft stand zum Abruf bereit", sagte der Sprecher.

Er bestätigte Medienberichte, dass die Kölner Polizei in der Planungsphase des Silvestereinsatzes mehr Polizei beim LZPD angefordert hatte, als sie dann bekam. "Die Kölner Kollegen haben drei Züge angefordert und zwei Züge bekommen. Das war aber immer noch doppelt so viel wie in den vergangenen Jahren an Silvester."

Die Eskalation in Köln sei nicht vorhersehbar gewesen, auch sei es Aufgabe des LZPD, die Lage in ganz Nordrhein-Westfalen im Blick zu haben. "Und am Einsatztag selbst hätten die Kölner Kollegen dann eben weitere Kräfte anfordern können."

Zahl der Anzeigen zur Kölner Silvesternacht steigt auf 200

Die Zahl der Strafanzeigen im Zusammenhang mit der Silvesternacht in Köln ist erneut deutlich angestiegen. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins "Der Spiegel" gingen bis Donnerstag bei den zuständigen Ermittlungsbehörden – vor allem von Frauen – insgesamt rund 200 Anzeigen ein, von denen viele auf sexuellen Angriffen gründeten. Wie der "Spiegel" weiter berichtet, haben die Kölner Ermittler Fortschritte bei der Suche nach gestohlenen Gegenständen gemacht: Inzwischen konnten einige in der Silvesternacht gestohlene Handys geortet werden.

In manchen Fällen führte deren Spur in Flüchtlingsheime oder deren unmittelbares Umfeld, berichtet das Nachrichten-Magazin.

Wendt: "Politiker-Gerede von schärferen Gesetzen ist mir zuwider"

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, fordert nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln eine bessere IT-Infrastruktur der Sicherheitsbehörden in Deutschland: "Das Politiker-Gerede von schärferen Gesetzen ist mir zuwider", so Wendt im Interview mit dem Fernsehsender Phoenix. Stattdessen müsse man die bestehenden Gesetze anwenden und Polizei und Justiz besser ausstatten. Dabei sei vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern wichtig.

"Wir brauchen vernetzte Sicherheitspolitik und nicht dieses Klein-Klein in Ländern und einzelnen Behörden", so der Gewerkschafts-Chef. Wendt kritisiert zudem mit scharfen Worten die Öffentlichkeitsarbeit der Kölner Polizei. Der Kölner Polizeipräsident dürfe sich nicht länger "mit seinem Herrschaftswissen" zurückziehen.

Stattdessen müssten nun alle Fakten auf den Tisch, so auch, dass sich unter den Tätern Asylsuchende befanden. Man dürfe nicht so tun "als wüssten wir das alles nicht", so Wendt weiter. Verschweigen und politische Korrektheit müssten aufhören.

Aufgrund der desaströsen Öffentlichkeitsarbeit spreche mittlerweile vieles dafür, den Kölner Polizeipräsident in den frühzeitigen Ruhestand zu schicken, erklärte der Gewerkschafts-Chef. Nach wie vor betont Wendt, dass man den Kölner Polizisten keine Vorwürfe bezüglich einer falschen Lagebeurteilung machen könne. So habe es keinerlei Hinweise für die Vorkommnisse am Kölner Hauptbahnhof gegeben.

"Die Polizei war nicht überfordert", sondern sei einem neuen Phänomen gegenüber konfrontiert gewesen, das nicht vorhersehbar war. Man habe sich auf eine "ganz normale Silvesternacht" vorbereitet und bereits mehr Beamte als sonst eingesetzt.

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