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Interview mit dem neuen Dombaumeister: „Der Dom ist ein Generationenprojekt“

Köln | „Der Dom ist ein Generationenprojekt“ - am Montag wurde Peter Füssenich zum neuen Kölner Dombaumeister ernannt. Im Gespräch mit Report-k berichtet er über seine Aufgaben und den Schutz des Doms. Das Interview führte Stephan Eppinger

Herr Füssenich, was sind die wichtigsten Projekte, die jetzt für Sie als Dombaumeister anstehen?

Peter Füssenich: Ein Dombaumeister erbt die Baustellen von den Vorgängern. Viele werden bereits seit Jahren und Jahrzehnten vorbereitet und viele werden noch ebenso lange brauchen, bis sie fertig gestellt sind. Da wären die Sanierungsarbeiten am südlichen Querhaus, die seit acht Jahren vorbereitet wurden, und die Sanierung des Strebewerks am Dom. Dort wurde ein Gerüst errichtet, das für die kommenden 20 Jahre gebraucht wird. Dazu kommt der Blick auf die Steinrestaurierung der mittelalterlichen Gebäudeteile wie dem Südturm und der Chor. Wichtig ist es schon jetzt, eine Basis zu schaffen, auf der auch meine Nachfolger als Basis aufbauen können.

Wann sind Sie dem Dom zum ersten Mal begegnet?

Füssenich: Ich bin in Bonn als Rheinländer geboren worden und war mit meiner Großmutter als Kind oft in Köln. Da sind wir am Hauptbahnhof ausgestiegen und haben dann zunächst im Dom eine Kerze aufgestellt. Später ging es in ein Café in der Nähe. So habe ich mich schon als Kinddem Dom verbunden gefühlt. Später habe ich beim Architekturstudium meinen Schwerpunkt auf die Denkmalpflege gelegt und auch meine Abschlussarbeit über den Dom geschrieben.

Was reizt sie an der Arbeit als Dombaumeister?

Füssenich: Mich begeistert, dass der Dom von Anfang an ein Generationenprojekt ist. Er wurde im Mittelalter geplant und schon die ersten Dombaumeister wussten, dass sie dieses Großprojekt zu Lebzeiten nicht beenden werden. Und so ist das bis heute für mich und meine Mitarbeiter geblieben. Der Dom zeigt, was wir als Menschen über Jahrhunderte hinweg gemeinsam schaffen können. Jeder trägt in seiner Zeit seinen Anteil zum Erhalt des Doms bei. Dabei muss man sich auf die notwendigen Dinge konzentrieren, die einem der Dom selbst vorgibt.

Wenn Sie erleben, wie Menschen am Dom ihre Notdurft errichten und Feuerwerkskörper darauf abschießen, was fühlen Sie da?

Füssenich: Das ist etwas, was einen persönlich betroffen macht, vor allem weil ich weiß, dass alle die am Dom arbeiten, ihreganzes Können und Wissen in ihrerArbeit für den Dom stecken. Wenn man sieht, wie sorglos die Menschen damit umgehen und wie einfach Steine als Souvenir abgebrochen werden, scheint das vielen nicht bewusst zu sein. Allein für einen Baldachin über einer Figur investiert ein Steinmetz ein Jahr Arbeit.

Wie kann man den Dom besser schützen?

Füssenich: Zum einen, indem man wie beimdenTag der offenen Tür in der Dombauhütte Aufklärungsarbeit leistet und zeigt, was für eine tolle Arbeit da geleistet wird. Zum anderen gibt es das Nordportal, wo gerade überlegt wird,obwiedieser Bereich dauerhaftmit einem Zaunbessergeschützt werden kann.Vor demSüdportal gibtesbeispielsweisebereitsseit vielen Jahren ein künstlerisch gestaltetes Schutzgitter. Entschieden ist aber derzeit noch nichts.Zu den Aufgaben der Dombauhütte gehört es auch, den Dom nachhaltig vorVandalismus und weiteren Respektlosigkeitenkommen wirdzu schützen.

Wird der Dom am kommenden Straßenkarneval komplett abgesperrt?

Füssenich: Es wird wie in den vergangenen Jahre temporäre Absperrungen mit Bauzäunen geben, der Dom bleibt aber weiter zugänglich.

Welche Rolle spielt für Sie als Dombaumeister der Glaube?

Füssenich: Der Glaube ist mir wichtig. Ich bin seit meiner Kindheit der katholischen Kirche verbunden und war auch in der Jugendarbeit aktiv. Das ist für mich selbstverständlich und neben der Schwindelfreiheit eine der Einstellungsvoraussetzungen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz im Dom?

Füssenich: Das Triforium, ein Gang, der im Inneren um das Bauwerk herumführt. Aus 20 Meter Höhe kann man gut die unglaublichen Dimensionen des Bauwerks erkennen – ein überwältigender Eindruck.

Wie beurteilen Sie den Zustand der Domumgebung?

Füssenich: Da hat sich an der Ostseite und an der Treppe zum Hauptbahnhof viel getan. Angsträume wurden beseitigt. Der zweite Bauabschnitt an der Nordseite, wo die Betonpilze standen, steht nun an. Aber wenn man sieht, wie weit Städte wie Rom mit dem Petersdom oder Paris mit Notre Dame sind, weiß man, dass es hier noch sehr viel Handlungsbedarf gibt. An manchen Stellenbesteht noch großer Handlungsbedarf.

Was hat sich mit Ihrer Ernennung für Sie konkret verändert?

Füssenich: Mein Tagwerk hat sich nicht verändert, aber das Gefühl dabei ist ein anderes geworden. Es sind gleichermaßen Freude und Verantwortung. Ich bin bereit mich dieser Verantwortung zu stellen. Die Mühe ist es wert für alle Menschen, die für und am Dom arbeiten. Dafür werde ich meine ganze Kraft investieren.

Peter Füssenich

Zur Person Peter Füssenich wurde 1971 in Bonn geboren. Nach seinem Studium der Architektur, Baugeschichte und Denkmalpflege an der FH Köln war er zunächst Baureferent am Kölner Generalvikariat. 2012 wurde er zum stellvertretenden und 2014 nach der fristlosen Entlassung seines Vorgängers Michael Hauck zum kommissarischen Dombaumeister ernannt. Jetzt setzte er sich gegen 15 Mitbewerber durch.

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