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Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters und Meral Sahin, die deutlich machte, wie sie sich auf das Fest freue

Keupstraße: Kundgebung – Schweigeminute 15:45 Uhr, 9. Juni 2014

Köln | 9. Juni 2004, 15:45 Uhr – Eine Nagelbombe explodiert in der Keupstraße Köln-Mülheim – 22 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Sieben Jahre später 2011 werden die Opfer nicht mehr verdächtigt, sondern erst dann wurde klar, dass der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) diese Tat und zehn Morde in Deutschland begangen haben soll. Zehn Jahre nach dem Anschlag wird mit einem dreitägigen Kultur- und Politfestival erinnert, gedacht, gemahnt. Das Motto „Birlikte – Zusammenstehen“.
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„Die Lücke - ein Stück Keupstraße“

Heute wurde im Kölner E-Werk das dreitägige Programm vorgestellt. „Birlikte – Zusammenstehen“ ist ein Aktionsbündnis, dass die vereint, die an den zehnten Jahrestag gedenken wollen. Es sind Kölner Initiativen, ganz vorne die IG Keupstraße, aber auch Hamburger, wie das Magazin „Stern“ und der deutsch-italienische Musiker Mario Rispo. Meral Sahin, spricht für die IG Keupstraße. Sie ist die einzige Frau und einzige aus der Keupstraße. Sahin zeigte sich begeistert von der Energie und von dem Projekt, dass sie sich so noch nicht einmal im Traum erdacht habe. Es sei eine neue Erfahrung gewesen, als die Macher des Kölner Schauspiels, die jetzt in direkter Nachbarschaft angesiedelt sind, jeden Einzelnen in der Keupstraße kennenlernen wollten, ganz ohne Kameras und Medienbegleitung. Daraus ist das Stück „Lücke – Ein Stück Keupstraße“ geworden. Das Theaterprojekt von Nuran David Calis wird am 7. Juni als Prolog das dreitägige Fest eröffnen und Premiere im Kölner Schauspielhaus feiern.

Kunst und Kultur rund um die Keupstraße

Einen Tag später wird ein ganztägiges Kunst- und Kulturfest in und rund um die Keupstraße geben. Hinterhöfe werden offen sein, Ausstellungen in den Schaufenstern, dreißig Bühnen, ein Bücherbus der DITIB mit Werken in türkischer und deutscher Sprache. Es soll mehr als 200 Events geben. Am dritten Tag, dem Pfingstmontag ist dann der Höhepunkt mit der Kundgebung geplant. Zuvor allerdings wird um 11 Uhr der Integrationsrat des NRW Landtages öffentlich tagen. Um 12 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „NSU und die Folgen – Was müssen wir lernen?“ Als Teilnehmer haben sich Sigmar Gabriel, Mehmet Daimagüler, Rechtsanwalt im NSU-Prozess, Hülya Özdag, Geschäftsfrau aus der Keupstraße und Anetta Kahane, Amadeu Antonio Stiftung teilnehmen . Moderiert wird die Diskussion von Hans-Ulrich Jörges vom „Stern“.

Die Kundgebung

Um 15:45 Uhr beginnt dann die Kundgebung mit einer Schweigeminute. Anschließend wird Bundespräsident Joachim Gauck eine kurze Ansprache halten. Dann wird es ein sechsstündiges Konzert geben. Die Stars Wolfgang Niedecken, Peter Maffay und Udo Lindenberg waren heute auch ins E-Werk gekommen. Niedecken hofft dass solch eine Veranstaltung dazu beiträgt, dass auch die Gesamtbevölkerung zu interkulturellerem Dialog findet. Udo Lindenberg propagierte erneut seine „Bunte Republik Deutschland in der viele geile Sachen passieren können“ und sprach von „Hirntoten Rechtsradikalen“. Die Anschläge hätten jeden treffen können, so der Hamburger Musiker und jeder müsse für demokratische Grundwerte einstehen. Er sei auch privat genervt von den Rechten und mit Wut und Entschlossenheit dagegen, so Lindenberg, der auch die „Larifari Ermittlungen“ in Köln kritisierte. Peter Maffay machte deutlich, dass er sich ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassenhass wünsche und dass die Menschen verstünden, dass ein Miteinander sinnvoller sei, als ein Gegeneinander. Auch Kölner Bands wie Höhner, Bläck Fööss oder Tommy Engel werden auf der Bühne stehen. Ganz zu Beginn sollen alle Künstler zusammen den Fööss-Hit „Stammbaum“ singen. Moderiert wird die Kundgebung von Fatih Cevikkollu und Sandra Maischberger. Zülfü Livanelli und Sertab Erener & Demir Demirkan werden auftreten und Roland Temme, der für das Musikprogramm verantwortlich zeichnet kündigte weitere Überraschungen an. Neben den Musikbeiträgen wird es auch Wortbeiträge von Wilfried Schmickler, Tom Buhrow oder Isabel Schayani geben.

Ein offenes Bündnis

Man sei ein offenes Bündnis schreiben die Macher von „Birlikte – Zusammenstehen“. Die Hauptakteure sind die Stadt Köln, AG Arsch huh, Zäng ussenander!, Roland Temme, die IG Keupstraße, das Schauspiel Köln, der „Stern“, die Amadeu Antonio Stiftung und Mario Rispo. Die Veranstalter rechnen am Tag der Kundgebung mit rund 75.000 Menschen, die dann rund um die Keupstraße mit dabei sein wollen. Zu hoffen ist, dass „Birlikte – Zusammenstehen“ nicht zu sehr von deutschem Mainstream überlagert wird, sondern wirklich zum Austausch, aber auch zu echter Selbstreflektion bei Künstlern, Medien, ehemals und heutigen Verantwortlichen in Politik und Polizei führt. Heute war zumindest das Podium sehr einseitig besetzt. Nur eine Frau und nur eine Vertreterin der Keupstraße, Meral Sahin. Die machte nach der Pressekonferenz einen irritierten Eindruck, weil die Massen an Journalisten zunächst keine Fragen nach dem Hintergrund stellten, sondern nur nach der erwarteten Besucherzahl. Und auf dem Foto, dass derzeit durch die deutschen Medien wandert, ist sie, Meral Sahin, nicht zu sehen, sondern nur die deutschen Stars und Oberbürgermeister Jürgen Roters.

Aber zumindest das Kulturfest am Sonntag, bei dem auch das NRW-Landespolizeiorchester türkische Lieder performen wird, könnte wirklichen Austausch, Dialog und Aussprache fördern. Weil die Kölnerinnen und Kölner normalerweise neugierig sind und sich vielleicht in dem ein oder anderen Hinterhof in der Keupstraße oder vor den Schaufenstern, dann Diskussionen von Mensch zu Mensch möglich sind. Rhetorik im Vorfeld wie die von Hans-Ulrich Jörges, dem Mitglied der Stern Chefredaktion auf „stern.de“ „die Veranstaltung werde wohl eine der bewegendsten Manifestationen gegen Rassismus in Deutschland - ein gewaltiges Echo auf die Bombe", sind dagegen eher zweifelhaft zu werten.

Das Programm im Detail, wie es die Veranstalter veröffentlicht haben:

Tag I: Samstag, 7. Juni 2014 – Prolog

19.00 Uhr Schauspiel Köln: »Die Lücke – Ein Stück Keupstraße«
Premiere des Theaterprojektes von Nuran David Calis über das Leben in der Keupstraße und die Folgen des Anschlags. Das Stück entsteht in enger Zusammenarbeit mit der IG Keupstraße und unter Beteiligung der Anwohner der Keupstraße.
Ort: Schauspiel Köln im Depot, Schanzenstraße 6-20, Köln-Mülheim und in der Keupstraße

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Tag II: Sonntag, 8. Juni 2014 – Kunst- und Kulturfest

11.00 bis 23:00 Uhr Ganztägiges Kunst- und Kulturfest

»Offene Keupstraße, offene Läden, offene Hinterhöfe!«

Musik, Theater, Literatur, Filme, Diskussionsforen und Kinder- und Familienpark auf mehr als 30 Bühnen in der Keupstraße: Open-Air und in den Restaurants, Geschäften und Hinterhöfen, in der Moschee sowie auf dem Gelände des benachbarten Carlswerks. Veranstaltet von der IG Keupstraße, dem Schauspiel Köln, der Stadt Köln und der »AG Arsch huh, Zäng ussenander! e. V.« in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis »Birlikte«, dem Integrationsrat der Stadt Köln und zahlreichen Mülheimer und Kölner Kulturinitiativen und Kunstinstitutionen.

18.30 Uhr Empfang des Oberbürgermeisters der Stadt Köln für die Initiatoren, Förderer, Unterstützer und Gäste des Aktionsbündnisses »Birlikte – Zusammenstehen«

Ort: Schauspiel Köln im Depot

20.00 Uhr Ein musikalischer Abend mit Mario Rispo und Gästen

Deutsch-Türkischer Festabend mit Konzert und prominenten Gastreden

Ort: Schauspiel Köln im Depot

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Tag III: Montag, 9. Juni 2014 – Kundgebungstag

11.00 Uhr Öffentliche Tagung des Integrationsausschusses des Landtages NRW

Ort: ISS-Netzwerk, Genovevastraße 94, Köln-Mülheim

12.00 Uhr Podiumsdiskussion: »NSU und die Folgen – Was müssen wir lernen?«

Mit Sigmar Gabriel (SPD-Parteivorsitzender), Mehmet Daimagüler (Rechtsanwalt im NSUProzess), Hülya Özdag (Geschäftsfrau Keupstraße), Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung)
Moderation: Hans-Ulrich Jörges (stern). Veranstaltet von der stern-Initiative »Mut gegen rechte Gewalt« in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis »Birlikte«
Ort: Palladium, Schanzenstraße 40, Köln-Mülheim

15.45 Uhr bis 22.00 Uhr Arsch huh, Zäng ussenander!: Große Kundgebung »Birlikte – Zusammenstehen«
mit Musik- und Wortbeiträgen zahlreicher nationaler und internationaler Stars. Unter anderem mit Udo Lindenberg, Peter Maffay, Niedeckens Bap, Zülfü Livaneli, Sertab Erener & Demir Demirkan, Hardy Krüger, Bläck Fööss, Serdar Somuncu, Carolin Kebekus,Tom Buhrow, Brings, Höhner, Kasalla, Isabel Schayani, Tommy Engel und Arno Steffen, Wilfried Schmickler u. v. a. / Moderation: Sandra Maischberger und Fatih çevikkollu.
Veranstaltet von der »AG Arsch huh, Zäng ussenander! e. V.« in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis »Birlikte«.
Ort: Freigelände an der Schanzenstraße, Mülheim. Nebenflächen und Public Viewing: Mülheim, Clevischer Ring und Böckingpark

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