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Die klassische Tafel- und Vitrinenausstellung ist aufgebaut wie ein römischer Kanal

Römisch-Germanisches Museum: 20 Millionen Liter Frischwasser jeden Tag für Köln

Köln | Eine Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum (RGM) beschäftigt sich mit den beiden Kölner Wasserleitungen zur Römerzeit. Einmal der aus dem Vorgebirge und einmal der aus der Eifel. RGM-Museumsdirektor Trier und Ausstellungsmacher Klaus Grewe beschreiben die technische Raffinesse mit der die Römer diese Wasserleitungen bauten und was diese für Köln bedeuten. Eine Ausstellung, die zwischen Historischer und technischer Darstellung changiert.

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Fotostrecke: Einblick in die Ausstellung "Wasser für Roms Städte" des Römisch-Germanischen Museums in Köln >
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Jeder antike Kölner verbrauchte 1.200 Liter Wasser am Tag

Die Ausstellung würde die sehr erfolgreich angelaufene Ausstellung zum römischen Arzt, dem Medicus, ergänzen, so Trier bei seinem Eingangsstatement. Medizin sei ein Evergreen und habe bereits mehr als 11.000 Besucher angezogen. Ob die römischen Wasserleitungen einen ähnlichen Erfolg bringen werden, darf erst einmal bezweifelt werden, allerdings ist die Ausstellung nicht minder spannend. Es geht um die 100 km lange Wasserleitung zwischen der Eifel und dem römischen Köln. 20 Millionen Liter Wasser flossen ungehindert durch einen Hahn oder ähnliches nach Köln. Der antike Kölner brachte es da locker auf einen Wasserverbrauch von 1.200 Litern pro Tag. Der aktuelle Kölner verbraucht dagegen 120 Liter Wasser pro Tag. Vor allem die Kölner Thermen benötigten viel Wasser.

Kalkhaltiges Wasser gesucht

Um 30 nach Christus so die Experten versorgte die Leitung aus dem Vorgebirge die Kölner mit frischem Wasser. Diese speiste sich vor allem aus den Niederschlägen der Region und versiegte in heißen und trockenen Sommern schon einmal. Gegen 80 nach Christus haben die Römer, so die Schätzungen der Experten, dann die rund 100 km lange Leitung aus der Eifel angelegt. Um 80 nach Christus wirkte Sextus Iulius Frontinus in Köln, der spätere Chef der Wasserwerke von Rom. Die Römer, da ist sich Grewe sicher, suchten nach kalkhaltigem Wasser für Köln. Daher der weite Weg in die Eifel. Denn in Köln waren Bleirohre verlegt und schon die Römer wussten, dass sich der Kalk an den Leitungen ablagerte und diese dadurch weniger gefährlich für den Menschen machte. In der Eifelleitung wurden bis zu 40 cm dicke Kalkablagerungen gefunden. Die helfen heute den Wissenschaftlern bei der Bestimmung, wie lange die Leitungen in Betrieb waren. Gesichert seien rund 190 Jahre, so Grewe. Dann zerstörten die Franken die Wasserleitung und in Köln wurden in der spätrömischen Zeit viele Brunnen gegraben. Das muss gegen 270/280 nach Christus passiert sein.

Technisches Bravourstück

Die Leitung wurde nie wieder aufgebaut. Ganz im Gegenteil man nutzte sich als Steinbruch, ganze Klöster wurden damit gebaut, wie Gut Kapellen. Dort wurden die römischen Rundbogen gar als Kreuzgang wieder aufgebaut. Die Plünderung der Wasserleitung ging so weit, dass die Steine bis nach Canterbury in England exportiert wurden. Das Besondere an der Leitung und dieser Themenblock wird ausgiebig behandelt ist die technische Raffinesse mit der gebaut wurde. Denn die Eifelleitung, das sei archäologisch bewiesen, wurde in rund 25 Baulose aufgeteilt. Das bedeutet es wurde an 25 Bauabschnitten gleichzeitig gearbeitet. Da mussten die römischen Ingenieure ganz genau messen, damit sich die einzelnen Abschnitte der Leitungen auch trafen. Dazu hatten sich spezielle Geräte angewandt, wie den Chorobates, mit dem sie die Gefälle und Höhen exakt bestimmen konnten. Teilweise hatten die Leitungen nur minimalste Gefälle, Berge und Täler mussten überwunden werden. Museumsdirektor Trier spricht daher von einem technischen Bravourstück.

Das Wasser wurde aber nicht nur als Versorgung der Bevölkerung oder der Thermen benutzt, sondern auch als Antriebsmittel für Sägen, die etwa für die Bearbeitung von Steinblöcken genutzt wurden. Grewe geht davon aus, dass rund 500 Arbeiter an der Eifelwasserleitung für Köln arbeiteten. Das viele Wasser wurde übrigens auch genutzt um die Stadt sauber zu halten. Zur Ausstellung gibt es ein Begleitbuch von Klaus Grewe mit dem Titel „Aquädukte – Wasser für Roms Städte“. Die klassisch präsentierte Ausstellung im Foyer des Römisch-Germanischen Museums ist vom 26. Juni bis 11. Oktober 2015 zu sehen. Am Donnerstag, 20. August 2015 ab 18:30 Uhr bei freiem Eintritt gibt es eine Vortrag von Prof. Grewe zum Thema. Zudem ist am 18. Juli 2015 eine kostenpflichtige Busexkursion zur römischen Eifelwasserleitung vorgesehen und am 19. September 2015 eine Stadtwanderung in Köln.

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Klaus Grewe

Aquädukte – Wasser für Roms Städte

396 Seiten, gebunden
mit zahlreichen Abbildungen
regionalia Verlag
ISBN 978-3-95540-127-6
29,90 Euro

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Das Römisch Germanische Museum der Stadt Köln
Roncalliplatz 4, 50667 Köln
Öffnungszeiten: Täglich außer Montag 10-17 Uhr
Am ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr

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