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Krawalle in Leipzig: Dutzende Polizisten verletzt

Leipzig | Bei Krawallen am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten sind am Samstag 69 Polizisten verletzt worden. Auch unter Protestteilnehmern habe es Verletzte gegeben, teilten die Beamten mit. 23 Personen seien in Gewahrsam genommen worden.

Rund 150 Anhänger der "Offensive für Deutschland", der Neonazi-Partei "Die Rechte" und des Pegida-Ablegers Thügida waren durch die Leipziger Südvorstadt marschiert, an insgesamt zehn Gegenveranstaltungen hatten sich Schätzungen zufolge rund 2.500 Menschen beteiligt. Schon im Vorfeld des Aufzugs der Rechtspopulisten sei es zu Ausschreitungen durch etwa 300 Linksautonome gekommen, teilte die Polizei weiter mit. Zudem hätten bis zu 1.000 vermummte Gewalttäter Beamte und Einsatzfahrzeuge mit Pflastersteinen beworfen.

Die Einsatzkräfte setzten Reizgas und Wasserwerfer ein. An mehreren Stellen im Stadtgebiet wurden Mülltonnen, Container und Reifen in Brand gesetzt, Fensterscheiben von Geschäften und Banken wurden eingeschlagen. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach von "offenem Straßenterror".

"Hier haben sich extreme Gewalttäter das Deckmäntelchen des Antifaschismus übergeworfen, um den Staat anzugreifen. Diese Kriminellen diskreditieren, unterlaufen und verhindern letztlich den so wichtigen, friedlichen Protest gegen Neonazis", so Jung. "Mit allen friedlichen Demonstranten erwarte ich eine Stärkung der Polizeikräfte und unnachgiebige Verfolgung der Straftäter."

Leipzig-Krawalle: Politologe kritisiert Umgang mit linker Gewalt

Nach den linken Krawallen in Leipzig hat der Dresdner Extremismus-Forscher Werner Patzelt der Politik eine ambivalente Haltung zu linker Gewalt vorgeworfen. Weil links grundsätzlich als gut und rechts immer als schlecht gelte, stehe "Gewalt von links gegen rechts stets im Dienst einer guten Sache, und also sind auch solche Mittel erlaubt, die man Rechten niemals nachsehen würde", sagte Patzelt der "Welt". Hintergrund der Äußerungen sind die Ausschreitungen von Linksextremisten am vergangenen Wochenende in Leipzig-Connewitz.

Alle hätten gewusst, was passieren würde, sagte Patzelt. Ihn hätten die Ausschreitungen jedenfalls nicht überrascht, denn er habe die Gelegenheit gehabt, vorab eine Einschätzung des Leipziger Polizeipräsidenten zu hören. "Genauso, wie der es vorhersagte, ist es dann auch gekommen", sagte der Politikwissenschaftler von der Technischen Universität Dresden.

"Es war zumindest der Polizei klar und ebenso jenen Linksextremisten, die sich in Leipzig einmal mehr höchst aktiv an die Bekämpfung des ewig Bösen gemacht haben, also an den Kampf gegen rechts sowie gegen jenen Staat, der auch den Gegnern von Linken ihre Freiheitsrechte sichert." Scharfe Kritik übte Patzelt an Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Dieser habe sich im Nachhinein erstaunt über jene Gewalttätigkeit gezeigt, "obwohl in seiner Stadt derlei Übergriffe immer wieder vorkommen", sagte Patzelt.

"Solange es um die viel gelobte Leipziger Abwehr von Legida ging, schien er Gewalt gegen rechts billigend in Kauf zu nehmen. Erst jetzt, wo es in ganz offensichtlicher Unverhältnismäßigkeit um ein Häuflein von vielleicht 200 Rechtsextremen und im Wesentlichen gegen die Polizei ging, gibt er sich bestürzt, obwohl sich im Grunde nichts Neues ereignet hat."

Fakt ist allerdings auch, dass in Heidenau bei den rechten Ausschreitungen es zu keinen Festnahmen kam.

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