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Paris: Klimagipfel beginnt - Ausschreitungen - Experten melden sich zu Wort

Paris | Am Rande von Demonstrationen gegen den Weltklimagipfel in Paris ist es am Sonntag zu Ausschreitungen gekommen. Auf dem Platz der Republik hatten sich trotz eines Demonstrationsverbotes Menschen versammelt. Vermummte warfen mit Flaschen und andere Wurfgeschossen auf Polizisten.

Diese gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Randalierer vor. Mehr als 200 Menschen wurden festgenommen, verletzt wurde niemand. Der französische Staatspräsident Hollande verurteilte die Krawalle als "skandalös".

Zehntausende demonstrieren weltweit für Klimaschutz

Zehntausende Menschen haben am Sonntag weltweit für Klimaschutz demonstriert. Zu einer Kundgebung in Berlin wurden bis zu 15.000 Demonstranten erwartet, im australischen Sydney hatten zuvor mehr als 45.000 Menschen demonstriert. Auch in London, Sao Paulo und Johannesburg gab es Kundgebungen.

Insgesamt waren für das Wochenende mehr als 2.000 Veranstaltungen in 50 Staaten geplant. In Paris, wo am Montag der Weltklimagipfel offiziell beginnt, wurde nach der Anschlagsserie vom 13. November eine Demonstration aus Sicherheitsgründen abgesagt. Stattdessen stellten Aktivisten auf der Place de la République Tausende Schuhe auf.

Weltbank-Chef Kim will das Schlimmste beim Klimawandel verhindern

Für Weltbank-Chef Jim Kim besteht keine Hoffnung mehr, den Klimawandel aufhalten zu können. "Wir werden eine Erwärmung erleben – mehr Dürren, Überflutungen und Verlust von Farmland", sagte Kim dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). "Wir müssen vorbereitet sein."

Allerdings könne das Schlimmste noch vermieden werden. Zum Auftakt der internationalen Klimaschutz-Verhandlungen in Paris warnte Kim davor, dass der Treibhauseffekt das Ziel der Staatengemeinschaft gefährde, die extreme Armut zu überwinden: "Ohne große Anstrengungen gegen die Erderwärmung könnten 2030 bis zu 100 Millionen Menschen zusätzlich in Armut leben." Hoffnung bereite Kim indes das Umdenken der chinesischen Staatsführung.

"Bis 2017 wollen die Chinesen in den Emissionshandel einsteigen. Jeder, der den chinesischen Markt betritt, muss sich künftig darüber Gedanken machen, wie er Lösungen zur Emissionsvermeidung anbieten kann." Um die Auswirkungen des Klimawandels abzudämpfen setze Kim auf Innovationen.

Im Kern gehe es nicht um Verträge und Vereinbarungen, sondern darum, die Marktkräfte in Gang zu setzen, so dass alle sagen würden: "Es ist im Interesse meiner Familie, meiner Firma und meines Landes, nach CO2-armen Technologien mit der gleichen Energie zu suchen, mit der bisher am neuesten iPad oder der neusten Software gearbeitet wird."

Entwicklungs-Experte Lomborg glaubt nicht an Erfolg des Klimagipfels

Björn Lomborg, einer der lautstärksten Kritiker der globalen Klimapolitik, glaubt, dass der Pariser Klimagipfel trotz umfangreicher Zusagen vieler Teilnehmer im Vorfeld der Konferenz keine nennenswerten Ergebnisse bringen wird. Er erwarte "viel Poserei und Politisiererei und am Ende ein Abkommen, das rechtlich überhaupt nicht bindend sein wird", sagte Lomborg im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" (29. November). Der Mitgründer des Kopenhagener Konsens, einer Denkfabrik, die ökonomische Prioritäten für die drängendsten Probleme der Menschheit erarbeitet, rechnet in Paris mit einem PR-Spektakel, das kaum Einwirkungen auf das Weltklima haben werde.

"Die Politiker werden sich gegenseitig auf die Schultern klopfen und dafür loben, dass sie den Weg dafür ebnen, dass die globale Temperatur um weniger als zwei Grad ansteigt", sagte Lomborg der "Welt am Sonntag". "Das ist reine Augenwischerei." Der 21. UN-Klimagipfel beginnt am Montag in der französischen Hauptstadt.

Die Berechnungen des Kopenhagener Konsens zeigten, dass die Versprechen, die bereits vorab für den Gipfel gegeben wurden, im Jahr 2030 rund eine Billion Dollar im Jahr kosten würden, aber den globalen Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts nur um 0,05 Grad dämpfen könnten. "Das ist ein wahnsinnig schlechtes Geschäft", sagte Lomborg. Auch die Klimagipfel der Vergangenheit hätten erschreckend wenig gebracht, kritisiert Lomborg: Die Welt würde der Erderwärmung wahrscheinlich weniger Aufmerksamkeit schenken ohne die bisherigen Klimagipfel, so der Politikwissenschaftler weiter.

"Aber die einzigen nennenswerten Reduktionen des Kohlendioxid-Ausstoßes wurden nicht durch Klimagipfel erreicht, sondern durch Wirtschaftskrisen. Hätten wir nicht all die Zeit und den Aufwand darauf vergeudet, fossile Brennstoffe teurer zu machen, hätten wir diese Ressourcen nutzen können, um regenerative Energien billiger und effizienter zu machen." Lomborg fordert seit Jahren, Entwicklungshilfe-Milliarden effizienter einzusetzen: Etwa dazu, frühkindliche Mangelernährung auszumerzen oder Infektionskrankheiten wie Malaria einzudämmen; dort könne jeder eingesetzte Euro mehr bewirken als etwa in der Klimapolitik, die sehr teuer sei und wenig bringe.

Experte: Klimawandel ist wie Asteroideneinschlag in Super-Zeitlupe

Vor dem Klimagipfel in Paris warnt der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber vor katastrophalen Folgen der Erderwärmung: "Der Klimawandel ist wie ein Asteroideneinschlag in Super-Zeitlupe", sagte Schellnhuber der "Bild am Sonntag". "Und deshalb ist er eine riesige psychologische Herausforderung: Wir verdrängen ihn wegen seiner Langsamkeit." Schellnhuber warnt unter anderem vor steigenden Flüchtlingszahlen: "Wenn wir weiter ungehemmt Kohle, Öl, Gas verfeuern und damit Treibhausgase ausstoßen, droht etwa die Entstehung unbewohnbarer Regionen mit 60 Grad und mehr. Wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet, und wir am Ende des Jahrhunderts eine Weltbevölkerung von elf Milliarden Menschen haben, dann wird es massive Fluchtbewegungen Richtung Europa geben." Die Politik fordert der Klimaforscher zum Handeln auf. "Wir brauchen die Überführung der Zwei-Grad-Begrenzung in internationales Recht und eine überzeugende Vision, wie man im 21. Jahrhundert ein gutes Leben auf nachhaltige Weise führt."

Jeder einzelne könne zudem durch sein Verhalten zum Klimaschutz beitragen. "Sonntagsbraten statt täglich Schnitzel, das schützt die Umwelt und ist gesund", so Schellnhuber in der BamS. "Der Konsument ist mächtig."

Hendricks will verbindliche Verpflichtung zur Begrenzung der Erderwärmung

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat eine völkerrechtlich verbindliche Verpflichtung zur Begrenzung der Erderwärmung um höchstens zwei Grad gefordert. Zudem müsse die Einhaltung einer solchen Vereinbarung regelmäßig überprüft werden, betonte Hendricks vor dem am Montag beginnenden Weltklimagipfel in Paris im Interview mit dem "Deutschlandfunk". "Wir sagen, ein Überprüfungsmechanismus alle fünf Jahre, ob denn das, was die Länder als ihre Beiträge der Weltgemeinschaft, der UNO gemeldet haben, auch wirklich umgesetzt werden und ob sie tatsächlich zeitnah und ausreichend umgesetzt werden."

Darüber hinaus sei auch ein verpflichtender Mess- und Regelmechanismus notwendig, "damit eine Tonne CO2 überall auf der Welt auch eine Tonne CO2 ist", so die Umweltministerin. "Und um diese drei Punkte durchsetzen zu können, brauchen wir als Voraussetzung die vertrauensbildende Maßnahme, dass wir tatsächlich die 100 Milliarden Dollar, die ab 2020 zugesagt worden sind, den Ländern des Südens, von den Ländern des Nordens und denjenigen, die es sich leisten können – also nicht nur die Industrieländer, die aber an erster Stelle –, dass diese 100 Milliarden Dollar für die Länder des Südens zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Anpassung an den schon stattfindenden Klimawandel auch tatsächlich zur Verfügung stehen."

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