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Beckenbauer: "Damals haben wir es einfach gut gemeint"

München | Der ehemalige Chef des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2006, Franz Beckenbauer, hat sich im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe) erstmals zu dem jüngst bekannt gewordenen Vertrag mit dem früheren Fifa-Funktionär Jack Warner aus der Karibik geäußert. Das Abkommen sei vor allem ein "Entwicklungshilfe-Paket mit Ticketing-Möglichkeit" gewesen. Der Vertrag datiert vom 2. Juni 2000. Vier Tage später bekam Deutschland vom Exekutivkomitee des Weltverbands Fifa mit 12:11 Stimmen den Zuschlag für die WM 2006. Der damalige Fifa-Vize Warner, Chef des Verbandes für die Karibik, Nord- und Mittelamerika, war einer der Wahlmänner.

Warner hatte in seiner Zeit als Fifa-Funktionär über Ticketkontingente, wie man heute weiß, viel Geld verdient. Er ist vor zwei Monaten von der Ethik-Kommission der Fifa wegen diverser Vergehen lebenslang für alle Fußball-Ämter gesperrt worden. Beckenbauer sagte dazu der SZ, "aus heutiger Sicht sieht manches komisch aus, und einiges würde man heute auch nicht mehr so machen. Aber damals haben wir es einfach gut gemeint". Warner habe dem deutschen Bewerbungskomitee gesagt: "Wenn ihr Freunde seid, macht was für meine Konföderation." Die anderen Mitglieder der Fifa-Exekutive hätten sich auch so geäußert.

Warner habe den deutschen WM-Bewerbern ein Ausbildungszentrum in Trinidad & Tobago gezeigt, das die Fifa und die Engländer mitfinanziert hätten. England hatte sich ebenfalls um die WM 2006 beworben. Zu dem Vertrag mit Warner sagte Beckenbauer auch, er habe damals Tausende Briefe, Erklärungen und Vereinbarungen unterschrieben.

"Ich habe immer alles einfach unterschrieben, ich habe sogar blanko unterschrieben." Die WM 2006 habe man aber nicht gekauft. "Der Vorwurf ist falsch. Wir hatten doch gar kein Geld gehabt." Beckenbauer äußert sich in der SZ auch zu den zehn Millionen Schweizer Franken, die das WM-OK nach heutigen Erkenntnissen Anfang 2002 heimlich an Fifa-Kreise zahlte, um vom Weltverband 250 Millionen Franken als Zuschuss für die WM zu bekommen. "Ich ging davon aus, dass die zehn Millionen Franken in die Finanzkommission fließen." Mitglied der Fifa-Finanzkommission war damals der Fifa-Vize Mohamed Bin Hammam, mit dem das besprochen worden sei. Es sei ein Fehler gewesen, nicht nachgefragt zu haben, wohin das Geld fließe. Außerdem habe der seinerzeitige DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder empfohlen, "dass wir uns nicht in Fifa-Interna einmischen".

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