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Der neue Geschäftsführer für Deutschland des Telekommunikationskonzerns Vodafone, Jens Schulte-Bockum

NRW: Interview - Neuer Vodafone-Deutschlandchef Schulte-Bockum kündigt zusätzliche Millionen für den Hochgeschwindigkeits-Funk LTE an

Berlin | Wenn Jens Schulte-Bockum am (morgigen) Montag offiziell als neuer Deutschlandchef von Vodafone übernimmt, leitet er den nach Kunden größten Mobilfunker Deutschlands. Im Interview mit dapd-Korrespondent Stephan Radomsky sprach der 45-jährige Manager über seine Ziele, zusätzliche Investitionen und Hindernisse für den Hochgeschwindigkeits-Funk LTE sowie Probleme mit dem iPhone.

dapd: Herr Schulte-Bockum, Sie übernehmen den Chefsessel beim deutschen Mobilfunk-Marktführer. Eigentlich alles bereit für einen Traumstart, oder?
Schulte-Bockum: Ja, das ist ein schöner Start und ein tolles Erbe, aus dem man etwas machen muss. Es ist gut, wie hier in Deutschland einen Markt als Spitzenreiter anzugehen. In unserer Branche verändert sich vieles sehr schnell. Da braucht es einen Platz in den vorderen Reihen, um aktiv mitzugestalten.

Ein Punkt auf den Sie besonderen Wert legen wollen, ist das "Kundenerlebnis". Wie können Sie sich hier vom Wettbewerb abheben?
Wir stehen vor der Frage, ob wir auch in Zukunft als Premiummarke auf den Markt wollen, oder ob wir daran glauben, dass Wettbewerb künftig nur über den Preis funktioniert. Bei uns herrscht Einigkeit, dass Vodafone für moderne Technik, Qualität und Kundennähe stehen soll. Aber dafür müssen wir investieren, nicht nur in LTE, sondern auch in die anderen Netz-Technologien, wo wir zuletzt etwas zurückgefallen sind. Das ist wichtig, um sich von den kleineren Anbietern abzuheben. Gegenüber der Telekom haben wir die Chance, über den Service zu punkten: Dazu gehört, was der Kunde in unseren Läden erlebt, wie gut unser Angebot im Internet ist und wie der Service an der Hotline funktioniert. Laut Marktforschung haben wir da einen Vorsprung. Aber in der Realität sind wir dem nicht immer gerecht geworden. Diese Lücke möchte ich schließen.

Die Netzqualität lässt sich technisch relativ leicht verbessern. Aber wie wollen sie den Service stärken?
So einfach ist das mit der Netzqualität nun auch nicht. Hier sind wir im größten Modernisierungsprogramm unserer Geschichte. Beim Service wollen wir vor allem zusätzliche Dienste bieten, etwa Versicherungen für die Geräte oder Rückrufe durch den Kundenservice statt Warten in der Hotline. Außerdem wollen wir digitaler werden: Wir sind heute kein wirklich digitales Unternehmen, was für einen Telekommunikationsanbieter eigentlich aberwitzig ist. Wenn wir über Kunden nachdenken, sind wir immer noch sehr von Handel und Hotline geprägt. Es ist ein Treppenwitz, dass der Kunde auf dem Handy noch immer nicht die gleichen Service-Möglichkeiten hat wie im Laden. Aber da will ich hin.

Neben dem Service beschwört die gesamte Branche den Hochgeschwindigkeits-Funk LTE. Welche Bedeutung wird diese Technik in näherer Zukunft aus Ihrer Sicht haben?
LTE ist der Durchbruch für das mobile Internet. Die ganze Branche hat bei UMTS zu hohe Erwartungen geweckt, und um es ehrlich zu sagen, sie sind nicht immer erfüllt worden. Aber LTE ist wirklich eine andere Liga: Das ist Technik für die Fläche und den Massenmarkt. Nicht mehr die Nachfrage der Kunden wird das Problem sein, sondern wir müssen das Angebot schnell genug hochfahren können. Weil die Frequenzen um 800 Gigahertz so weit tragen, haben wir schon jetzt über 50 Prozent der Fläche Deutschlands abgedeckt. Bis Ende März wollen wir außerdem 80 Großstädte mit LTE ausgebaut haben. In ein, zwei Jahren sind dann überall Verbindungen verfügbar, die schneller sind als DSL. Dann werden Themen wie Smartphones und mobiles Arbeiten nochmal rasant anziehen. Viele Kunden werden nicht mehr nur mobil telefonieren, sondern auch komplett mobil surfen.

Aber die Preise sinken tendenziell. Wie lässt sich Geld verdienen, wenn gleichzeitig hohe Summen in den Netzausbau fließen?
 Ich glaube nicht, dass Datendienste auf längere Sicht als Standard zu Billigpreisen über die Ladentheke gehen können. Vor allem, weil es hier echte Qualitätsunterschiede gibt. Schon heute macht es keinen Spaß, in einem der kleineren Netze in Deutschland mit einem Smartphone im Internet unterwegs zu sein. Und weil wir massiv ins Netz investieren, werden die Unterschiede noch viel sichtbarer werden. Und dann wird es auch zusätzliche Angebote mit mehr Leistung und unterschiedliche Dienste zu verschiedenen Uhrzeiten geben. Der Kunde entscheidet, was ihm wichtig ist und wo er bereit ist, mehr zu zahlen. Damit werden wir dann hoffentlich ausgleichen, was wir bei Sprache und SMS über die Jahre verlieren.

Wie entwickeln sich die Nutzerzahlen bei LTE derzeit?
Wir stehen da noch am Anfang der Welle, haben aber schon jetzt rund 200.000 Kunden, die LTE als Festnetz-Ersatz nutzen, um zu Hause zu surfen. Es werden jeden Tag rund 1.500 mehr. Jetzt stellen die Hersteller mehr und mehr LTE-fähige Mobilgeräte und Tablets vor. Durch zügigen Ausbau und mehr Vielfalt bei Endgeräten wächst auch das Vertrauen beim Kunden. Und wir gehen jetzt nach dem Land in die Städte. Deshalb werden wir bei den Neukunden ziemlich bald über 20 Prozent LTE-Nutzern liegen.

Derzeit stockt der Ausbau, weil die Bundesnetzagentur nicht mit dem Bearbeiten der Anträge für neue LTE-Antennen nachkommt. Zeichnet sich hier inzwischen eine Verbesserung ab?
Nun, das Thema ist angekommen, die Lage bleibt aber ernst. Die Bundesnetzagentur setzt jetzt alles daran, dem Rückstau Herr zu werden. Mittlerweile hat sich eine Halde von 10.000 unbearbeiteten Anträgen für Richtfunkstrecken angesammelt, die wir aber zur Anbindung der Stationen brauchen. Das Problem scheint nicht in ein paar Monaten aus der Welt zu sein. Die Behörde muss dringend so ausgestattet werden, dass sie handlungsfähig wird und die gesetzlichen Fristen einhält. Gesetze, die der Gesetzgeber selber nicht einhält, sind eigentlich ein Husarenstück. Wir sind in Gesprächen, ob Genehmigungen unter Vorbehalt eine Lösung sein können. Aber auch das ist nicht einfach, weil das Haftungsrisiken birgt. Dafür müssen Netzagentur und Politik Lösungen anbieten.

Können Sie beziffern, wie hoch der Schaden durch die Verzögerungen für Vodafone bisher ist?
Wir reden allein für uns von fast 5.000 liegengebliebenen Anträgen, die im Schnitt fünf Monate verzögert sind. Dadurch haben wir allein in den letzten sechs Monaten bei LTE Umsatzabweichungen im zweistelligen Millionenbereich im Vergleich zu dem, was wir uns vorgenommen hatten. Dazu kommen die Kosten für die Frequenzen. Wir haben 1,4 Milliarden Euro an den Bund gezahlt für Frequenzen, die wir nicht optimal nutzen können. Und natürlich halten wir Technik vor, die Geld kostet. Momentan geht es uns nicht um Klagen und Schadensersatz, sondern um Lösungen. Ich gebe allerdings zu, dass das Thema Haftung und Schadensersatz durch den Bund in der Branche diskutiert wird und auch nicht vom Tisch ist.

Bis Ende 2015 will Vodafone LTE eigentlich in ganz Deutschland anbieten. Ist dieses Ziel noch zu halten?
Das könnte schwierig werden, wenn der Rückstau weiter wächst. Dann gefährdet die Verwaltung die von der Politik selbst gesteckten Ziele. Aber ich bin immer noch zuversichtlich, dass wird den kompletten Ausbau bis 2015 schaffen können, wenn die Netzagentur selber ins Risiko geht und Genehmigungen unter Vorbehalt erteilt.

Wie viel Geld werden Sie bis dahin noch in den LTE-Ausbau stecken müssen?
Allein in diesem Jahr werden wir zwischen 25 und 30 Prozent mehr in die Technik investieren als 2011. Damit fließt zusätzlich ein dreistelliger Millionenbetrag in den Ausbau. Insgesamt, also für alle Funkstandards, macht das 2012 über eine Milliarde Euro. Und wenn man nur LTE betrachtet, reden wir für den ganzen Ausbau - die Hälfte ist ja schon geschafft - auch über einen Milliardenbetrag. Das zeigt, wie groß das Interesse von Vodafone am deutschen Markt ist.

Sind auch für das kommende Jahr bereits zusätzliche Mittel für Netzausbau eingeplant?
Wir haben darüber in den vergangenen Wochen im Konzern diskutiert und es zeichnet sich ab, dass wir nicht nur 2013, sondern in den nächsten drei Jahren viel Unterstützung für den Ausbau in allen Bereichen bekommen. Damit können wir das Investitionstempo deutlich erhöhen und unseren Vorsprung ausbauen. Und der wird uns im Wettbewerb zugutekommen.

Welche Rolle wird das Datengeschäft für Ihre Umsätze spielen?
Heute machen wir im Mobilfunk annähernd zwei Drittel unserer Umsätze mit Sprache und SMS und ein Drittel mit Datendiensten. Ich gehe davon aus, dass sich dieses Verhältnis in den nächsten fünf Jahren umkehren wird. Dann werden mobile Datendienste der Kern unseres Geschäfts sein.

Eher hinderlich dürfte sein, dass das iPhone 5 nur im LTE-Netz Ihres Rivalen Telekom funkt. Wie wollen Sie diesem Handicap begegnen?
Natürlich bedauern wir die Entscheidung, dass Apple den in Europa stark genutzten LTE-Standard 800 nicht bedient. Andere Handyhersteller sind da in ihrer Strategie breiter aufgestellt. Wir setzen bei LTE auf die 800-Gigahertz-Frequenzen, weil wir dieses Netz wirklich flächendeckend aufbauen können. Ich glaube aber, dass die Marktgegebenheiten in Europa über kurz oder lang Apple überzeugen können.

Sprechen Sie darüber miteinander?
Natürlich reden wir mit Apple wie mit allen anderen Herstellern regelmäßig.

Dann kommt das LTE-iPhone zum nächsten Modellwechsel?
Genau das wird Apple entscheiden müssen. Ich hätte aber durchaus Ideen und einen Rat...

Aber es wird keinen LTE-Ausbau im 1.800-Gigahertz-Band geben.
Das ist momentan nicht geplant.

Das heißt, dass Besitzer eines iPhone 5 dauerhaft nicht bei Vodafone mit LTE ins Netz gehen können?
Das ist der Stand der Dinge. Aber auch bei unserem Wettbewerber werden Kunden, die jetzt ein iPhone 5 kaufen, nie in den Genuss eines flächendeckenden Netzes kommen, weil alle Netzbetreiber außerhalb der Städte die LTE 800er-Frequenzen nutzen.

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