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3. Ehrenfelder Kulturforum: Freiraum für Kultur am Güterbahnhof sorgt für immensen Schub

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Köln, 23.11.2008, 17:40 Uhr > Der Verein „Jack in the Box“ richtete das 3. Ehrenfelder Kulturforum aus, zu dem Bezirksbürgermeister Josef Wirges geladen hatte. „Jack in the box“ ist auf dem Gelände des ehemaligen Ehrenfelder Kulturbahnhofs zu Hause, um das zur Zeit heftig gerungen wird und dessen Entwicklung letztendlich richtungsweisend für die Gesamtentwicklung Ehrenfelds sein kann: Kreativ-Viertel mit europäischem Potenzial oder Abstellfläche für Discounter aller Art. Das Künstler-Biotop Ehrenfeld ist aber bedroht.
Raum für künstlerische und politische Diskussion
Zwei Aspekte werden auf dem Ehrenfelder Kulturforum behandelt. Zum einen stellt sich eine Ehrenfelder Kulturinstitution vor, zum anderen wird, auch im lockeren Dialog über die kulturelle Entwicklung in Ehrenfeld gesprochen. Heiß diskutiert wird gerade die Entwicklung auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs von Ehrenfeld. Der Bezirk hat sich eindeutig gegen eine Nutzung für Einzelhandel, wie es auch der Rahmenplan Müngersdorf, Braunsfeld, Ehrenfeld vorsieht, ausgesprochen. Ein Möbelmarkt, der aktuell in Braunsfeld ansässig ist, will auf dem Gelände neu bauen, das Grundstück, das noch im Besitz der Bahn ist kaufen. Damit wäre das Gelände für die Kunst und das Kreativviertel verloren und man kann bei einer Realisierung des Möbeldiscounters davon ausgehen, dass es noch mehr Bau-, Heim, oder Möbellöden anzieht. Die haben in den letzten Jahre inflationär die Grundstücke zwischen Ehrenfeld und Braunsfeld besetzt: Zweimal Plus, einmal Penny, einmal Aldi, einmal Lidl, einmal Burger King und ein riesiger Baumarkt sind auf engstem Raum entstanden. Ein Investor will 27.000 qm Einzelhandelsfläche auf dem ehemaligen Heliosgelände entstehen lassen, wo heute schon zwei Möbelgeschäfte und ein Fahrraddiscounter beheimatet sind. Auf dem Gelände zwischen all den Discountern soll siebengeschossige Wohnbebauung entstehen, schließlich muss ja auch jemand die Discounter in Anspruch nehmen. Die Venloer Straße mit ihren Einzelhandelsflächen hat sich in den letzten Jahren nicht zum Besten entwickelt und würde durch noch mehr Discounter und Ladenflächen sicher nicht an Attraktivität gewinnen.


Zwischen all den neu entstehenden Discountern Leuchttürme der Kultur
Die Entwicklung Ehrenfelds, aber auch die Fehlentwicklung hat fast schon klassische Züge. Erst entdeckten die Künstler das Veedel, dann kommen die Spekulanten und einige der Künstler werden selbst zu Spekulanten. Das Sanierungsgebiet scheiterte schon, daran sei an dieser Stelle erinnert. Dennoch das Vulkangelände gelang, die Ansiedlung der Ecosign-Akademie in der Vogelsanger Straße, die Designzone im Rahmen der Passagen, „Jack in the box“, das Kreativviertel an der Hospeltstraße, die vielen kleinen Designbüros und Kreativläden im Umfeld der Körner Straße, die Agenturen oder die Web-TV-Stationen auf dem Barthonia-Gelände, wie sevenload sind Beispiele einer interessanten Entwicklung. Dazu Concerto in der Heliosstraße, das aktive Bürgerzentrum Ehrenfeld, das Cinenova, das Theaterhaus, Arkadas-Theater, ART-Theater, die Live-Music-Hall, das Underground, Loft oder die Balloni Hallen um nur einige zu nennen. Und es gibt noch viel Entwicklungspotenzial, denkt man an die Bahnbögen, den Ehrenfelder Güterbahnhof, Halle Tor 9, die noch industriell genutzten Locations entlang der Oskar Jäger Straße, die Entwicklung des Helios Geländes und anderer.

Aber an vielen Stellen sind schon die Bagger angerückt und rücken den letzten kreativen Inseln auf den Leib. Es gilt jetzt die Entwicklung richtig zu steuern, auszutarieren und Ehrenfeld ist jetzt an einer entscheidenden Wegmarke wo es hingehen soll. Schon mit wenigen Entscheidungen wird die Richtung unumkehrbar in die eine oder die andere Richtung ausschlagen. Penny Markt und Designviertel vertragen sich nicht, Möbeldiscounter und Kulturszene oder internationales Produktdesign auch nicht, denn dann stimmt das Entree nicht. Vor allem wird das jeweils andere, andere nachziehen.

Ideale Bedingungen für Kreative
Ehrenfeld bietet immer noch ideale Bedingungen für die Kreativszene. Für die, die viel Platz brauchen und für die kleinen Startups. Die kleinteiligen Strukturen in Alt-Ehrenfeld, die kleinen Läden, Hinterhofhallen sind der ideale Nährboden für die kreative Szene. Die vermehrte Umwandlung kleinerer Läden dort in Messewohnungen allerdings Gift. Die Nähe zum Mediapark, dem belgischen Viertel und zum Grüngürtel sind entscheidende Vorteile, dazu könnte eine originelle und vitale Gastroszene in den Bahnbögen entwickelt werden. Grüne Adern könnten den Stadtbezirk attraktivieren und zu einem modernen urbanen Umfeld werden lassen, wenn die Politik Visionen und Mut entwickeln würde. Ehrenfeld ist wie kein anderer Standort an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen, ein weiterer Pluspunkt für die mobile Kreativszene.

Ein eindeutiges Signal des 3. Ehrenfelder Kulturforums
„Wir sagen nein zum Möbeldiscounter“, sagte der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges, sondern wollen ein „kreatives Umfeld“. Das ist auch in der Bezirksvertretung Konsens. Und welche positiven Signale von solch einem Umfeld ausgehen können zeigte eindrucksvoll die Präsentation des Vereins „Jack in the box“. Zwei Säulen tragen das Modell. Zum einen werden Seecontainer ausgebaut. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der ARGE und ist damit eine Maßnahme der Beschäftigungsförderung. Zum zweiten findet bei „Jack in the box“ auch Kulturarbeit statt und die kann auf eine tolle Bilanz zurückblicken.

Erst 2007 begann man mit der Lesung „Die Nacht der lesenden Toten“ zu Halloween. 100 Gäste waren in den Gravitationsraum gekommen und sechs Autoren trugen ihre Werke vor. Im Januar 2008 beteiligte man sich an der „1. Designzone Ehrenfeld“ im Rahmen der Passagen und stellte neben den umgestalteten Seecontainern auch UNO Sitzmöbel aus. 2008 setzte die man die Lesereihe fort mit „Container Poetry Performance“ fort. Es folgten die Lesung „Stilvoll schreiben“, die Theateraufführung „Was ihr wollt“, die Ausstellung „Industrial waste land“, der „Instinct walk“, eine Ausstellung im „Hopper New York Hotel“ in Köln Mülheim, in der Montagehalle die OFF Show von „Art RMX Vol 1“, der „Karneval global“, die „Öko-Rausch“ – Messe für Design mit Bewusstsein, „Triebwerk 2008“ ein Kooperationsprojekt mit der Alanus Hochschule, ein Goldener Kulturcontainer im Rahmen der Art Fair 21, eine Marathon-Lesung im Rahmen des Ehrenfeld Hoppings und erst kürzlich bei der Langen Nacht der Kölner Museen der Container auf dem Friesenplatz. Ein Wahnsinns-Programm in einem Jahr. Da kann man sehen, welches Potenzial freigesetzt wird, wenn man Kreativen Köpfen Freiräume schafft. So wundert es nicht dass auch der Leiter des Kulturamtes der Stadt Köln, Dr. Konrad Schmidt-Werthern fordert: „Dieser Raum muss in den Händen der Kunst bleiben.“

Wohin geht´s ?
Es bleibt also spannend, in welche Richtung sich Ehrenfeld weiterentwickeln wird. Ob das schnelle Geld und die für die städtische ‚Verwaltung einfache und bequeme Lösung gewinnen wird, oder ob es gelingt eine nachhaltige Entwicklung herbeizuführen. Gesamtstädtisch wird es auch wichtig sein, darüber nachzudenken ob man sich nicht besser fokussiert, anstatt einen Flickenteppich über die Stadt zu legen. Hier ein wenig Design und Kunst vielleicht in der Messecity Nord und ein wenig Vulkangelände in Ehrenfeld und dann noch drei Atelier-Häuschen im ehemaligen Clouthgelände, in Kalk das Hagen-Gelände, drei Designer im Rheinauhafen, vier Medien im Mediapark, die Filmschule im belgischen Viertel, die KHM in der Altstadt Süd und die KISD in der Südstadt, die Ecosign bald in Ehrenfeld und so weiter. In der Summe ist das viel, aber verteilt in der Stadt wirkt es wenig, auch bei Bewerbungen zu Wettbewerben und zur Kulturhauptstadt. Köln macht es sich manchmal selbst schwer, für sich selbst Lobbyarbeit zu betreiben.

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Andi Goral für report-k.de / Kölns Internetzeitung

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