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"licht / schreiben" - ein künstlerischer Austausch zwischen Autoren und Fotografen

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Köln, 27.2.2009, 14:35 Uhr >
Das Forum für Fotografie ist ein ruhiger Ort, auch wenn draußen der Verkehr durch die Schönhauser Straße saust. Es ist ein Ort des Nachdenkens, des Grenzen überschreitens und der Bewusstseinserweiterung, ohne dabei esoterisch zu sein, ganz im Gegenteil. Dies verdeutlicht die Ausstellung „licht │ schreiben“, die morgen eröffnet wird. Zu sehen sind 23 Fotografien, exzellente Arbeiten, von international renommierten Fotografen und zu lesen sind 40 Texte von Kölner, aber auch international bekannten Gegenwartsautoren. Die haben sich auf ein Experiment eingelassen.
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Foto oben: Sammler Norbert Moos betrachtet eine Arbeit von Larry Sultan "Sharon Wild, 2001", zu der Gunter Geltinger einen Text verfasst hat.
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Fotoauswahl auf dem Laptop
Gunter Geltinger ist einer der Autoren, die sich spontan bereit erklärten bei dem ersten gemeinsamen Projekt des Forum Fotografie und dem Literaturhaus Köln mitzumachen. Unter anderem studierte er an der Kunsthochschule für Medien in Köln und wurde 2007 mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann Stipendium der Stadt Köln ausgezeichnet. 2008 erschien sein erster Roman „Mensch Engel“. Aus den 40 Fotos suchte sich Geltinger die Arbeit „Selbstporträt Bern, 1975“ von Arno Rafael Minkkinen aus und von Larry Sultan die Arbeit „Sharon Wild, 2001“. „Ich habe mir bewusst zwei Fotos ausgesucht die in einem Kontrapunkt zueinander stehen“, erklärt Gunter Geltinger und ergänzt „das eine Foto ist abstrakt und Schwarz-Weiß, das andere Foto konkret und in Farbe“. Dennoch hat der Autor Parallelen gesehen. Für ihn handeln beide Fotos vom „Allein gelassen werden, Abschied nehmen. Etwas löst sich auf“. So hat Geltinger eine Geschichte in zwei Varianten entwickelt und mit seiner Gegenüberstellung das narrative Element gesucht und gewählt, nicht so sehr die Interpretation. Das Foto von Larry Sultan entstand in einer Serie in der der Fotograf Dreharbeiten zu Pornofilmen dokumentarisch begleitete. Die Arbeit von Minkkinen ist eine inszenierte Fotografie. Der Fotograf zeichnete seine Motive häufig sogar mit Bleistift vor.

40 Fotografien hatten Norbert Moos als Eigentümer des Forums für Fotografie und Bettina Fischer, Geschäftsführerin des Literaturhauses Köln aus der Sammlung Moos ausgewählt und den Autoren zur Verfügung gestellt. Bei dieser Erstauswahl stand die Frage nach dem narrativen Element zu Debatte. Am Ende bleiben 23 Fotos über, die in die Ausstellung gewandert sind. So haben die Autoren die eigentliche Ausstellung kuratiert. Die Ausstellung zeigt nur die Fotos und an einer Stelle werden mit einem Beamer Textseiten an die Wand geworfen. So hat auch der Betrachter zunächst einmal nur die Fotos vor sich, kann sich ein eigenes Bild machen und dann mit den Texten der Autoren vergleichen. Ein spannender Prozess. Zu den ausgewählten Fotografien gehören solche von Lee Friedlander, Ara Güler, Barbara Klemm und Tom Wood. Die Autoren entstammen alle dem Umfeld des Literaturhauses, wie Thomas Meinecke, Andreas Neumeister, Thomas Pletzinger und Marlene Streeruwitz, um nur einige zu nennen. Die Texte der Autoren sind in einem die Ausstellung begleitenden und sehr ansprechend gestalteten Heftchen mit den Fotos zu lesen.
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Sammler Moos, das Werk „Vauxhall Circular, Kirkdale 1988“ von Tom Wood und Autorin Sabine Küchler

Sabine Küchler, Bremerin mit Wahlheimat Köln und Redakteurin beim Deutschlandfunk und Stadtschreiberin im Rahmen des Projekts Yakin Bakis in der Türkei suchte ihre zwei Fotos impulsiv und nicht nach rationalen Kriterien aus. Es sind die Arbeiten „Vauxhall Circular, Kirkdale 1988“ von Tom Wood und die Schwarz-Weiß-Arbeit „Childhood, dzukija, 1969“ von Antanas Sutkus. Der Zufall wollte es, dass Küchler ein Porträt über den Fotografen Tom Woods in Auftrag gegeben hatte und dessen Weg zur Fotografie kannte. Fotograf Wood wollte eigentlich Maler sein, wurde aber durch einen Bildband von August Sander so inspiriert wurde, dass er sich dem Medium Fotografie verschrieb. So mutet Küchlers Text fast wie ein innerer Monolog des Fotografen zu seiner Geschichte an, ohne diese zu detailliert zu konkretisieren. In Kombination mit der Betrachtung des Bildes wirft Küchler den Dritten - also uns - fast so in die Situation als würden wir selbst jetzt gleich den Auslöser drücken um die Straßenszene zu fotografieren, oder vor dem Berg unerledigter Entwicklungsarbeit in der Dunkelkammer stehen.

„Fruchtbarer künstlerischer Austausch“
Von einem „fruchtbaren künstlerischen Austausch“ spricht Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander. „Seit gut zwei Jahren sind die beiden Kultureinrichtungen Literaturhaus Köln und Forum für Fotografie an diesem Ort gemeinsam untergebracht, arbeiten eng zusammen. Aber erst diese Ausstellung schöpft aus ihren inhaltlichen Synergien. Solche interdisziplinären Kooperationen, bei denen mehrere Kölner Kultureinrichtungen anspruchsvolle inhaltliche Anknüpfungspunkte suchen, begrüße ich als Kulturdezernent der Stadt sehr.“, so Prof Georg Quander.

Norbert Moos, Eigentümer des Forum Fotografie zeigte auf, dass er bei diesem Projekt neue Erkenntnisse gewonnen habe. So etwa, dass bei den Autoren, das Museale, das in die Historischen Zusammenhänge einordnende gar nicht mehr so wichtig war. Vielmehr trat in der Auseinandersetzung mit der Fotografie, deren eigenes Erleben, ihre eigene Selbstwahrnehmung in den Vordergrund. So hatten beispielsweise auch nur zwei Autoren die Erklärungen zu den vorgeschlagenen Fotografien nachgefragt. Die Frage nach journalistischer oder inszenierter Fotografie wurde von den meisten Autoren gar nicht erst gestellt. So sei ein Wirkumfeld entstanden, dass den Kontext außer Acht gelassen habe und alleine den Künstler jeder der Gattungen, als Werkautor, zwischen das fotografische Werk und das literarische Werk gestellt habe.

Wer ein wenig Zeit mitbringt, exzellente Fotografie und die intellektuelle Auseinandersetzung mittels Literatur und visueller Kunst liebt, für den ist die Ausstellung Inspiration.

„licht │ schreiben“
Ausstellungsdauer: 28.2.-9.4.2009
Vernissage: 28.2.2009 um 16 Uhr
Mi.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 12-18 Uhr und So. 12-16 Uhr
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Folgende Autoren stellen ihre Texte im Rahmen einer Lesung vor:
Beginn jeweils 20 Uhr
3.3.2009 Steffen Kopetzky
4.3.2009 Marlene Streeruwitz
1.4.2009 Thomas Meinecke

Forum für Fotografie
Literaturhaus Köln
Schönhauser Straße 8
50968 Köln-Bayenthal
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Andi Goral für report-k.de / Kölns Internetzeitung

Karneval / Session 09/10


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