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Köln: Eltern-Mahnwache gegen den andauernden Streik der Erzieher

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Köln, 23.6.2009, 15:20 Uhr >
Viele Kölner Eltern, deren Kinder städtische Kindertagesstätten besuchen, haben die Nase voll von dem andauernden Streik der Erzieher. Am Montagmorgen haben sie sich am Hans-Böckler-Platz vor dem Verdi-Gebäude getroffen, um auf die Situation der betroffenen Kinder und Eltern aufmerksam zu machen. Ihr Protest richtet sich gegen Verdi, nicht gegen die Erzieher, betonen sie.
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Foto oben: Streikende Eltern am Hans-Böckler-Platz, Zelt als Symbo für Notbetreuung der Kinder

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Hans-Böckler-Platz in Ehrenfeld, am Montagmorgen. Mehrere Hundert streikende Erzieher auf dem Vorplatz des Verdi-Gebäudes. Abseits davon: Um die 20 Eltern, die eine Mahnwache abhalten. Ihre Mahnwache richtet sich gegen die Gewerkschaft und ihre Art und Weise des Streiks und der Verhandlungsführung. „Wir unterstützen die Erzieher hundertprozentig in ihren Forderungen,“ erklärt Claudia Jansen (40), Mutter eines zweijährigen Jungen und Mit-Initiatorin der Elternaktion. „Wir sind aber der Meinung: So kann es nicht weitergehen. Leidtragende dieses Streiks sind unsere Kinder und wir, die Eltern.“ Vor etwas mehr als einer Woche hat Claudia Jansen mit anderen Eltern zusammen die Internetplattform „elternstreik“ ins Netz gestellt. Dort können sich Eltern austauschen, informieren und Aktionen planen. „Wir sind keine organisierte Gruppe,“ so Claudia Jansen.

 

Notbetreuungen sind keine Lösung

Die jetzige Situation in Köln ist für Kinder und Eltern nicht mehr tragbar, meint sie, und die Notbetreuungen sei für viele Eltern keine Lösung. „Wir haben sehr viele Emails bekommen, in denen Eltern schildern, dass ihre Kinder massive psychische Probleme bekommen, wenn sie sie in die Notbetreuungen schicken. Gerade für die Kleinen ist das Hin- und Herwechseln in verschiedene Kitas, zu unterschiedlichen, unbekannten Erzieher eine völlige Überforderung.“ Viele Eltern gäben  ihre Kinder daher nicht in die Notbetreuungen und versuchten, selbst die Betreuung zu regeln. „In vielen Familien arbeitet im Moment der Vater oder die Mutter am Wochenende, um die Situation aufzufangen. Aber das geht auf Kosten des Familienlebens.“ Jansen ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet derzeit nachmittags und am Wochenende, um sich in der Woche Vormittags um ihren Sohn kümmern zu können. Ihr Mann ist Lehrer und übernimmt die Nachmittagsbetreuung.

 

"Mein Sohn hatte Albträume" 
Auch Britta Grünert schickt ihren zweijährigen Sohn Paul nicht in die Notbetreuung. „Er war einmal da, kannte niemanden. In der Nacht hatte er Albträume, und am nächsten Morgen hat er sich komplett geweigert, wieder in eine Notbetreuung zu gehen,“ schildert Britta Grünert die Situation. Die Omas haben sich gekümmert, ihr Mann studiere und betreue Paul, was aber zulasten seiner Prüfungsvorbereitungen gehe. Im Juli stünden wichtige Prüfungen an. Britta Grünert arbeitet freiberuflich und kann sich ihre Zeit einteilen. Aber: „Wenn ich nicht arbeiten gehe, verdiene ich auch kein Geld,“ erklärt Grünert.

 

 Ärger über Verdi
Patrick Flores, 36, Vermögensverwalter, hat sich heute frei genommen, um auf die dreijährige Tochter Sara aufzupassen. „Bisher hat meine Frau Urlaub genommen, um bei der Kleinen zu sein, heute bin ich mal dran,“ erzählt er. Die Notbetreuungen haben auch die Flores nicht in Anspruch genommen, weil ihnen zu unsicher war, ob Sara überhaupt einen Platz bekommt. Sein Ärger richtet sich – wie bei den anderen versammelten Eltern – nicht gegen die Erzieher, sondern gegen Verdi. „Wir werden instrumentalisiert von Verdi. Denn wen trifft dieser Streik? Doch nur die Eltern und die Kinder.“ Er findet: „Dieser Streik muss endlich zu Ende gehen.“

 

Forderungen der Eltern

Das wollen auch die anderen Eltern der Mahnwache. Solange der Erzieherstreik andauere, solle – fordern Claudia Jansen und die anderen Mütter und Väter von „elternstreik“- in jeder städtischen Kita ab sofort eine Notgruppe eingerichtet werden, damit die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben könnten. Außerdem solle sich Verdi in den Verhandlungen erst einmal auf den Gesundheitstarif konzentrieren und nicht nur auf den Aspekt der Lohnerhöhung. Weiterhin wollen die Eltern erreichen, dass die dreiwöchigen Sommerferien der städtischen Kindertagesstätten dieses Jahr gestrichen werden, da viele Eltern ihren Urlaub schon durch die bisherigen Streiktage aufgebraucht hätten. Dieses Anliegen haben die Eltern schon bei der Stadt eingereicht. Bei der nächsten Ratssitzung am 30. Juni soll die Forderung thematisier werden.

 

Viele Erzieher: kein Verständnis für Elternaktion

Die Eltern der Mahnwache betonen immer wieder, ihr Protest richte sich allein gegen Verdi, nicht gegen die Erzieher. Dennoch fühlen sich Letztere durch die Elternaktion provoziert.. Eine Erzieherin einer städtischen Kindertagesstätte, die ihren Namen nicht nennen möchte, sagt dazu: „Ich kann diese Eltern nicht verstehen. Warum wenden sich gegen Verdi? Sie sollten gegen die Politiker demonstrieren.“ Auch eine andere Erzieherin zeigt kein Verständnis. „Ich bin Erzieherin und Mutter. Ich streike hier auch als Mutter, um bessere Betreuungsbedingungen für meine Kinder durchzusetzen. Wenn die Eltern sich gegen unseren Streik wenden, habe ich dafür kein Verständnis.

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Stephanie Broch für report-k.de / Kölns Internetzeitung, 

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