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Archiv: Session 2009/2010
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Geisterzug: Schrill, gruselig und pointiert politisch
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Köln, 14.2.2010, 10:00 Uhr > Wer ganz genau hinsah, der fand sie die pointiert politischen Aussagen im Geisterzug 2010. Die meisten allerdings wählten eher ein schrilles, gruseliges Outfit. Ganz vorne der Gruseligste von allen, der Mann der als gehendes Kettensägenmassaker verkleidet vor dem Zug ging und nicht zum Schrecken von Wenigen eine echte Kettensäge aufheulen ließ und dazu eine widerwärtig grüne Maske trug. Das Motto des diesjährigen Geisterzuges: "Däm Agrippina ze Ihre: Vum Flottekastell noh dr Huhpooz".
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Foto oben: Dieser gruselige Jeck hatte sogar eine echte Motorsäge dabei. Mehr Fotos >>>
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Einmal durch die Südstadt ging es gestern Nacht. Im fetten Marienburg startete man und tourte dann durch das beschauliche Bayenthal um an der Cäsarstraße die Bonner Straße zu okkupieren. Dann ging es immer gerade aus bis zum Waidmarkt, Löwengasse bis zur Georgstraße. Das Geisterfest wurde abgesagt, unter anderem wegen des Flaschenverbotes. Der Zugweg bewegte sich auf historischen Spuren und huldigt Agrippina der Jüngeren. Die wurde bekanntermaßen in einer Ubier-Siedlung als Tochter des römischen Feldherrn Germanicus geboren, war die Schwester Caligulas, Mutter Neros, verhalf diesem auf den Thron und war die Gattin Kaiser Claudius. Und sie sorgte dafür dass ihr Geburtsort eine römische Stadt wurde: Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Eine Veteranenkolonie. Agrippina soll - glaubt man den antiken Darstellungen des Tacitus und Sueton - eine starke Frau gewesen sein, die die Fäden im römischen Machtzentrum zog. Diesen emanzipatorischen Gedanken will auch der Geisterzug aufnehmen, aber auch den 2000sten Geburtstag, der am 6.11.2015 ansteht würdig zu feiern. Allerdings ließ Nero seine eigene Mutter, die ihm auf den Thron geholfen hatte, ermorden.
Im Zug, der beim Einbiegen in die Bonner Straße rund 600 Meter lang war (wobei das immer schwer festzustellen ist) tummelten sich Geister, Elfen, Bäume, Feuerspucker, Hexen, fahlgesichtigte Jecken, bunte Pappnasen und Sambatrommler. Organisator und Inspirator Erich Hermans ging in einer herrlich selbstgestalteten Sänfte mit. Eigentlich sollte er von der RömerGarde Weiden begleitet werden, die aber mit den Vorbereitungen für RosenMontag und ihrem Auftritt im Vorprogramm im Heumarkt Colosseum zu sehr eingespannt sind. Politisch eingesprengselt, so weit zu erkennen war der Protest gegen den Godorfer Hafen des Aktionsbündnisses „Rettet die Sürther Aue“, aber auch Gegner des Abrisses des Schauspielhauses waren mit dabei und sammelten Unterschriften für das Bürgerbegehren das sich gegen den Abriss des Schauspielhauses ausspricht. Ein Mann hatte ein ganz besonderes Kostüm genäht: Eine Burka aus verschiedenen Fahnen. Mit dabei auch Tierschutzorganisationen, die auf das Schicksal etwa von Legebatterie-Hennen aufmerksam machten.
Auch die nächsten Züge stehen im Zeichen Agrippinas sagte uns Erich Hermans, der damit auf dieses besondere Datum aufmerksam machen will. --- [ag] |