|
Köln, 03.04.2006, 10:30 Uhr > Postkarten bringen schöne Erinnerungen von Urlauben in die Briefkästen der Welt. Die armenische Geschichte aber wird über Postkarten erst wieder lebendig.
Foto (v.l.n.r.): Verleger und Austellungsmacher Osman Köker kam für die Eröffnung eigens aus Istanbul, Gastgeberin und Bezirksbürgermeistern Helga Blömer Frerker, Cem Özdemir, Europaabgeordenter der Grünen.
Orlando Carlo Calumeno hat viele Postkarten gesammelt und 500 davon dem Verleger Osman Köker für die Austellung "Lieber Bruder - Sireli Jeghpajrs" über das Leben der Armenier zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Türkei zur Verfügung gestellt. Ein Volk, dessen Genozid im Jahre 1915 von der Türkei bis heute verdrängt wird. Die untergegangene Kultur der Armenier wird in der reichhaltigen Ausstellung im Lindenthaler Bezirksrathaus wieder lebendig.
Armenisch-Türkisches Zusammentreffen
Die Ausstellung bot auch Anlass für ein armenisch-türkisches Zusammentreffen. Prominenz aus Politik und Verbänden waren Beleg dafür. Krikor Phelivan, Schatzmeister der Deutsch-Armenischen Gesellschaft Köln und Bülent Kamil Dalay von der Union of European Turkish Democrats waren anwesend. Cem Özdemir, Europaabgeordenter der Grünen und Elvira Reith, Vorsitzende der Deutsch-Armenischen Gesellschaft sprachen Grußworte zu der Ausstellung. Der in Deutschland aufgewachsene Türke Özdemir wünschte sich in seiner Rede einen türkischen Diplomaten der ganz selbstverständlich über den Tiefpunkt des Zusammenlebens der Türken und Armenier im Jahre 1915 spricht. Özdemir: "Aber er (der Diplomat, Anm. der Redaktion) würde auch einen Ausblick wagen, dass er die Menschen durch die Straßen führte und zeigen würde wo die Armenier in Istandbul wohnten." Reith betonte, dass die Ausstellung ein Mosaiksteinchen für die Ausheilung der Wunden zwischen Armeniern und Türken sein kann. Die Gastgeberin der Ausstellung, Bezirksbürgermeistern Helga Blömer Frerker, freute sich, dass die Ausstellung im Bezirksrathaus einen Ort gefunden hat, denn "in dieser Ausstellung kann ein integrativer Impuls liegen."

Postkarten lassen Welt lebendig werden
Die Ausstellung zeigt anhand von Postkarten aus den Jahren 1900 - 1910 das soziale, wirtschaftliche, kulturelle und auch private Leben von Armeniern. Sie umfasst die Phase bis zur Vernichtung der Armenischen Kultur in der Türkei durch die systematisch Ermordung von Armeniern, auf die sich Adolf Hitler bei dem Völkermord an Juden in Deutschland ausdrücklich bezog. Ziel der Ausstellung ist, einen Beitrag dazu zu leisten, Informationen und Kentnisse über die soziale Existenz der Armenier in der Türkei vor 100 Jahren zu verbreiten und damit diesen Teil der Geschichte kennen zu lernen. Die Macher haben Geschichten und Hintergründe zusammengestellt die spannend sind und einen lebendigen Einblick in die vielfältige Kultur der Armenier gewährleisten. Erstmals wurde die Ausstellung im Januar 2005 in Istandbul gezeigt, wo sie innerhalb von 11 Tagen über 7.000 Besucher anzog.
Das Kulturamt der Stadt Köln, der Ökofonds NRW, Bündnis 90 / Die Grünen, der Nikolaus-Gülich-Fonds und der Istanbuler Verlag Birzamanlar Yayincilik sowie die Europaparlamenarier Cem Özdemir und Heide Rühle unterstützen die Ausstellung. Die Ausstellung wird durch das Kulturforum Türkei-Deutschland e.V. präsentiert.
--------------------------------
Infobox
Dauer der Ausstellung: 31. März - 25. April 2006
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, Sa. und So. 14.00 Uhr - 18.00 Uhr
Kunsthalle Lindenthal, Aachener Str. 220, 50931
Auf Wunsch werden auch Führungen angeboten, die Ausstellung eignet sich auch für den Religionsunterricht oder praktische Philosophie
Ein Ansprechparter ist immer vor Ort
KulturForum TürkeiDeutschland e.V., Niederichstr. 38, 50668 Köln
Tel.: +49 (0)221 – 91 39 117
Informationen: www.das-kulturforum.de
Die Ausstellung wird von einem Umfangreichen Programm begleitet >>>
Björn Troll für report-K.de / Kölns Internetzeitung |