Köln, 10.3.2007, 19:00 Uhr > "Die verbrannte Handschrift" - Kathrin Langes Jugendroman war heute Thema im Hörsaal 18 der Kölner Universität. Frank Plassberg moderierte und Prof. Gudrun Gersmann hielt eine Minivorlesung vor einem vollen Saal
Frank Plassberg moderierte die Lesung
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Eigentlich war noch Unibetrieb und die Studenten teilten sich heute den Weg mit dem Nachwuchs, der zur Vorlesung in zweifachem Sinn strebte und schlaue Fragen stellte. Aus ihrem ersten Jugendbuch, einem historischen Abenteuerroman las heute Kathrin Lange drei Kapitel vor und erzählte die Story, aber, und da liess sie sich auch von naseweisen Fragen nicht zu hinreissen, erzählte nicht wie die Geschichte ausging. Die gelernte Verlagsbuchhändlerin hat schon mehrere Bücher darunter "Jägerin der Zeit" veröffentlicht. "Die verbrannte Handschrift" erzählt vom Mädchen Rona, das um 1000 in Hildesheim mit seinem Vater, dem Schmied lebt. Eine Geschichte, die mit unterschiedlichen Tempi Szenen aus dem Mittelalter detailgetreu zeichnet. So erfahren wir wie der Schmied mit seiner Tochter lebt, was sie essen, wie ihr Haus aussieht, wir lernen aber auch wie klösterlicher Alltag sich gestaltet oder wie beschwerlich und gefährlich eine Reise im Mittelalter von Hildesheim nach Italien ist.
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Die Autorin Kathrin Lange
Aber alles kreist immer wieder um die Frage Faszination Lesen, Schreiben, Illustrieren und Buch. In Hildesheim befindet sich um 1000 ein Kloster in Bau, fertig ist das Skriptorium und der Bischof nennt bis dato nur ein einziges Buch, eine Bibel aus Italien sein eigen. Dieses Buch zeigt Novize Nonno der Schmiedtochter Rona. Dabei kommt es aus Ungeschicklichkeit zu einem Unfall, das Buch verbrennt, der Abt verdonnert den Vater von Rona zu lebenslanger Fronarbeit. Dabei zeichnet das Buch auch ein feines Bild von der sozialen Realität im Mittelalter, der adelige Novize Nonno wird nicht bestraft, die aus dem niederen Volk stammende Rona schon. Aber es gibt auch im Mittelalter Gerechtigkeit und die Mutter von Nonno schickt Ritter Gunter nach Italien um eine neue Bibel zu besorgen. Und die Kinder stehlen sich davon und kommen mit auf die Reise... Spannend geschrieben mit tiefen Blicken auch in die Gemütslage von Rona kann man bei diesem Buch tief in die mittelalterliche Welt versinken und auch als Erwachsener noch viel lernen, oder wussten Sie was eine Kanonissin ist?
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Professor Gudrun Gersmann
Die Lesung begleitete die Kölner Professorin Gudrun Gersmann, die eine kleine Einführung in das Thema mittelalterlicher Schreibkultur mit all ihren Mühsalen, aber auch deren Kunst hielt. Wir lernten, dass man auf Pergament mit Tinte schrieb, dass die komische Schreibhaltung auf den alten Malereien realistisch ist, denn der Schreiber durfte das empfindliche Schreibmaterial nicht berühren, da er sonst Fettflecken machte. Aber auch das man schon im Mittelalter Bücher verbrannte, wenn die Obrigkeit und Kirche der Meinung waren, diese Bücher würden ketzerisches Gedankengut verbreiten. Und dass viele Bücher in Lateinisch verfasst sind, einen Satz mussten die Zuhörer sogar übersetzen: "Pessime mus, sepius me, provocas ad iram, ut te deus perdat" - Verfluchte Maus, du bringst mich zum Zorn, daß ich Gott verfluche. Dieser Satz zeugte davon, dass die Mäuse und das Ungeziefer, den Schreibern die Brotzeit stahlen und später oft auch vor deren Werken nicht Halt machten. Frau Dr. Gersmann machte aber auch deutlich, dass Lesen und Bücher ein hohes Gut sind, denn bis ins 18. Jahrhundert konnte nur 1/3 der deutschen Bevölkerung überhaupt Lesen und Schreiben.
Umso erfreulicher war die angeregte Diskussion, die von Frank Plassberg hervorragend moderiert wurde, nach der 1,5 stündigen Lesung. Und es wurde schnell klar, dass schon einige Jungautoren in den Startlöchern stehen. Denn die löcherten die Autorin mit Fragen: "Wie sie denn auf die Namen im Roman käme?", wundervolle Antwort durch das "Durchforsten des Telefonbuches" und wo denn die Romane entstünden. Kathrin Lange arbeitet im Keller, denn dort sind keine Fenster aus denen man die Vögel beobachten kann und die einen vom Schreiben ablenken. Fast zwei volle Vorlesestunden verbrachte der Literaturnachwuchs im Uni-Hörsaal und viele kauften sich den Roman und ließen ihn von der Autorin signieren.
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Vorgestellt wurde auch eine tolle Initiative des Lehrstuhls von Prof. Gudrun Gersmann, das Internetjournal www.lesepunkte.de. Hier schreiben Schüler für Schüler Rezensionen von Büchern. Ein spannendes Projekt an dem sich bisher 40 Schulen in NRW und Bayern beteiligen, davon momentan noch die meisten Gymnasien. Die Site ist aber offen für alle Schulformen und sicherlich einen Click wert: www.lesepunkte.de
--- Infos zur lit.COLOGNE oder zur lit.kidCOLOGNE gibts im Netz: www.litcologne.de
--- Die verbrannte Handschrift
Kathrin Lange
Herausgegeben von Eva Kutter
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-596-85222-2
Andi Goral für report-k.de / Kölns Internetzeitung