Es ist einer glücklichen Eingebung zu verdanken, dass Dr. Soénius vor einiger Zeit nachschaute, wann die Seilbahn in Rio de Janeiro eingeweiht worden war, und so auf das diesjährige 100. Jubiläum stieß. Aufgrund dessen nahm sich das RWWA noch einmal des Aktenbestandes der Firma Pohlig an, der aus 9.339 Einheiten besteht und im Jahr 1988 vom RWWA übernommen worden war. 7.352 Einheiten davon bestehen alleine aus Photos. Unter diesen fanden sich einige einzigartige Glasnegative, die den Bau der Seilbahn zum Zuckerhut dokumentierten. Da keine Akten mehr zu dem Bau existieren – zumindest  nicht hier in Köln – sind diese Photos die einzige Quelle, aus denen sämtliche Informationen herausgelesen werden müssen. „Mit der Dokumentation der historischen Seilbahn bekommt die junge Städtepartnerschaft eine historische Dimension“, beurteilt Dr. Soénius sichtlich erfreut den Fund. Die Städtepartnerschaft zwischen Rio de Janeiro und Köln war im vergangenen Jahr besiegelt worden.

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Die Glasnegative sind äußerst empfindlich und dürfen wegen des Fettfilms der Haut nur mit Handschuhen angefasst werden. (Als Positiv: Bild 3 am Ende des Artikels.)

Ein Kölsches Gesamtprodukt
Die 1874 in Siegen gegründete und 1890 nach Köln übersiedelte Firma Pohlig, an die heute noch eine Straße und eine Haltestelle in Zollstock erinnert, war von einem brasilianischen Unternehmen mit dem Bau der Seilbahn beauftragt worden. Bis dahin war sie vor allem für die Herstellung von Förderbändern und Kohleseilbahnen im Bergbau bekannt. 1910 begannen dann die Planungen in Rio. Am 27. Oktober 1912 wurde das erste Teilstück auf dem Morro da Urca in Betrieb genommen, wenige Monate später das zweite vom Morro da Urca zum Zuckerhut. Der Bau muss sich in vielen Bereichen als große Herausforderung erwiesen haben, da es zu der Zeit kein vergleichbares Projekt gab. So erfand Pohlig beispielsweise das dritte Seil, das auch noch bei modernen Seilbahnen Anwendung findet, um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten. Diese Seile kamen im Übrigen von der Firma Felten & Guilleaume aus Köln-Mülheim. Die Seilbahn war 60 Jahre lang bis 1972 ohne nennenswerte Unfälle in Betrieb, wurde dann aber von einer neueren, von einem italienischen Konkurrenten erbauten abgelöst. Heute erinnert noch immer ein gusseisernes Schild mit der Aufschrift „Pohlig“ an der Talstation an die erste Seilbahn am Zuckerhut.

Der Erfolg der Pohlig’schen Seilbahn am Zuckerhut war seinerzeit so groß, dass die Firma eine zweite Seilbahn zum Corcovado – bekannt vor allem durch die 1931 aufgestellte Christus-Statue – bauen sollte, die jedoch freilich nie realisiert wurde. Dies lässt sich heute nur noch anhand eines Planes vom 5. November 1912 ableiten, der sich ebenfalls im Bestand des RWWA befindet.

Anekdotischer Hintergrund als Motor für Wirtschaftsbeziehung
Das RWWA hat die sowohl dokumentarisch als auch künstlerisch wertvollen Glasnegative zum Bau digital aufbereitet. Da der Bestand zu klein für eine eigene Ausstellung ist, werden sie voraussichtlich nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Doch wird das Archiv dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters hochwertige Abzüge zur Verfügung stellen, die dieser als Gastgeschenke an Vertreter aus der Partnerstadt Rio überreichen kann. Da vor allem die Wirtschaftsbeziehung zu der brasilianischen Karnevalsstadt ausgebaut werden sollen – in Rio sitzen viele große Unternehmen von internationalem Gewicht – eigne sich dieser „anekdotische Hintergrund“ hervorragend für das Knüpfen dieser, erklärt Dr. Soénius. Grund dafür sei die Affinität der Südamerikaner zu traditionellen Hintergründe.


Bild 1: Der Berg-Stationsbau.


Bild 2: Die Talstation.


Bild 3: Eine der Kabinengondeln, in die etwa 12 Personen passten. (Katuschenphoto)


Bild 4: Direktstrecke zum Zuckerhut.

[Nicola Ninnemann für Report-k.de / Kölns Internetzeitung; Bild 1-4: PR RWWA]

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