Köln | Alkmene wartet auf ihren Mann Amphitryon, der auf dem Heimweg vom Krieg gegen die Athener ist. Doch Göttervater Jupiter ist schneller und erscheint ihr in Gestalt des Gatten. Die Inszenierung des antiken Stoffes in Molières Fassung am Metropol Theater könnte dynamischer sein, ist aber dennoch sehenswert.

Es ist eine klassische Verwechslungskomödie: Der oberste Gott Jupiter (Damon Zolfaghari) verwandelt sich in Amphitryon, den Mann von Alkmene (Leonie Renée Klein). Die wartet sehnsüchtig auf ihren Gatten, der aus dem Krieg gegen die Athener zurückkehrt. Sie verbringen eine wilde Nacht miteinander. Als am nächsten Tag jedoch der echte Amphitryon (Aslan Aslan) auftaucht und seine Alkmene von der gemeinsamen Nacht schwärmt, ist er sich sicher: Sie muss ihn betrogen haben.

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Tollkühnheit und Tolpatschigkeit erfreuen das Publikum

Amphitryon ist eine tragische Figur, der komische Gegenpart ist sein Diener Sosias (Holger Giebel): Der Gott Merkur (Jan Kaerlein) begleitet in dessen Gestalt Jupiter auf die Erde. Merkur schafft es wegen seines herablassenden Verhaltens aber nicht, mit Sosias‘ Gemahlin Cléanthis (Melanie Wäsch) zu schlafen.

Eine so angelegte Komödie lebt von der Dynamik und dem Tempo, in dem die Verwechslungen auftreten, die Handelnden aneinander vorbeireden und -agieren und so die Verwechselten gegeneinander ausgespielt werden. Das schafft Regisseur Marcel Höfs leider nur bedingt. Ein Höhepunkt sind die zwei Sosiase (der echte: Holger Giebel, der verwandelte: Jan Kaerlein), die sich vor Verwunderung und Unglauben („Oh Himmel, ich seh‘ doppelt!“) fast in Rage spielen. Hier treffen ein tollkühner und tollpatschiger Diener und ein bestimmter und unnachgiebiger Merkur aufeinander – und das Publikum hat Spaß daran.

Ein zu lange Pause stört die aufkommende Dynamik

Besonders gelungen ist auch die Besetzung von Amphitryon und Jupiter, denn Aslan Aslan und Damon Zolfaghari sehen sich so ähnlich, dass auch die Zuschauer sie zu Beginn kaum auseinanderhalten können. Auch ihr Spiel überzeugt. Nicht zuletzt die Pause, noch dazu übermäßig lang und von unpassendem, seichten Pop untermalt, stört jedoch die so aufkommende Dynamik. Auch Sosias‘ Gesangseinlage – „Warum bin ich so fröhlich?“, bekannt aus der Kinder-Zeichentrickserie „Alfred J. Kwak“ – wirkt unpassend und wie ein Fremdkörper im sonst archaischen Text.

Leider schafft es auch das Bühnenbild (ebenfalls von Regisseur Marcel Höfs) nicht, ein antikes griechisches Flair aufkommen zu lassen. Zwei ionische Säulen und zwei Lorbeerbäume – mehr schmückt die ansonsten karge Bühne nicht. Immerhin die Kostüme sind passend gewählt – zumindest, bis Jupiter zum Schluss in einem rot-blauen Mantel auftritt, der eher an Superman erinnert.

Insgesamt zeigt das Metropol Theater eine solide Inszenierung, die weniger durch innovative, frische Ideen als durch die schauspielerische Leistung überzeugt.

[infobox]„Amphitryon“ – die nächsten Vorstellungen: 20. und 21. Oktober, 9., 10. und 30. November, jeweils 20 Uhr. Metropol Theater, Eifelstraße 33, 50677 Köln, Tel 0221 / 32 17 92

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Autor: Fabian Schäfer | Foto: Arthur Pluta / Metropol Theater
Foto: Amphitryon (r., Aslan Aslan) ist genervt von seinem tollpatschigen Diener Sosias (Holger Giebel). |  Foto: Arthur Pluta / Metropol Theater

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