Köln | Die Abschlusspräsentation der Semesterarbeiten der Ecosign Akademie im Cinenova-Kino in Köln Ehrenfeld ist wieder ein reiner Quell der Kreativität. Sichtbar ist dies in der Bandbreite der Arbeiten und Themen, die unter Oberthemen wie „In Zungen“, „Arktis“, „Das Böse“, „Kölsche Souvenirs“ oder „Gender Politics“ entstanden sind. Diese bewegen sich zwischen hintergründigem Witz, aber auch tiefgründiger philosophischer oder politischer Haltung.

Der große Freiraum, den die Ecosign mit einem hohen Qualitätsanspruch verbindet, wurde auch am heutigen Abend sichtbar. Die Studenten können sich, auch durch die Themenvielfalt, maximal selbst entfalten und nutzen dies in allen gestalterischen Disziplinen, Film, Typographie, Fotografie oder Illustration. Dabei geht die Bandbreite vonlokalpolitisch historisch witzig, wie bei der Tellerserie beim Thema „Kölsche Souvenirs“ werden oder bei „Arktis“ bis zur globalen Wirtschaftspolitik reichen.

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Der Froschkönig geht an…

Traditionell verleiht die Akademie ihren „Froschkönig“, den Innovationspreis für eine besondere nachhaltige Arbeit im Semester. Zum Abschluss des Wintersemesters übergab diesen Dr. Petra Hesse, Direktorin vom Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK). Am gestrigen Abend wurde die Abschlussarbeit „beuyslab“ von Michael Marks ausgezeichnet. Der hat eine interaktive Website entwickelt die sich mit dem Werk des niederrheinischen Weltkünstlers Joseph Beuys befasst. Intuitiv werden die künstlerischen Ideen und politisch, sozialen Interaktionen des Künstlers im Netz erfassbar gemacht. Dabei bietet die Site die Möglichkeit mit vielen Wegen Beuys zu erforschen. Marks steht für die stark künstlerischen und philosophischen Ansätze, die an der Ecosign verfolgt werden, wie auch die Arbeit von Christina Seufert die sich intensiv künstlerisch mit dem Thema „Muße“ auseinandergesetzt hat und mit weißen Fehlstellen in Bildern visuelle Ruheräume geschaffen hat. Aber auch die Abschlussarbeit „Vorspann“ von Tobias Fröhlich, die sich mit dem Roman von Umberto Ecco und dem Foucaultschen Pendel auseinandersetzt zeigt hohe künstlerisch filmische und philosophische Reife.

Politisch setzte man sich mit dem Thema „Arktis“ auseinander. Zum einen der Ausbeutung der Rohstoffe, zum anderen mit Überfischung. Polemisch und mit geschliffenem visuellen Degen zeigt man ein Werbevideo für Ölbohrungen in der Arktis bei der alles schief geht, interagiert mit Konsumenten zum Thema Beifang oder zeigt mit irren Videos wie es aussieht, wenn man an dem Ast sägt an dem man die Leiter angelehnt hat oder versucht in zu kleine Parklücken einzuparken. Slogan danach „Wird schon schief gehen“ und kommentiert so die Laissez Faire Haltung von Konzernen wie Shell im Umgang mit der Natur. Aber auch im Projekt Re-Act agiert man sogar im öffentlichen Raum.

Neben strengen, formal ausgereiften gestalterischen Arbeiten wie Büchern oder Filmen beeindruckt das Semesterthema „Kölsche Souvenirs“. Bei den Sammeltellern von Mario Franck dokumentiert dieser mit seinen besonderen Bildmotiven, wie etwa das Bordell „Pascha“ und der Headline „Hornystreet“ oder Bausünden wie dem Kölnberg oder Chorweiler und den dazugehörigen Werbeslogans der Politiker nicht nur Zeitgeschichte originelle Weise, sondern gibt einen Wink was von verfehlter Lokalpolitik übrig bleiben könnte und nachfolgende Generationen womöglich über unsere Zeit denken werden. Eine feine Arbeit zeigen Janina Damm und Sonja Lorenz im Projekt „Kölsche Souvenirs“. Sie haben sich dem ersten Dombaumeister Meister Gerhard angenommen und aus Grundrisszeichnungen des Kölner Domes feine Krawattenmuster gestaltet, die in schönen Verpackungen mit Beipackzettel an den ersten Baumeister erinnern.

Die Studenten der Ecosign präsentierten tolle Arbeiten, die teilweise bis zur Serienreife vorangetrieben sind und zeigen damit dass Design mehr sein kann als nur die richtige Form, Farbe oder Typographie zu finden.

Autor: Andi Goral
Foto: Was bleibt und überliefert sich von unserem Handeln – dieser Frage geht Mario Franck im Projekt „Kölsche Souvenirs“ nach und dokumentiert und kommentiert teils bissig mit Souvenirtellern, die man ja mitnimmt um ein Andenken zu haben. Neben der tollen Idee brillierte Franck auch durch einen witzigen Vortrag.

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