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05122018_Verkehrsunfall_Autobahn

Das Foto zeigt den Unfall auf der A 1

Hilfsfrist nicht eingehalten – Kölner Feuerwehr braucht 23 Minuten zum Unfallort

Köln | Wie fühlt es sich an, wenn schwer Verletzte und Ersthelfer 23 Minuten auf professionelle Rettungskräfte warten müssen? Wahrscheinlich wie eine Ewigkeit. Dies mussten diejenigen erleben, die bei dem Unfall auf der Autobahn A 1 zwischen Niehl und dem Kreuz Köln-Nord am Mittwoch auf den Rettungsdienst und die Feuerwehr der Stadt Köln warten mussten: Die lebensgefährlich und schwer verletzten Menschen und die, die sie als Ersthelfer versorgten. Die Kölner Feuerwehr erreichte der erste Notruf um 8:21 Uhr, die Polizei sogar schon um 8:20 Uhr. Das erste Fahrzeug der Feuerwehr erreichte den Unfallort um 8:44 Uhr. Das sind 23 Minuten. Dabei gilt in NRW die Hilfsfrist von 8 Minuten.

Verletzte mussten lange auf Profis warten

Drei Menschen wurden bei dem Unfall am 5. Dezember auf dem Kölner Autobahnring zwischen den Anschlussstellen Köln-Niehl und Kreuz Köln-Nord in Fahrtrichtung Saarbrücken schwer, einer von ihnen lebensgefährlich verletzt. Ein LKW war auf einen Bulli aufgefahren. (report-K berichtete >) Die ersten Notrufe erreichten die Kölner Feuerwehr, die für diesen Einsatzabschnitt verantwortlich ist, um 8:21 Uhr, so deren Pressesprecher gegenüber report-K. Das erste Fahrzeug vor Ort war ein Feuerwehrfahrzeug, dass die Einsatzstelle um 8:44 Uhr erreichte. Dieses, so die Aussage der Kölner Beamten, habe die Einsatzstelle durch den Rückstau erreicht. Das sind 23 Minuten nach Eingang des Notrufs. Dieses Fahrzeug hatte die Feuerwache um 8:25 Uhr verlassen. Bei der Kölner Polizei ging der erste Notruf um 8:20 Uhr ein. Rechnet man ab dieser Zeit sind es sogar 24 Minuten.

Die Feuerwehr schreibt in einer schriftlichen Mitteilung an diese Internetzeitung: „Zu dem Einsatz auf der Autobahn gestern kann man festhalten, dass die meisten Einsatzkräfte im Rückstau steckengeblieben sind. Es ist jedoch am Anfang ein Rettungswagen zur Einsatzstelle durchgedrungen, der eine detaillierte Rückmeldung geben konnte. Daher war in der Leitstelle relativ zeitnah klar, dass es sich um drei Verletzte Personen handeln würde. Auf Grund der Rückmeldung der übrigen Einsatzkräfte hat die Leitstelle direkt mit der Polizei Kontakt aufgenommen um die Gegenspur zu sperren und es wurden parallel aus Fahrtrichtung Westen (Kreuz Nord) zusätzliche Kräfte alarmiert. So konnte den Verletzten trotzdem noch zeitnah geholfen werden.“ Der Rettungshubschrauber erreichte die Einsatzstelle erst um 8:50 Uhr, dass sind 29 Minuten nach dem ersten Notruf.

Die Hilfsfrist ist acht Minuten

In allen 16 Bundesländern gibt es für den Rettungsdienst sogenannte Hilfsfristen. Diese sind unterschiedlich geregelt, weil Flächenländer mit dünner Besiedelung nicht mit Ballungsräumen, wie sie in NRW vorliegen vergleichbar sind. Für Nordrhein-Westfalen gilt, dass der Rettungsdienst innerhalb von 8 Minuten in städtischen und 12 Minuten in ländlichen Gebieten den Unfallort erreicht haben muss. Diese ist allerdings nicht gesetzlich geregelt, sondern gilt als planerische Grundlage. Das Gesundheitsministerium NRW erklärt dazu: „Eintreffzeiten für die Notfallrettung sind in Nordrhein-Westfalen nicht rechtsverbindlich festgelegt worden, da eine gesetzliche Fixierung als zu starr erachtet wird. Dies bedeutet jedoch keine Beliebigkeit im Umgang mit den Eintreffzeiten. Im Jahr 2008 hat eine Arbeitsgruppe des Landesfachbeirates für den Rettungsdienst Empfehlungen zur Hilfsfrist für NRW erarbeitet. Diese haben sich grundsätzlich bewährt. Die Empfehlungen des Expertengremiums zum Thema Hilfsfristen sehen eine planerische Hilfsfrist für den städtischen Bereich von 8 Minuten vor, für ländliche Bereiche von 12 Minuten. Innerhalb dieser Zeitspanne soll das erste geeignete Rettungsmittel am Einsatzort eintreffen. Diese Empfehlungen sind eine planerische Größe zur Festlegung der Standorte von Rettungswachen und den Zuschnitt der jeweiligen Versorgungsbereiche. Hierbei sind die Kreise und kreisfreien Städte als Träger des Rettungsdienstes gesetzlich verpflichtet, die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Notfallrettung (inkl. der notärztlichen Versorgung) und des Krankentransportes sicherzustellen.

Daher müssen die Kommunen und so auch die Stadt Köln ihren Rettungsdienstbedarfsplan so aufstellen, dass diese Hilfsfristen eingehalten werden. Damit waren die Kölner Retter um 15 Minuten zu spät an der Unfallstelle auf der A 1.

Schon am Unfalltag veröffentlichte die Kölner Feuerwehr eine Pressemitteilung in der sie schrieb: „Bereits unmittelbar nach der Auffahrt auf die A1 in Niehl gab es kaum ein Durchkommen zur Einsatzstelle. Bedingt durch die Baustelle ist die Autobahn hinter der Leverkusener Brücke in Richtung Kreuz Nord dermaßen eingeengt, dass die Verkehrsteilnehmer einfach nicht ausweichen konnten. Alle Verkehrsteilnehmer waren sehr bemüht, eine Rettungsgasse für die Einsatzkräfte zu schaffen, es gelang jedoch nur sehr langsam. Nachdem die Einsatzkräfte der Leitstelle die Situation geschildert hatten, wurde durch die Leitstelle sofort ein Rettungshubschrauber zur Einsatzstelle alarmiert. Als sicher war, dass die Autobahn in Fahrtrichtung Kreuz Nord völlig gesperrt war, wurden noch weitere Rettungswagen und ein Löschfahrzeug ab dem Kreuz Nord gegen die Fahrtrichtung auf die Autobahn alarmiert. Als die Feuerwehr und der Rettungsdienst dann an der Einsatzstelle eintrafen, wurden die verletzten Personen bereits von Zeugen des Unfalles betreut.“

Kölner Feuerwehr in die Planung der Baustelle einbezogen

Die Feuerwehr beklagt in ihrer Pressemitteilung, dass die Baustelle die Autobahn sehr stark einenge. Dabei war sie selbst in die Planungen der Baustelle involviert, wie der Landesbetrieb Straßen NRW, der für die Einrichtung der Baustelle verantwortlich zeichnet, gegenüber dieser Internetzeitung erklärte. Man befinde sich in ständigem Austausch mit den Sicherheitsbehörden und der Feuerwehr Köln, die auch in die Planung dieser Baustelle einbezogen worden sei. So gehen die Planunterlagen immer automatisch an die Feuerwehr Köln, die aufgefordert wird Einwendungen gegen die Planungen vorzutragen. Straßen NRW erinnerte daran, dass auch bei der großen Baustelle zwischen Köln-Mülheim und Leverkusen vor einigen Jahren auf der A 3 die Anregungen der Kölner Feuerwehr in die Umsetzung und Planung eingeflossen. Auch bei der jetzt in Rede stehenden Baustelle auf der A 1 sei die Feuerwehr Köln involviert worden und auch beim Aufbau der Schrankenanlage auf der A 1. Straßen NRW spricht – anders als die Kölner Feuerwehr – von einer relativ komfortablen Situation an der Baustelle der A 1, da alle Fahrspuren drei Meter Breite aufwiesen. An der Baustelleneinrichtung habe sich auch seit einem Jahr, seit diese in Betrieb genommen und der Feuerwehr die Pläne übermittelt wurden, nichts Wesentliches verändert, so Straßen NRW.

Die Feuerwehr Köln schreibt zur Abstimmung mit Straßen NRW: „Direkte Abstimmungen mit StraßenNRW zur Einrichtung von Baustellen gibt es in bestimmten Fällen. Das Baustellen die Fahrbahnbreiten einschränken, liegt in der Natur der Baustellen. Soweit wie wir das im Sachgebiet Einsatzplanung beurteilen können, versuchen wir Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Bspw. hatten wir auf der A3 wegen der Fahrbahneinengungen eine Kooperation mit der Feuerwehr Leverkusen abgestimmt und fuhren dort aus beiden Fahrtrichtungen parallel zu der Unfallstelle. Bisher gab es vor dem Kreuz Nord solche Probleme nicht. Wir werden uns daher in der Einsatzplanung dies nochmal genau ansehen und ggf. ähnliche Maßnahmen ergreifen. Diese sind aber an der A1 schwierig, da auf der Gegenspur häufig fließender Verkehr herrscht (so wie gestern morgen) und dann auch die Fahrtrichtung Leverkusen komplett gesperrt werden müsste. Dies versuchen wir im Interesse aller natürlich regelhaft zu vermeiden und das nur im begründeten Einzelfällen zu tun.“

Nachdenken über Situation angebracht

Auch die Kölner Polizei hatte Schwierigkeiten mit ihrem VU-Team die Einsatzstelle zu erreichen und musste sogar mit der Fähre über den Rhein zwischen Hitdorf und Köln-Langel übersetzen. Nach dem Unfall erscheint es sinnvoll, die Situation auf der A 1 neu zu bewerten und ein Einsatzkonzept zu entwickeln, dass sicherstellt, dass der Kölner Rettungsdienst die Hilfsfrist einhält. Niemand möchte auf dem Kölner Autobahnring 24 Minuten auf Retter warten.

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