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Köln-Neustadt-Nord: Mann tobt ganz alleine auf Balkon – Polizei und Kölner Medien außer Kontrolle

Köln | aktualisiert | Ein 33-jähriger Mann hat am frühen Freitagabend einen Polizeieinsatz ausgelöst. Er schrie auf seinem Balkon herum. Die Polizei schickte ein Sondereinsatzkommando (SEK), bat die Medien zur Berichterstattung und stellte den Fall selbst auf der eigenen Facebookseite als Warnhinweis vor. Der Fall zeigt, wie unsensibel und hysterisch die Polizei Köln und Kölner Medien, mit einer Situation und einem Menschen umgehen, die weder berichtenswert noch zur Veröffentlichung geeignet ist.

Der Mann soll laut Polizeiangaben ein Messer in der Hand gehalten haben und auf seinem Balkon alleine herumgeschrien haben. Dann habe er sich in seiner Wohnung eingeschlossen. Als die SEK-Beamten an seine Tür klopften, öffnete der Mann selbstständig. Er war alleine in seiner Wohnung.  

Die Beamten führten den Mann dem Rettungsdienst zu. Ein Arzt soll ihn nun untersuchen. Die Polizei vermutete eine Bedrohungslage. Die Neusser Straße wurde für über zwei Stunden gesperrt. Eine Erklärung, warum die Polizei einen Einsatz von Spezialkräften auslöste und diesen Fall öffentlich bekannt machte, liefert sie nicht.

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Auch dem "Kölner Stadtanzeiger" ist der Mann auf dem Balkon ein große Schlagzeile wert und auch hier wird das Bild mit martialisch gekleideten SEK-Beamten gezeigt.

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Der Kölner "Express" macht aus dem Mann mit einem Messer auf dem Balkon seiner Wohnung gleich einen "Messer-Mann".

Polizei Köln und Medien außer Kontrolle

Das Kölner Medium "Express" machte aus dieser Meldung der Polizei, deren Veröffentlichtung wegen mangelnder Relevanz an sich schon fraglich ist, die Schlagzeile: "SEK-Einsatz an Kölner Agneskirche Polizeiaufgebot wegen Messer-Mann (33)". "Messer-Mann" erinnert im Sprachduktus an die Rede der AfD-Bundestagsabgeordneten Alice Weidel im Mai 2018, die für ihre Rede gerügt wurde. Weidel sagte damals: "Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern", so Weidel. Auch im Bundestags-Wahlkampf nutzte Weidel den Begriff "Messermann" immer wieder. Die Frage an die Medien muss lauten, wie sie mit dem Veröffentlichungsdruck, den die Polizei Köln durch ihre mediale Wirkkraft auf sozialen Netzwerken, die hinterfragenswert ist, umgehen. Dem ersten Impuls folgen und um möglichst viele Klicks zu bekommen, martialische Bilder und Headlines sowie Eilmeldungen zeigen und formulieren? Oder die Art und Weise des Umgangs der Kölner Polizei und ihrer Berichterstattung zu hinterfragen. Auch die Frage ist das eine Geschichte, die in die Öffentlichkeit gehört gilt es, wie es auch der Pressekodex eigentlich einfordert, ist vor der Veröffentlichung zu stellen.

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Screenshot des Facebook-Medienkanals der Polizei Köln.

Die Kölner Polizei, die einen Facebook-Account unterhält, brachte den Mann auf dem Balkon, der sich in seiner Wohnung einschloß, dort sogar als aktuelle Meldung mit Warnschild unter der Überschrift: "Mann mit Messer auf Balkon in Neustadt-Nord - Polizeieinsatz mit Spezialeinsatzkommando". Die Polizei Köln lässt auf diesem Facebook-Account Kommentare zu. Dort kommentiert ein Willi N. an erster Stelle unter der Meldung "In einem Land in dem wir gut und gerne leben". Die restlichen Kommentare auf der Polizei Köln-Facebookseite machen sich bis auf wenige Ausnahmen über den Mann und die Situation lustig. Die Kölner Polizei reagiert auf Kommentare nicht. Dazu muss sich die Kölner Polizei fragen lassen, warum sie als staatliches Organ hier in die öffentliche Meinungsbildung eingreift, eine Aufgabe, die sie weder aus dem Polizeigesetz noch aus der Verfassung ableiten kann, und die sie, wie der Fall zeigt, nicht kompetent löst. Die Polizei Köln unterhält neben dem Kanal auf dem sozialen Netzwerk Facebook auch noch Medienkanäle auf Twitter und dem Presseportal.

Hier zur Dokumentation der zusammengesetzte Screenshot, aufgenommen am 27. April, 9:00 Uhr des Facebook-Kanals der Kölner Polizei zum Vorfall auf der Neusser Straße:

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