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Polizeipräsident Jacob: „Acht Wochen mit großen Einschränkungen haben die Menschen verändert“

Köln | Uwe Jacob ist der Kölner Polizeipräsident. Im Interview spricht er über die Herausforderungen für die Polizei in der Krise, über Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen sowie über die Rückkehr der Bundesliga.

Wie erleben Sie im Moment Köln in der Krise?

Uwe Jacob: Ganz anders als vor der Pandemie. Wenn ich im Präsidium von oben aus dem Büro schaue, sehe ich durch das Henkelmännchen den Dom. Alles sieht aus wie immer und ist doch ganz anders als früher. Die pulsierende Millionenstadt wurde komplett heruntergefahren – die Straßen und die Plätze waren leer. Gerade zu Beginn der Pandemie herrschte bei den Menschen Angst, das war auch bei unseren Mitarbeitern der Fall. Wir haben von dramatischen Todeszahlen in Italien gehört und verstörende Bilder gesehen. Es gibt keine Medikamente und keinen Impfstoff gegen das Virus. Inzwischen hat sich alles wieder etwas beruhigt und die Stadt ist wieder lebendiger geworden. Aber acht Wochen mit großen Einschränkungen haben die Menschen verändert. Es war klug von der Landesregierung, die Menschen „nicht völlig einzusperren“. Vielen hat es gutgetan, im Grüngürtel oder am Rheinboulevard spazieren zu gehen. Aber ein normales Leben kann es noch immer nicht geben, das hat bei uns in der Behörde mit dem Verzicht des Händeschüttelns begonnen. Das waren im Kleinen große Einschränkungen. Jetzt bei den Lockerungen hoffe ich, dass die Menschen weiter verantwortungsbewusst und vorsichtig bleiben, nicht leichtsinnig werden und überziehen. Wir vertrauen den Bewohnern unserer Millionenstadt. Die meisten halten Abstand auf der Straße genauso wie im Supermarkt.

Was sind die größten Herausforderungen für Sie als Polizeipräsident?

Jacob: Eine große Herausforderung war es, als Behörde selbst handlungsfähig zu bleiben. Die Aufgaben für die Polizei sind auch in der Krise weiter vorhanden. Daher hatten wir große Sorgen bezüglich unserer eigenen Einsatzfähigkeit. Deshalb haben wir frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um uns zu schützen. Dazu zählt die Zwölf-Stunden-Schicht für den Wachdienst. Sie stellt sicher, dass möglichst immer die gleichen Dienstgruppen zusammen sind und sich die verschiedenen Schichten auch nicht durchmischen können. Dazu gibt es die Rufbereitschaft im Homeoffice, wodurch wir immer eine Reserve haben. Das gilt auch für die Führungsebene, was insgesamt großer und aufwendiger Planung bedurfte. Wichtig war auch, die Mitarbeiter mit Informationen gerade zu neuen Rechtsentwicklungen und Hygienevorschriften immer auf dem neuesten Stand zu halten, was wir mit Nachrichten direkt auf die dienstlichen Mailadressen und Handys gewährleisten können. Wichtig war zudem die Ausrüstung mit entsprechender Schutzausstattung zu gewährleisten. Dass wir erfolgreich waren, zeigt, dass bei mehr als 5000 Beschäftigten, sich derzeit nicht einmal eine halbe Handvoll mit dem Virus infiziert hat. Die Krankenquote ist während der Krise sogar gesunken. Wir hatten Kollegen, die zwölf Jahre nicht mehr im Wachdienst waren, und die jetzt, um die Zwölf-Stunden-Schichten zu ermöglichen, in diesen Bereich zurückgekehrt sind - was auch das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigt.

Wie fällt die Bilanz in der Coronazeit aus?

Jacob: Das schöne Wetter hat dazu beigetragen, dass die Menschen raus in die Natur wollten. Es gab einige wenige, die dabei unvorsichtig geworden sind. Das zeigten Bilder vom Aachener Weiher oder vom Rheinboulevard. Dort gab es große Ansammlungen, die wir teilweise auch gemeinsam mit der Stadt auflösen mussten. Insgesamt gab es mehrere Tausend Ordnungswidrigkeiten wegen Verstößen gegen die Coronaschutzverordnung. Das ist aber für diese Stadtregion enorm wenig. Die Disziplin der Kölner und Leverkusener war überwiegend hervorragend.

Wie sieht es mit dem Thema Versammlungen aus?

Jacob: Zunächst waren diese komplett verboten. Für mich und den Stadtdirektor ist die Versammlungsfreiheit ein wichtiges Thema. Wir stehen zu Artikel 8 des Grundgesetzes. Versammlungen müssen auch in Zeiten der Krise möglich sein. Allerdings bedarf es hierzu besonderer Regeln. Zunächst haben Dr. Keller und ich für Versammlungen mit 20 Personen, die einen entsprechenden Abstand halten und sich nicht durch die Stadt bewegen durften, das Verbot gelockert. Später haben wir die Anzahl auf 100 erhöht. Es gab inzwischen etwa 100 Versammlungen, davon waren einige zwar nicht angemeldet – die Teilnehmer waren aber trotzdem kooperativ. Eine Ausnahme war der zweite Samstag im Mai mit 500 bis 800 Personen, die gegen die Einschränkungen demonstrierten und unter anderem Verschwörungstheorien verbreiteten. Sie zogen durch die Stadt, husteten bewusst Menschen an und forderten sie auf, die Schutzmasken abzunehmen. Diese Entwicklung macht uns Sorgen, auch weil es weitere Hinweise auf solche Aktionen gibt. Die Freiheiten der einen enden immer dort, wo die Freiheiten der anderen beginnen. Wenn andere Menschen in Gefahr gebracht werden, können und werden wir das nicht hinnehmen und werden solche Versammlungen notfalls auch verbieten bzw. auflösen.

Was hat sich während der Krise in der Stadt verändert?

Jacob: Während der Krise hat sich die Zahl der Straftaten deutlich verringert. Die Menschen sind zu Hause. Es gab weniger Verkehrsunfälle, Kneipenschlägereien blieben aus und auch die Zahl der Einbrüche reduzierte sich. Auf einer leeren Domplatte gibt es auch keine Taschendiebstähle. Jetzt wird alles wieder schrittweise hochgefahren und die Zahlen werden sich wohl wieder ändern. Das haben wir gerade in der letzten Woche sehr traurig und hart erleben müssen, als wir innerhalb 24-Stunden zu zwei tödlichen Verkehrsunfällen gerufen wurden.

Wie hat sich Ihr beruflicher Alltag durch die Krise verändert?

Jacob: Wir mussten die Behörde zu jedem Zeitpunkt handlungsfähig erhalten. In der Belegschaft musste ein Bewusstsein für die Pandemie geschaffen werden. Wir sind alle keine Virologen und mussten ständig dazulernen. Zum einen haben wir schnell einen Krisenstab eingerichtet und Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Plexiglasscheiben in allen Wachen umgesetzt. Daneben haben wir die Möglichkeiten für Heim- und Telearbeit von 200 auf 900 Heimarbeitsplätze aufgestockt. Auch ich bin immer wieder im Homeoffice, da auch auf der Führungsebene Reserven geschaffen werden müssen. Die Zahl der Video- und Telefonkonferenzen hat deutlich zugenommen, weil wir jede Gelegenheit nutzen, um Infektionen zu vermeiden. Diese Entwicklung wird sich wahrscheinlich auch nach dem Ende der Krise fortsetzen, da sie einfach sinnvoll ist. So gibt es jede Woche eine Abstimmung zwischen den Polizeibehörden in den großen NRW-Städten, die per Videokonferenz abläuft. Das spart Zeit und Reisekosten. Hier können wir aus der Krise lernen.

Hat die Gewalt gegen Polizisten in der Krise zugenommen?

Jacob: Das war eine Entwicklung, die schon lange vor und unabhängig von der Pandemie begonnen hat. Es gab immer wieder aggressive Störer bei Demonstrationen, im Zusammenhang mit dem Fußball oder Aggressionsdelikte unter Einfluss von Betäubungsmitteln oder Alkohol. Das hat mit dem Runterfahren des gesamten Stadtgeschehens nachgelassen und hat auch in der Krise nicht zugenommen. Ganz im Gegenteil, die Kollegen erfahren im Moment viel Wertschätzung, wenn in den Stadtteilen geklatscht und kölsche Lieder für Polizei, Feuerwehr und andere Einsatzkräfte gesungen werden. Das sind bewegende Szenen, die uns enorm helfen und die zeigen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute Arbeit leisten.

Gerade startet der Profifußball mit den Geisterspielen. Ist das für Sie ein Grund zur Sorge?

Jacob: Wir haben im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Köln mit dem FC und Bayer 04 zwei Bundesligaklubs, mit denen wir uns regelmäßig austauschen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass unerwünschte Aktionen der Fans geplant sind. Da gebe ich den Fans auch einen gewissen Vertrauensvorschuss. In den Gaststätten hoffe ich, dass die Wirte verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und sich die Gäste an die Regeln halten. Wir haben bei der Bekämpfung der Pandemie so viel erreicht, das dürfen wir jetzt nicht aufs Spiel setzen. Ich bin in Sachen Fußball vorsichtig optimistisch.

Was macht Ihnen derzeit Hoffnung und was Sorgen?

Jacob: Hoffnung machen mir die guten Zahlen bei den Neuinfektionen. Die Entwicklung ist wirklich positiv. Hoffnung machen mir auch die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen. Sie haben viele Einschränkungen angenommen, engagiert ihren Dienst absolviert und innovativ neue Dinge entwickelt. Sorgen macht mir, das Menschen jetzt leichtsinnig werden, die Gefahr nicht mehr ernstnehmen oder irgendwelchen Verschwörungstheoretikern folgen.

Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Jacob: Meine Frau und ich haben ein Alter erreicht, das uns zur Risikogruppe macht. Deshalb halten wir uns streng an die Empfehlungen der Experten. Es gab keine Besuche von Bekannten und Verwandten. Auch bei den Geburtstagen der Enkel gab es nur ein Winken vom Zaun aus. Ansonsten machen wir viele Spaziergänge und sind mit dem E-Bike unterwegs – natürlich mit Helm. Und die Terrasse im Hause Jacob ist noch nie so früh im Jahr so gründlich gereinigt worden, wie das jetzt der Fall war.

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