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Rocker-Krieg in Köln: "Wilder Westen" und ein lokales Phänomen

Köln | Acht Schießereien gab es in den vergangenen Wochen und Monaten in Köln auf offener Straße. Die Bandidos und die Hells Angels liefern sich einen Schlagabtausch, zuletzt am 4. Januar in unmittelbarer Nähe des Kölner Hauptbahnhofs. Dabei nahm die Polizei ein Mitglied der Hells Angels fest. Kölns Strafverfolgungsbehörden, die Kölner Polizei und Staatsanwaltschaft Köln zeigten sich heute entschlossen gegen die organisierte Kriminalität der Bandidos und Hells Angels vorzugehen und den Rechtsstaat durchzusetzen.

Drei Begriffe nannte Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln, im Zusammenhang mit den Straftaten: „Besorgnis, Zorn und Entschlossenheit“. Die Täter schießen auf offener Straße mit hochkarätigen Waffen, wie etwa einer Magnum 357, aufeinander. Jacob spricht von „unkontrolliertem durch die Gegend ballern“. Damit hätten die Straftäter keine Kontrolle über das, was sie tun und gefährden damit auch unbeteiligte Dritte. Als Beispiel nannte er die Schießerei auf und aus fahrenden Fahrzeugen. Zudem gingen sie vollkommen rücksichtslos vor. Diese Ignoranz der Täter mache ihn wütend. Dies sei Wilder Westen. Jacob zieht in Zweifel, dass es sich bei den Tätern überhaupt um Rocker handele oder nur um Berufskriminelle, die den Nimbus der Rockerszene nutzten, um ihre kriminellen Geschäfte zu tätigen. Zudem fällt auf, dass die Täter, anders als bei organisierter Kriminalität üblich, die sonst eher im unsichtbaren Bereich agiert, ihren Rockerkrieg in der Kölner Öffentlichkeit austrägt.

Kölner Phänomen

Dabei sei diese Auseinandersetzung aktuell kein bundesweites sondern ein rein lokales Kölner Phänomen. Bundesweit halten die Rockervereinigungen wie MC Gremium, Bandidos oder Hells Angels aktuell wohl eher die Füße still, da sie zunächst das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das „Kuttenverbot“, dass sie im März 2018 anstrengten, wahrscheinlich abwarten wollen.

In Köln entstand nach dem Verbot einiger Hells Angel Chapter, die bislang die Rheinmetropole als ihr Territorium ansahen und diese Territorialansprüche etwa auf den Ringen durch ihre Kutten deutlich sichtbar nach außen trugen, ein Machtvakuum. Die Hells Angels verloren an Macht und Reputation innerhalb der Szene. Jetzt geht es um die Macht in Köln. Der Leitende Kriminaldirektor Stephan Becker der Kölner Polizei, zieht in Zweifel, dass es sich bei den aktuell rivalisierenden Gruppierungen überhaupt noch um Rocker handelt. Becker präsentierte Gruppenfotos von Mitgliedern beider Gruppierungen, die vor einer Kick-Box-Veranstaltung an der Lanxess Arena entstanden. Die Mitglieder beider Gruppen fühlten sich heute gar nicht mehr so wie früher einer Gruppierung zugehörig, sondern wechselten schon einmal. Zudem erklärte Becker, dass vor allem Migranten aus dem Kosovo, Nordafrika oder Türkischstämmige sich in beiden Organisationen wiederfinden.

Deren Aktionsgebiet findet sich vor allem auf den Kölner Ringen, dem rechtsrheinischen Köln und hier vor allem in Kalk, Buchheim, Buchforst, Vingst und Teile von Mülheim. Auch Becker spricht vor allem beim Anführer der Bandidos, in dessen Wohnräumen heute eine Durchsuchung stattfand, von einem kriminellen Geschäftsmann, der sich mit den Rockern eine Schutztruppe halte. So soll dieser Mann sich in einem Gespräch mit der Polizei negativ über Rocker geäußert haben, deren männlichen Habitus, deren ölige Finger und Leidenschaft fürs Mopedfahren. Die Kölner Polizei geht sogar soweit und sagt, viele der Mitglieder hätten weder einen Führerschein geschweige denn ein Motorrad. Dieser Geschäftsmann dringe mit Macht in die Gebiete der Hells Angels vor. Und so erlebe Köln aktuell ein Hin und Her an Reaktion und Gegenreaktion der beiden befeindeten Gruppierungen.

Die Polizei und Staatsanwaltschaft wollen dieser Gewaltspirale nun etwas entgegensetzen. Die Polizei werde, so Polizeipräsident Jacob, robust vorgehen und bildet eine Gruppe von besonders erfahrenen Fahndern und Ermittlern, die nur gegen diese Gruppierungen vorgehen werden. Zudem wird die Polizeipräsenz verstärkt, entsprechende Einsatzhundertschaften sind bereits angefordert. Becker erklärte: „Wer in Köln eine Waffe führt, der wird vorgeführt“ und meinte damit den Haftrichter. Das festgenommene Mitglieder der Hells Angels vom 4. Januar befindet sich bereits in Untersuchungshaft. Oberstaatsanwalt Bremer ergänzte „und auch inhaftiert“. Zwei besonders mit der Szene vertraute Staatsanwälte werden eng mit der Polizei zusammenarbeiten, denn die Beweisführung sei nicht immer einfach, da die Szene in sich sehr geschlossen sei. Zeugen aus dem Umfeld sind in der Regel nicht auskunftsfreudig und es gelte in jedem Fall die individuelle Schuld nachzuweisen. So erwarte das festgenommene Hells Angels Mitglied, der mit der Tat in der Altenberger Straße in Verbindung gebracht wird, eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und die Täter, die die Spielhalle in Köln-Buchheim überfielen, macht die Kölner Staatsanwaltschaft den Vorwurf eines versuchten Tötungsdelikts. Es handele sich hier nicht um Kavaliersdelikte ordnete Bremer die Lage für die Täter ein, die zudem nicht mit Milde zu rechnen haben.

Neben den Ermittlungen und einer stärkeren Präsenz vor Ort werden die Strafverfolgungsbehörden auch die Geldströme ins Visier nehmen und Finanzermittlungen im Umfeld anstoßen. Das Zeugen aussagen oder ein Aussteigerprogramm helfen könne, davon zeigen sich die Ermittler nicht überzeugt, da die Szene zu sehr in sich geschlossen sei. Dennoch machte Becker an Zeugen ein Angebot. Wer aussagen und aussteigen will, den werde die Polizei dabei unterstützen und auch Zeugenschutz anbieten. Das noch heute Nachmittag im Walter-Pauli-Ring im Polizeipräsidium die Telefone glühen, davon geht Becker allerdings nicht aus, denn die Szene verstecke sich hinter einer Mauer des Schweigens.

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