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Analyse und Kommentar zum Hauptbahnhof: Die rechte Saat geht auf

Köln | Die überzogene Festnahme der jungen Muslime am Tag des Zuckerfests am Kölner Hauptbahnhof, der Applaus und die Fake News aus den Reihen der Rechtspopulisten, die undifferenzierte Reaktion des Kölner Polizeipräsidenten, der Kölner Medien, die die Stereotype eins zu eins weiter transportieren oder nach dem Motto die Polizei hat alles richtig gemacht kommentieren und die Sprachlosigkeit der Kölner Politik und der gesellschaftlichen Kräfte zeigen, dass der rechte Populismus die Oberhand über die öffentliche Debatte gewinnt, sie bestimmt und ein Urteil lauten muss: Die rechte Saat geht auf. Wer dem entschieden demokratisch entgegen treten will, der muss sich stark machen für Debatte, Dialog und Handreichung zur Versöhnung. Eine Analyse und Kommentar.

Die Beschreibung einer Woche in Köln und Deutschland

Am Dienstag werden zehn junge Männer am Kölner Hauptbahnhof vorübergehend festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt, weil sie Zuckerfest feiern. Es ist nicht nur die Woche des Zuckerfests in Köln, sondern auch die Woche an deren Sonntag sich der Jahrestag des NSU Nagelbombenanschlags in Köln zum 15. Mal jährt. An diesem Freitag gibt die Kölner Polizei bekannt, dass sie gegen Unbekannt wegen Rechtsextremismus ermittle. Der Grund Rechtsextreme verteilten in Köln Mülheim Flugblätter zwischen dem 29. Mai und 3. Juni mit Hakenkreuzen im Kopfbereich. Am Freitag beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetzespaket „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ zu Abschiebung und Migration. Dieses Gesetz räumt der Polizei weitreichende neue Befugnisse ein: „Polizisten dürfen künftig die Wohnung eines abgelehnten Asylbewerbers betreten und durchsuchen.“

Rückblick auf den Dienstag in Köln

Ein einziger und einzelner Anrufer stört sich an dem Verhalten von vier jungen muslimischen Männern, die sich am Tag des Zuckerfests, einem Tag der Freude für Muslime auf der ganzen Welt,  in einem für sie an diesem Tag normalen Outfit auf den Kölner Hauptbahnhof zubewegen. Dieser löst einen Großalarm aus. Wie Verbrecher werden zehn junge Muslime behandelt. Sie werden auf den Boden gebracht, fixiert, festgenommen und auf die Wache der Bundespolizei gebracht. Dort werden sie vom Staatsschutz verhört und erkennungsdienstlich behandelt. In allen öffentlichen Darstellungen der Kölner Polizei werden sie als „Verdächtige“ bezeichnet, obwohl nach objektiven Kriterien ihnen nie etwas vorzuwerfen war. Sie sind jetzt in den Datensätzen der Kölner Polizei so erfasst, bundesweit für jeden Polizeibeamten abrufbar. Den jungen Männern muss man raten, das Vorgehen der Kölner Polizei rechtsstaatlich überprüfen zu lassen. Vor allem vor dem Hintergrund dessen, was der „Kölner Stadt-Anzeiger“-Online in seinem Bericht vom 4. Juni, 20:56 Uhr aussagt: „Ein anderer soll nach Informationen früher schon vom Staatsschutz überprüft worden sein, es seien jedoch damals wie heute keinerlei Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund gefunden worden.“ Unschuldig und unverdächtig aber für immer in der Polizeidatenbank und in der Öffentlichkeit.

Die Kölner Medien und das Wort „Terror“

Anstatt zu fragen, ob der Tweet und die anschließende Polizeipressemeldung der Beamten überhaupt eine Nachricht wert ist, ob die Angaben der Kölner Polizei richtig und wie zu verstehen sind und wie diese zu hinterfragen oder zu bewerten sind, fangen die Kölner Medien an, darüber zu berichten und das nicht anhand der tatsächlichen Faktenlage, sondern alleine basierend auf der Sprechweise der Polizei. Auffallend ist, dass alle die Begrifflichkeit von „Terror“ in ihrer Berichterstattung nutzen oder zumindest anklingen lassen. Die „WDR“ Lokalzeit berichtet in ihrem Format „Kompakt“ darüber und beginnt  in der Hauptsendung am 4. Juni zwischen 19:30 und 20 Uhr mit der Anmoderation: „Am Mittag haben Terrorhinweise einen Polizeigroßeinsatz“ ausgelöst und spricht in der weiteren Berichterstattung weiter von „Verdächtigen“. Der Kölner Express schreibt in seiner Erstmeldung: „Nach Angaben einer Polizeisprecherin war die Polizei wegen ‚auffälligen Männern in braunen und weißen Gewändern‘ gerufen worden. Beim Anblick der verdächtigen Personen hatten sich einzelne Bürger sogar wegen vermeintlicher Terror-Gefahr gemeldet. Die „Kölnische Rundschau“ schreibt am 4. Juni um 14:08 Uhr: „In Zeiten der Terrorgefahr riefen Bürger den Notruf der Polizei und die Beamten fuhren mit einem Großaufgebot los. Ein Anrufer sagte zudem, dass die Männer auffallend schnell in das Gebäude laufen würden. In der Vorhalle des Hauptbahnhofes konnten die Verdächtigen vor den Augen von vielen Reisenden gestellt werden.“

Bei der Bewertung ist auf die Details zu achten

Zum Verständnis muss erklärt werden, dass es die Kölner Polizei ist, die durch ihr Verhalten mit ihrer Pressemitteilung vom 4. Juni  und ihren Aussagen den Verdacht auf „Terror“ anschürt. Denn die Männer wurden nicht nur auf den Boden geworfen, fixiert, gefesselt, abgeführt und auf ihre Unbescholtenheit hin von Streifenbeamten kontrolliert. Nein, die Kölner Polizei schaltete den „Staatsschutz“ ein und teilt dies öffentlich mit. Für Journalisten ist dies ein Zeichen dafür, dass es sich um eine staatsgefährdende Tat handeln könnte, also um „Terrorismus“.  Alleine dieses Detail ist bemerkenswert, vor dem Hintergrund, dass es einen einzigen Anruf gab. Die Polizei merkt an, dass die Männer „Westen“ trugen, die „Kölnische Rundschau“ schreibt, dass ein Mann eine Weste trug, die einer schusssicheren Weste ähnlich sah. Zudem zitiert das Blatt einen Polizeipressesprecher indirekt: „Da in Zeiten der angespannten Sicherheitslage nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Männer unter ihren Gewändern Waffen tragen, hätten die Beamten die Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren gestoppt.“ Dass der Anrufer den Unterschied zwischen einer schusssicheren Weste und einer normalen Weste nicht feststellen kann, mag dahin gestellt sein. Polizeibeamte, die selbst eine tragen, sollten das mit dem bloßen Auge erkennen und bei einer Kontrolle, vor allem wenn sie die Männer auf den Boden fixieren, feststellen ob diese Waffen tragen. Dennoch hat das Polizeipräsidium Köln den „Staatsschutz“ eingeschaltet und dies auch noch öffentlich gemacht.

Der Polizeipräsident und die Führung der Behörde ist zu kritisieren nicht der einzelne Beamte

Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jakob weist die Vorwürfe von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegen seine Beamten zurück. Das ist zunächst einmal löblich, denn als Vorgesetzter stellt er sich vor seine Mitarbeiter. Gleichzeitig schützt er sich selbst und die Behördenleitung damit und schiebt seine Einsatzkräfte in den Fokus der Wahrnehmung, ja versteckt sich hinter ihnen. Weil er genau weiß, dass niemand einem Streifenbeamten hier zunächst einen Vorwurf machen wird, ganz im Gegenteil: sie werden jetzt als Opfer im Boulevard stilisiert. Diese Kommunikations-Strategie hatte schon seinem Vorgänger Jürgen Mathies, heute Staatssekretär im NRW-Innenministerium, geholfen, als dieser nach Silvester 2016 wegen „Racial Profiling“ in die Kritik geriet.  

Dabei ist vielmehr zu hinterfragen, was tut die Behördenleitung unter der Führung von Jakob gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Stereotype und „Racial Profiling“. Woher kommen diese rüden Methoden mit denen gegen die Männer vorgegangen wurde? Warum wird der Staatsschutz alarmiert und zu Verhören auf die Wache entsandt. Das ist doch keine Entscheidung eines Streifenbeamten vor Ort.

Hier lohnt der Blick in die Vergangenheit und die Nachfrage, wie das Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Kölner Behörde auch vor den Veränderungen der gesellschaftlichen Debatte begriffen wird. Weiten wir zunächst den Blick auf das NRW-Innenministerium. Dort ist mittlerweile Herbert Reul, CDU, Innenminister. Reul will ein verändertes Leitbild der NRW-Polizei, das seit den 1980er Jahren von Bürgernähe und Dialog geprägt war. Im Februar 2018 berichtet die „Rheinische Post“ über eine geheim tagende Gruppe und ranghöchste Spitzenbeamte, die neue Leitbild-Eckpunkte für die NRW-Polizei erarbeitete. Das Blatt berichtet von einem Papier, in dem steht, dass in Alltagsroutine noch die alte NRW-Linie gelte, aber im Konfliktfall die Beamten so handeln sollen: „Polizeibeamte müssen durchsetzungsfähig und -stark und damit letztlich gewaltfähig, aber nicht gewaltaffin werden“ und dass die „körperliche Robustheit, Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit" der Beamten gestärkt werden müsse. Reul spricht in der Folge immer wieder von einer Polizei, die robuster werden müsse und da verwundert es nicht, dass CDU-Mann Reul die Einsatzkräfte ausdrücklich lobte und den Vorfall dramatisierte, dass ein anderes Verhalten der Polizei das Leben hunderter Menschen aufs Spiel gesetzt hätte. Was für ein absurdes Theater.

Aufarbeitung ist nicht nötig, sagt die Polizei

Die Kölner Polizei will die Vorfälle vom 4. Juni am Kölner Hauptbahnhof nicht aufarbeiten. Dies teilt sie schriftlich dieser Internetzeitung auf Anfrage mit. Dem Thema sei mit der Pressemitteilung, dem Statement von Polizeipräsident Uwe Jakob sowie dessen Ankündigung vor dem Polizeibeirat der Stadt Köln zu sprechen „nichts hinzuzufügen“. Auf die Frage, wie sich die Behörde mit dem Thema Rassismus und „Racial Profiling“ auseinandersetzt, antwortet die Behörde: „Seit vielen Jahren fördern Polizisten mit Migrationshintergrund das kulturelle Miteinander in Köln. Zudem sind Rassismus und Racial Profiling Themen, die in der Ausbildung junger Polizistinnen und Polizisten verankert sind.“

Im Klartext heißt dies, dass die Führung der Kölner Polizei und Polizeipräsident Uwe Jakob das Thema in seiner Behörde für nicht relevant hält. Rassismus-Prävention findet einmal in der Ausbildung statt, dann nie wieder. In Köln leben Menschen aus mehr als 180 Nationen. Die Gesellschaft, die politische Debatte verändert sich, sie bleibt nicht stehen.

Es gibt ein weiteres Indiz dafür, dass das Thema Rassismus von der Kölner Polizeiführung ignoriert wird. Auf die Frage, ob es in den letzten zehn Jahren Ermittlungen wegen Rassismus innerhalb der Kölner Polizei gab, antwortet die Behörde: „In dem einzigen Fall endete die disziplinarrechtliche Prüfung nach einem Pflichtverstoß mit einer ausgesprochenen Missbilligung. Ein Dienstvergehen lag nicht vor!“ In der Kölner Behörde arbeiten über 4.000 Menschen und es gab keinen einzigen Fall in zehn Jahren von Rassismus, der zu disziplinarischen Maßnahmen führte?

Für Jakob scheint Köln eine Insel zu sein

Das ist insofern bemerkenswert, vor allem vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung und den Erkenntnissen der letzten Jahre, ja Jahrzehnte. Hier schließt sich der Kreis dieser Woche zum Gedenken an den NSU-Anschlag in der Keupstraße. Kölner Beamte ermittelten damals gegen die Opfer nicht die Täter, der Name „Dönermorde“ kursierte, das scheint lange vergessen. Es gibt ja auch immer noch kein Mahnmal, das an Opfer und Anschlag erinnert.

Aber auch die jüngste Vergangenheit hält viele Fälle von Rassismus bei der Polizei in Deutschland  bereit und es ist permanent Thema in allen Medien: Die Frankfurter Anwältin, die im NSU-Prozess Angehörige vertrat, wird bedroht. Es wird festgestellt, dass sensible Daten von ihr von einem Polizei-Computer in Frankfurt abgerufen wurden. Im Zuge der Ermittlungen ergibt sich, dass Beamte der Frankfurter Polizei in einer WhatsApp-Gruppe rassistische und den Nationalsozialismus verherrlichende Nachrichten austauschten. In Bayern fiel eine Chatgruppe aus ehemaligen und aktiven Beamten auf, die Videos mit antisemitischen Inhalten teilten. Der Pegida-Demonstrant mit dem Hütchen oder das rechtsextreme Netzwerk in der Bundeswehr um Franco A, der Mitglied in einer Chatgruppe rund um den damaligen KSK-Soldaten André S alias Hannibal, alles Beispiele für rechte Umtriebe in Behörden. Der Fall des Kölners Simon N., der aus Köln nach Sachsen ging und dort eine Ausbildung zum Polizeibeamten absolvierte. Als er Zeuge von offen gelebtem Rassismus wird, macht er diesen öffentlich und wird übel beschimpft. In NRW stellte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster im Herbst 2018 fest, dass die Kontrolle eines schwarzen Deutschen am Bochumer Bahnhof durch die Bundespolizei nicht verfassungskonform war (Az. 5 A 294/16). Das hat die Kölner Polizeiführung anscheinend nicht mitbekommen oder ist sie auf diesem Auge blind?

Lässt sich die Polizei Köln zum Thema Rassismus beraten, fragte diese Internetzeitung. Auch diese Antwort ist bemerkenswert vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die Kölner Polizei schon einmal des massiven Vorwurfs des „Racial Profiling“ erwehren musste, nachdem sie in der Silvesternacht 2016 twitterte, dass sie „Nafris“ kontrolliere. Auf diese Frage antwortete die Kölner Polizei: „Das Thema hat bundesweit polizeiliche Bedeutung und ist Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Anlässlich des Symposiums 2017 zu den Silvesterereignissen 2016 hat Frau Dr. Daniela Hunold von der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) Einblicke in die Studienergebnisse zur Problematik des sogenannten. „Racial Profilings“ in Köln gegeben.“ In einem Schreiben von Innenminister Herbert Reul, CDU an die Präsidentin des Landtages NRW am 16. Januar 2017 wird zum Vortrag von Hunold festgestellt: „Sie ging kritisch auf die Auswahlkriterien bei den Kontrollen am Kölner Hauptbahnhof in der letzten Silvesternacht ein und regte ein Überdenken dieser Kriterien an". Die Kölner Polizeiführung hält das also für ein wissenschaftliches Thema.

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung des Zentralrates der Muslime (ZMD) in Deutschland am Tag nach dem Vorfall im Kölner Hauptbahnhof verständlich, dass Polizistinnen und Polizisten kultursensibel geschult werden müssen und die Polizei die richtigen Schlüsse aus dem  „fehlgeleiteten Einsatz“ zieht. Die Antworten der Behörde lassen hier nichts Gutes ahnen.

Die Rechtspopulisten schlachten den Fall für sich aus

Die rechtspopulistische Plattform „Pi News“ verdreht die Tatsachen und spricht in der Headline von „Terrorkontrolle“. Das rechte Medium zitiert den Kölner AfD-Landtagsabgeordneten Roger Beckamp, der gesagt haben soll und sich auf die Kritik des Zentralrats der Muslime bezieht: “Soll die Polizei erst warten, bis der Bahnhof in die Luft gesprengt wurde, bevor sie jemanden kontrollieren darf?! Herr Mazyek als deutscher Gralshüter der ‚Religion des Friedens‘ sollte sich lieber mal fragen, warum so viele Terroristen in aller Welt „Allahu Akbar“ rufen, während sie brutal morden und wüten.”

Alice Weidel bezieht sich auf einen Bericht der „Jungen Freiheit“ und verdreht ebenfalls die Tatsachen, in dem sie schreibt, dass die Männer brüllend und „Allahu Akbar“ rufend durch den Kölner Hauptbahnhof liefen und kritisiert die Aussagen des ZMD scharf. Sich gegen Muslime auszusprechen ist in rechten Kreisen opportun.

Es ist nicht opportun, sich für Muslime einzusetzen

Der Einsatz und der bisherige Verlauf der öffentlichen Debatte zeigt vor allem eins: Es ist nicht opportun, sich für Muslime einzusetzen. Denn bis auf wenige Ausnahmen herrscht – nicht nur in Köln – Schweigen. Das zeigt, die Saat der Rechtspopulisten geht auf und deren populistische Stereotyp Muslim ist gleich Islam, ist gleich Islamist, ist gleich Terror, funktioniert in den Köpfen, führt zu entsprechenden Kommentaren in den Gazetten der Stadt und in den sozialen Netzwerken. Wie sonst sind Kommentare wie die des Kölner „Express“ zu interpretieren, wenn dieser titelt: „Wer spaltet Menschen und wer fördert Hass? Bislang hinterfragt Die Linke und die Initiative „Köln gegen Rechts“ die Arbeit und Kommunikation der Polizei.

Dabei ist Terror weder eine muslimische Erfindung noch wird dieser ausschließlich von Muslimen begangen. Am 15. März tötete der Rechtsterrorist Brenton Tarrant 51 Muslime in zwei Moscheen und verletzte weitere 50 Menschen zum Teil schwer. Er trug dabei eine Helmkamera, filmte und streamte den Vorfall live. Als die DITIB zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Vorplatz der Kölner Moschee einlud (report-K kündigte an), kam nur ein einziger Kölner Politiker: Der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges, SPD. Eine Gedenkveranstaltung in einem sehr würdevollen Rahmen wurde ansonsten von der Kölner Zivilgesellschaft, staatlichen Organen und Politik ignoriert. Wo war Polizeipräsident Uwe Jakob, der ein Signal hätten setzen können, wir sind an Eurer Seite, wo die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, wo die Grünen, FDP oder CDU, wo alle die anderen, die immer wieder für ein friedliches Köln demonstrieren?

Die Kölner Zivilgesellschaft schweigt

Auch das Schweigen der Kölner Zivilgesellschaft und ihrer mittlerweile institutionalisierten Organisationen wie „Arsch Huh – Zäng usseinander“ oder „Köln stellt sich quer“ könnte ein Indiz dafür sein, dass es wenig opportun erscheint, sich für Muslime einzusetzen. Warum gibt es kein einziges Statement von den Kölner Parteien wie der SPD, CDU, FDP oder den Grünen zu dem Vorfall?

Welche Haltung haben eigentlich die Grünen?

Die Grünen sind auf dem Höhenflug nach der Europawahl und politisch stärkste Kraft zumindest nach den Ergebnissen der Europawahl in Köln und deutschlandweit in den Trends. Für die Ereignisse der Silvesternacht 2016 kritisierte die damalige Bundesvorsitzende Simone Peter die Kölner Polizei und sprach von „Racial Profiling“. Dafür wurde sie massiv kritisiert. Wie oben schon beschrieben stützte diese damalige Einschätzung die Wissenschaftlerin Hunold beim Symposium der Kölner Polizei im September 2017. Nach der verlorenen Landtagswahl gaben die neuen Fraktionsvorsitzenden der Grünen im NRW-Landtag, der Kölner Arndt Klocke und Monika Düker, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am 15. Juni 2017 ein Interview. Auf die Frage ob sie sich über die Kritik von Simone Peter am Polizeieinsatz in der Silvesternacht ärgern, stellte Klocke fest, dass dies die Grünen zurückgeworfen  habe. Düker wird sogar noch deutlicher und sagte: „Simone Peters unbedachte Äußerungen haben uns enorm geschadet.“ Vor diesem Hintergrund und dass Arndt Klocke in einigen Medien schon als potentieller Oberbürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl 2020 gehandelt wird, scheint es so, dass die Grünen sich dieses Mal nicht positionieren wollen.

Was passiert aber, wenn die Demokraten schweigen, die Hetzer hetzen und staatliche Organe nicht lernfähig sind?

Die Saat geht nicht nur sondern blüht auf. Die Kölner DITIB veröffentlichte ihre Sicht auf die Vorgänge mit einem sehr differenzierten Blick. Man stelle eine ständig wachsende Bedrohungslage für Muslime auch im öffentlichen Raum fest. Zwar sei die Zahl der antimuslimischen Straftaten im ersten Quartal 2019 zurückgegangen, aber die DITIB geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Flugblätter aus Köln-Mülheim enthielten Todesdrohungen gegen Muslime. Die „Atomwaffendivision Deutschland“, die auch für Flugblätter auf dem Campus der Goethe Universität Frankfurt verantwortlich sein soll, werde nicht ernst genommen, über deren Handeln, so die DITIB, müsse gesprochen werden. Die geringe Zahl der Verurteilungen nach Verbrechen gegen Muslime, aber auch die weit verbreitete antiislamische Sprache in der Politik bereiteten Sorge, so die DITIB.

Zu den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof schreibt die DITIB: „Nicht zuletzt zeigt uns das dringend zu klärende Vorgehen der Kölner Polizei am Hauptbahnhof gegenüber zehn Jugendlichen an einem wichtigen muslimischen Feiertag, dass die negative Wahrnehmung von Muslimen in der Gesellschaft gefährliche Auswüchse erreicht. Wie sich auch im Nachhinein herausstellte, agierte die Polizei vorschnell, vorurteilsbehaftet und kriminalisierend gegenüber unbescholtenen Bürgern und muslimischen Bräuchen, und das an einem Tag der Freude.“

Abdurrahman Atasoy, Generalsekretär DITIB-Bundesverband, zieht in der schriftlichen Mitteilung ein Fazit: „Die Anteilslosigkeit von Politik und Gesellschaft muslimischer Bedürfnislagen und Ängste ist sicherlich ebenfalls nicht förderlich für ein Miteinander, um das wir eigentlich kollektiv bemüht sein sollten.“

„Anteilslosigkeit“

Atasoy verwendet ein Wort, das nachdenklich macht: „Anteilslosigkeit“. Die Woche in Köln zeigt deutlich, dass wir uns wieder mehr füreinander interessieren müssen. Das noch vor ein paar Jahren als Normal geglaubte, ist heute das Besondere. Das Nebeneinander leben und der Rückgriff auf stereotype Verdächtigungen muss überwunden werden, gerade wenn nicht immer alles optimal läuft. Wir brauchen eine ständig an aktuellen Ereignissen orientierte ergebnisoffene Debatte über Integration und darüber, wann sie nicht gelingt. Was nützt das schönste Integrationskonzept auf der Website der Stadt Köln, wenn es nicht gelebt wird? In der Handreichung und im Diskurs müssen wir uns mit unserem Gegenüber und seiner Normalität auseinandersetzen. Es gibt kein pauschales Gut und Schlecht, es gibt Individualentscheidungen, die mal besser und mal schlechter laufen. Beides ist Vorbild, aber nur dann, wenn akzeptiert wird, dass wir daraus lernen. Es fällt auch der Polizei Köln kein Zacken aus der Krone, wenn sie eine lernende Organisation bleibt und sich in einer sich ändernden Gesellschaft aktiv dem Thema Rassismus stellt. Dies zu verstehen und zuzugeben sowie schon aus den Fehlern von 2016 gelernt zu haben, stünde Polizeipräsident Uwe Jakob und seinem Führungsteam besser zu Gesicht, als ein Basta-Statement auf dem Rücken seiner Beamten abzuliefern. Dass die Zivilgesellschaft und Politik in Köln schweigt ist ebenfalls kein gutes Zeichen. Der Diskurs über die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof gehört daher nicht in den der Öffentlichkeit verschlossenen Tagungsraum des Polizeibeirats, sondern in die öffentliche Debatte des Kölner Ratssaals.
 

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