Köln Nachrichten Köln Nachrichten

2_Tim_Mitchell__Clothing_Recycled___Tim_Mitchell_2005

Arbeiterinnen recyceln Alttextilien, die aus Europa importiert wurden. | Foto: Tim Mitchell

Ausstellung „Fast Fashion“: die dunkle Seite der Billig-Mode

Köln | Modisch muss das neue T-Shirt. Und billig. Wie es produziert wurde? Das ist eher unwichtig. Die Ausstellung „Fast Fashion“ im Rautenstrauch-Joest-Museum zeigt „die Schattenseiten der Mode“ – zeigt die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, den Einsatz von Giften, die Zerstörung der Umwelt.

Ein T-Shirt für 3 Euro, ein Hemd für 9, eine Jeans für 10 – wohl die wenigsten Kunden der Billig-Mode-Ketten machen sich Gedanken darüber, wie solche Preise möglich sind. Im Rautenstrauch-Joest-Museum gibt’s die Antwort darauf. Und die ist alles andere als erfreulich: Aufträge in Billigst-Lohnländer, unmenschliche Arbeitsbedingungen, Einsatz von gesundheitsgefährdenden Chemikalien, keine Rücksicht auf die Folgen für die Umwelt.

14-Stunden-Tage und 7-Tage-Wochen,

Nein, ein Gang durch die Ausstellung, die vom Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe übernommen wurde, ist alles andere als ein Vergnügen. Nicht nur, weil an den Einsturz einer Kleiderfabrik 2013 in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, mit über 1.100 toten Beschäftigten erinnert wird. Fotos und Filme dokumentieren faktenreich die aktuellen Arbeitsbedingungen rund um die Welt. Zu lesen sind die Aussagen von Arbeiterinnen. Sie berichten von 14-Stunden-Tagen und 7-Tage-Wochen, von fehlenden Schutzmaßnahmen beim Einsatz von Chemikalien oder wenn Jeans durch Sandstrahlen auf „alt“ getrimmt werden.

Oft genug werden gesetzliche vorgeschriebene Mindestlöhne nicht gezahlt, Mutter- und Kündigungsschutz sind die Ausnahme, von Krankenversicherung ganz zu schweigen. Bei einem T-Shirt, das in Deutschland für 5 Euro angeboten wird, macht der Arbeitslohn so gerade einmal 13 Cent aus. Wer geht Pleite, wenn dieser Betrag verdoppelt wird, wer kann sich in Europa das T-Shirt nicht mehr leisten, wenn es 13 Cent mehr kostet? Im Übrigen ist eine teure Markenjeans keine Garantie, dass die Produktionsbedingungen einwandfrei sind.

12.000 Liter Wasser für die Produktion eines T-Shirts

Dann die „Kollateralschäden“. So können bis zu 12.000 Liter nötig sein, um ein T-Shirt zu fertigen. Der Wasserverbrauch für den Anbau von Baumwolle hat in Zentralasien die fast totale Verlandung des Aral-Sees zur Folge. In China haben 320 Millionen Menschen keinen Zugang mehr zu Trinkwasser, weil Textilfabriken ihre Abwässer ungeklärt in die Flüsse leiten und diese– entsprechend der aktuellen Produktion – bunt färben.

Schließlich der Transport rund um die Welt: 40.000 Kilometer legt ein Kleidungstück zurück, das in den Niederlanden entworfen wirft, in einem Billiglohn-Land hergestellt wird, nach Europa verschifft und als Lumpen im afrikanischen Sambia entsorgt wird. Und vor dem Ansehen eines Schockfilms wird ausdrücklich gewarnt: Schafscherer in Australien und den USA gehen beim Schafscheren alles andere als sorgsam mit den Tieren um.

Es gibt Alternativen – aber die sind nicht billig

„Slow Fashion“ heißt der positive Teil der Ausstellung. Hier wird gezeigt, wie in einzelnen Billiglohnländern die alten nachhaltigen und umweltfreundlichen Produktionstechniken wiederentdeckt werden. Lokale Modedesignerinnen und -designer etwa in Bolivien, Papua-Neuguinea, Bangladesh, Uganda oder Myanmar greifen sie auf und können sich damit auf dem internationalen Modemarkt behaupten. Billigkleidung ist das dann allerdings nicht.

Nicht zu vergessen politische Maßnahmen wie in Burkina Faso, das Textilimporte verbot. Europäische Altkleider-Exporte zerstören den afrikanischen Markt. Auch Studenten der Kölner ecosign-Schule haben sich Gedanken über nachhaltige Mode gemacht.

Die Ausstellung richtet sich ausdrücklich auch an Schulen und bietet ein reichhaltiges Begleitprogramm an. Wünschenswert in der Ausstellung wären Informationen über die Vielfalt der „Ökosiegel“, mit denen die Textil-Hersteller werben.

„Fast Fashion - die Schattenseiten der Mode“ – bis 24. Februar 2019. Cäcilienstr. 29-33 (Am Neumarkt), Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, am ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr (außer an Feiertagen). Eintritt zur Sonderausstellung 12/9 Euro

Zurück zur Rubrik Köln Nachrichten

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Köln Nachrichten

Verwaltungsgericht_20112018

Köln | Das Telekommunikationsuntenehmen Deutsche Telekom AG musste am heutigen Dienstag vor dem Verwaltungsgericht Köln eine Schlappe einstecken. Die Kölner Richter wiesen einen Eilantrag des Bonner Unternehmens gegen eine Feststellung der Bundesnetzagentur zurück. Die hatte europarechtliche Bedenken geäußert und den Dienst untersagt.

AmtsgerichtKoeln_080317

Köln | Der Prozess um die Aufarbeitung des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs ist um ein Verfahren reduziert. Am heutigen Dienstag bestätigte die 10. große Strafkammer, dass gegen den Polier keine neue Hauptverhandlung eröffnet werde. Der Mann ist weiterhin gesundheitlich schwer angeschlagen und die Verjährung tritt nach Ablauf des 2. März 2019 in Kraft, hieß es zur Begründung.

20112018_Evakuierungskarte_StadtKoeln

Köln | aktualisiert | Am heutigen Dienstagmittag haben Arbeiter bei Sondierungsbohrungen gleich zwei nicht detonierte Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Beide Blindgänger sollen noch heute entschärft werden. Der Evakuierungsradius beträgt 500 Meter.

Report-K Karnevalsplauderei

karnevalsplauderei

Karnevalsplauderei 2018

Der Oktober ist die Zeit der Vorstellabende und der Künstler, die Ihre neuen Programme oder Titel zeigen. Report-K stellt rund 40 Künstler im Videointerview vor, jeden Tag ein anderer Redner, Band oder Musiker.

Mathias Nelles

Knubbelisch vum Klingelpütz

Hanak – Micha Hirsch

Volker Weininger – Der Sitzungspräsident

Thomas Cüpper – Et Klimpermännchen

Zwiegespräch – Botz un Bötzje

Ne joode Jung – Holger Quast

Cat Ballou

Druckluft – Dicke Backen

Planschemalöör

Beckendorfer Knallköpp

Schlappkappe

Ehrenamtspreis Köln 2018

ehrenamtspreis_zusammen_31082108neu_klein

Die Kölner Ehrenamtspreisträger 2018

In einer Multimedia-Reportagereihe beschäftigte sich report-K Redakteur Ralph Kruppa im Vorfeld des Kölner Ehrenamtstages am 2. September 2018 mit den Gewinnern des Ehrenamtspreises der Stadt Köln in den Kategorien Einzelpersonen und Vereine/Initiativen. Ergebnis ist eine Serie, die eine beeindruckende Vielfalt an Themen sowie einen Einblick in die Geschichten der einzelnen gewürdigten Persönlichkeiten zeigt.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN