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Seit einigen Tagen hängt dieses Transparent gegen den geplanten Bau der Sportanlage im Lohsepark. Die Nummer führt zum Grünflächenamt.

Bebauung und Versiegelung bedroht Inneren Grüngürtel

Wie wichtig der Innere Grüngürtel als Erholungsgebiet, als grüne Lunge und Frischluftschneise für Köln ist, zeigt die aktuelle Hitzewelle. Doch obwohl unter Denkmalschutz stehend, gibt es immer wieder Pläne, ihn teilweise zu bebauen. Hauptargumente: Räume für Sport und Baugrund, um Wohnungen für die wachsende Einwohnerzahl zu bauen.

So zeigt zum Beispiel der Masterplan – Stand März 2017 – gut zwei Dutzend rote Flächen, wo der Grüngürtel bebaut werden könnte. Der Mediapark wird da einbezogen. Markiert ist etwa auch das Dreieck am Aachener Weiher markiert, wo sich die Straßenbahngleise stadteinwärts vor der Bahnunterführung teilen.

In Nippes sollen Schrebergärten neuen Wohnhäusern weichen

Oder ein roter Streifen vor den Häusern, die bislang die Grenze zu den Schrebergärten zwischen Neusser und Escher Straße in Nippes bilden. Hier sollen neue Wohnhäuser entstehen, durch eine neue Parallelstraße erschlossen. Das ginge auf Kosten der Schrebergartenanlage „Flora“. So der Plan vor zwei Jahren, der von der Stadt ohne Rücksprache mit dem Stadtkonservator lanciert wurde.

Offiziell ist es darum inzwischen still geworden. Doch die Bürgerinitiative „Grüne Lunge Köln“ – sie entstand aus Protest gegen diese Pläne – beobachtet genau, was passiert. Dazu lädt sie regelmäßig mit dem Initiativen-Netzwerk „Grünsystem“ zu Veranstaltungen ein. Die haben sogar Eingang in das aktuelle Kulturerbejahr-Programm „Sharing Heritage“ der EU gefunden. Für Nippes hat sie das Jahr 2020 im Blick. Dann läuft der städtische Generalpachtvertrag mit den Schrebergärtnern aus. Und ein Ersatzgelände hatte man ihnen schon angeboten. Was passiert dann mit den „Flora“-Kleingärten?

Zukunftspläne: Sporttreiben im Abgasmief

Auf Ablehnung stößt bei dem Verein auch der Bau einer Sportanlage zwischen Neußer und Merheimer Straße, inzwischen schon von den zuständigen Ratsausschüssen genehmigt und auch der Bezirksvertretung beschlossen. Gegen die Stimmen der Grünen. Pikant, dass sich die Grünstiftung an den Kosten beteiligen will. In seiner jüngsten Sitzung hatte der Kölner Stadtrat mit großer Mehrheit einer entsprechenden Schenkung von Outdoor-Sportgeräten zugestimmt, Wert: 93.000 Euro (Report-k.de berichtete). „Damit geht Fläche verloren, die bisher ausgiebig zur Erholung – etwa zum Sonnenbaden oder Picknick genutzt wird“, kritisiert Initiativen-Sprecher Martin Turck. Zusätzlich ärgert ihn, dass dafür 2.500 Quadratmeter versiegelt werden.

Überhaupt sei es nicht empfehlenswert, in der Nähe der Inneren Kanalstraße – eine der meistbefahrenen Straßen Kölns – Sport zu betreiben, warnt Barbara Burg vom Netzwerk Grünsystem. Zu Jahresbeginn hatte sie hier in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eine einmalige Stickstoffdioxid-Messung vorgenommen. Die ergab nach Auswertung in einem Schweizer Labor 53,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, wetterbereinigt wären es sogar 58. „Das ist so schlimm wie am Clevischen Ring“, vergleicht Burg mit der langjährigen Messstelle im Rechtsrheinischen. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm und darf im Jahr nicht öfter als 35 Mal überschritten werden. Bedenken wurden in der Bezirksvertretung niedergebügelt: Dort werde ja jetzt schon Sport betrieben.

Neuer Basketballplatz braucht noch die politische Zustimmung

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Diese Basketballanlage zwischen Ehrenfeld und Innenstadt wird durch eine gröpßere auf der anderen Seite des Weges ersetzt – so die Planungen.

Nicht überall auf Zustimmung stößt auch der Plan der Kölner Sportartikel-Handelskette Snipes einen „Snipes Courts“ zwischen Venloer und Vogelsangstraße zu errichten Er soll – auf der anderen Seite des Fußwegs – den bisherigen „Nike Courts“ ersetzen: Den kleinen quadratischen Basketballplatz, den ehemaligen Hubschrauber-Landeplatz der belgischen Streitkräfte. Der Naturschutzbeirat hat dem Vorgaben mit 8:1 Stimme zugestimmt, ebenso das Denkmalamt. Das fühlt sich im Übrigen nach mehrmaligem Nachfragen nicht für den Bau von Sportanlagen im Grüngürtel zuständig. Um eine Stellungnahme zu diesem Eingriff gebeten, schreibt Snipes: „Von unserer Seite gibt es zum Thema im Moment nichts zu kommunizieren.“

Die Gegenstimme im Naturschutzbeirat kam von BUND-Mitglied Ralf Gütz. Er fordert stattdessen die Förderung von Flächen für Rasensportarten. Das Argument, dass deren Pflege zu teuer sei, lässt er nicht gelten. Vielmehr seien die Grünflächen angesichts des Klimawandels wichtig für das Stadtklima. Bei einem Sommer wie in diesem Jahr steige zum Beispiel die Zahl der Hitzetoten – die gesellschaftlichen Folgekosten seien erheblich höher als die der Rasenpflege.

Grünflächenamt verspricht: Aachener Berg wird nicht angetastet

Beim geplanten Snipes-Courts werden immerhin rund 1.000 Quadratmetern versiegelt – doppelt so viel wie aktuell. „Wir wollen der Jugend ein zeitgemäßes Sportangebot machen“, erklärt Joachim Bauer vom federführenden Grünflächenamt. Basketball aber könne nur auf einer befestigten Fläche gespielt werden. Als Ausgleich würden aber entsprechend dem Landesnaturschutzgesetz Bäume gepflanzt.

Er verspricht: „Der Berg am Aachener Weiher wird nicht angetastet“, und verweist auf das Sportkonzept für den Inneren Grüngürtel: Das sieht Anlagen in Nippes, zwischen Ehrenfeld und Innenstadt so wie am Südstadion vor. Schließlich verweist er noch darauf, dass im Vorjahr im Inneren Grüngürtel etwa durch den Abriss eines Hauses an der Venloer Straße doppelt so viel Fläche freigeräumt wurde wie jetzt bebaut werden soll.

Rund um den Colonius wird der Grüngürtel „kommerziell ausgenutzt“

Veränderungen soll es auch rund um den Colonius geben: Zwei Häuser sollen abgerissen und stattdessen zwei neue Hochhäuser gebaut werden. „Hochpreisige Wohnheime für wohlhabende Studenten“, so Andreas Hupke. Der zuständige Bezirksbürgermeister (Die Grünen) sieht das mit gemischten Gefühlen. Positiv bewertet er, dass sich zumindest die Gesamtgrundfläche nicht verändern wird. Doch noch ist unklar, was genau hier entstehen soll, im Gespräch sind auch Luxuswohnungen und ein Boarding-Haus.

Was Hupke allerdings generell stört, ist die „kommerzielles Ausnutzung“ des Grüngürtels ohne finanziellen Ausgleich für die Stadt. Hier ist er sich mit Truck einig. Der verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Weinmuseum im Agnesviertel, das 2002 genehmigt wurde: Der Weinberg auf dem Dach sei als Ausgleich lächerlich. Still und heimlich sei auch der Neubau von Kindertagesstätte und Pfarrzentrum der Katholischen Kirchengemeinde St. Agnes neben der Riehler Straße um ein Drittel vergrößert worden. Auch die Universität plane größere Eingriffe in den Grüngürtel.

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