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Ein Zimmer im besetzten Haus

Bewohner im besetzten Haus Bonner Straße: „Würden Sie in einer dreckigen Notunterkunft wohnen wollen?“

Bewohner von besetztem Haus erleichtert über Übergangsduldung

Köln | Die Stadt Köln hat aufgrund der Corona-Pandemie die Übergangsduldung der Bewohner des besetzten Hauses an der Bonner Straße in der Nähe des Großmarktes beschlossen. Was bewegte die Bewohner das Haus zu besetzen, welche Ziele und Perspektiven haben sie und welche Bedingungen gibt es in dem Gebäude? Report-K Reporterin Marlene Nunnendorf* sah sich vor Ort um und sprach mit dem Koordinator der Initiative.

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Das Haus von außen

Das Gebäude an der Bonner Straße ist zwar durch Transparente als besetztes Haus klar erkennbar, ansonsten ist es ruhig. An der Seite stehen zwei Männer, einer davon ist André Salentin. Er übernahm die Aufgabe des Sprechers und Hausmeisters im besetzten Haus und ist der Koordinator der Initiative. Seit ungefähr einem Monat lebe er dort, es sei eine „stille Besetzung“ gewesen. Salentin ist selbst seit acht Jahren obdachlos. Durch die Corona-Krise habe es weitere Menschen gegeben, die es in das Haus gezogen habe, rund 30 Mitbewohner seien es.

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Auf die Frage, warum sie nicht die Wohnangebote der Stadt Köln angenommen hätten, antwortet der Sprecher und Koordinator der Initiative: „Würden Sie in einer dreckigen Notunterkunft wohnen wollen? In einer Notunterkunft, in der die Hygiene unter aller Sau ist? In der die Bettbezüge alle drei Wochen gewaschen werden? Die einfach nur ekelhaft ist?“ Er weist auf die sauberen Toiletten und eine Waschmaschine hin und sagt: „Hier können wir unsere Wäsche waschen, so oft es nötig ist. Zwölf Duschen gibt es.“ Der Strom und die Alarmanlage liefen weiterhin, eine Küche würden sie bald bekommen.

Der Deal zwischen der Stadt Köln und den Bewohnern sei, dass die Bewohner weiter an der Instandsetzung des Hauses arbeiteten, es hygienisch hielten und den Müll auf der Außenanlage beseitigten. „Dafür hat uns die Stadt Köln Müllcontainer zugesagt. Daran wollen wir arbeiten.“ Auch in Hinblick auf die besonderen Hygieneregeln zu Pandemiezeiten seien die Bewohner informiert. Es hängen zusätzlich Informationen in mehreren Sprachen aus. Der Sauberkeitsgrad des Gebäudes befindet sich auf dem Niveau vieler Sportvereinsheime.

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Die Bewohner leben in verschiedenen Stockwerken und haben ihre eigenen Räume. Die Stimmung ist gut. Die, die da sind, grüßen freundlich von weitem und öffnen bereitwillig die Türen ihrer Zimmer. Ein Bewohner zieht schnell etwas beschämt seinen Schlafsack glatt und entschuldigt sich, dass das Bett nicht gemacht sei. „Die Zimmer befinden sich gerade noch im Aufbau. Wegen der angedrohten Räumung hatten einige ihr Hab und Gut in Sicherheit gebracht und können es erst jetzt wieder zurückbringen.“, so Salentin. Alles Weitere stamme vom Sperrmüll. Von den hellen Zimmern sind das ein oder andere fertig gestrichen und eingerichtet.

Christina und ihr Mann kommen aus Lettland. Was sie sich im Leben am meisten wünscht: „Ein ruhiges Leben mit Arbeit, ein gutes, ruhiges Leben.“ Ruhe habe sie bisher in ihrem Leben nicht finden können, im Baltikum habe sie keine Arbeit gefunden. Nach Deutschland habe es sie gezogen, da sie die Sprache von ihrer deutschen Großmutter gelernt habe. Hier im Haus habe sich die Lage seit der Übergangsduldung der Stadt deutlich entspannt. Noch Tage zuvor sei die Stimmung angespannt und aggressiv gewesen, als die Bewohner Angst vor der Räumung gehabt hätten, sagt der Sprecher der Initiative.

André Salentin, der vor der Obdachlosigkeit mit einer Fahrradwerkstatt selbstständig gewesen war, hat Ideen für das Haus, von denen er die Stadt gerne überzeugen würde. Er malt sich einen Lebens- und Arbeitsraum aus, der Gartenanlagen, einen Skaterplatz, eine Großküche und hygienische Bewirtung für andere Obdachlose einschließt. „Das alles sind natürlich nur Träume. Ich hoffe, dass wir die Stadt überzeugen können, dass wir das mit unserer eigenen Arbeit umsetzen können und sie dadurch letztlich Geld sparen kann. Dafür wollen wir zeigen, dass wir hier alles in Schuss halten.“

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*Die Pandemie-Regeln des Landes wurden bei der Reportage eingehalten.

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