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Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Verkehr in der Großstadt Köln

Menschen sind mehr mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs

Köln | Die Corona-Krise hat auch auf den Verkehr einer Großstadt wie Köln deutliche Auswirkungen. Im Interview sprechen Verkehrsdezernentin Andrea Blome und der Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, Patric Stieler, über die Folgen.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Verkehr einer Großstadt wie Köln?

Andrea Blome: Derzeit beschäftigen sich Wissenschaftler mit den Auswirkungen und forschen, ob diese nachhaltige Änderungen mit sich bringen oder nicht. Auch die Verkehrsbetriebe und die Bahn haben entsprechende Gutachten in Auftrag gegeben. Da geht es um die Frage, wie man in der Krise verloren gegangene Fahrgäste wieder gewinnen kann. Gewinner sind Radfahrer und Fußgänger. Beim Auto gab es in der Spitze des Lockdowns eine Reduzierung um 60 Prozent.

Patric Stieler: Das hat sich aber aktuell wieder verändert. Im Moment sind wir trotz Sommerferien bei einem Verkehrsaufkommen, das bei 95 Prozent im Vergleich zum März vor dem Lockdown liegt. Der ÖPNV wird von den Menschen gemieden und viele Leute sind nicht in den Urlaub gefahren, sondern bleiben in Köln. In den Vorjahren war das Verkehrsaufkommen in den Sommerferien deutlich niedriger. Da wirkt sich natürlich auch auf unsere Sommerbaustellen aus, die wir ganz bewusst in eine vermeintlich verkehrsärmere Zeit gelegt hatten.

Gibt es weitere Auswirkungen?

Blome: Die Spitzenzeiten im täglichen Verkehr sind abgeflacht, weil die Kernarbeitszeit durch die Krise aufgehoben worden ist. Die Menschen gehen zu verschiedenen Zeiten zur Arbeit und auch der Feierabend beginnt nicht bei allen zur gleichen Zeit. Gab es bislang in den Spitzenzeiten morgens und nachmittags Staus, ist das jetzt nicht mehr der Fall. Das prägt auch das subjektive Empfinden, dass es in Köln weniger Verkehr gibt.

Wie sieht es beim Radverkehr aus?

Blome: Der Radverkehr hat deutlich zugenommen, wie unsere Zählstellen zeigen. Hier haben wir aktuell ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Juli 2019. Das Mobilitätsbedürfnis der Menschen hat in der Krise nicht abgenommen. Allerdings sind die Menschen jetzt mehr zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Das ist in unserem Sinne, weil so kurze Strecken umweltfreundlich bewältigt werden. Negativ ist nur, dass das Ganze zulasten des ÖPNV und nicht wie gewünscht zulasten des Autos geht. Das wäre das, was wir bei der Verkehrswende anstreben. Der Anteil des ÖPNV am gesamten Verkehrsaufkommen liegt seit längerer Zeit bei 21 Prozent. 35 Prozent fallen auf den Autoverkehr, 25 Prozent auf Fußgänger und 19 Prozent auf die Radfahrer.

Warum hat sich die Stadt nicht für die sogenannten, kurzfristig eingerichteten Pop-up-Radwege entschieden?

Blome: Wir haben das Thema Radverkehr langfristig geplant und verwandeln in diesem Rahmen wie auf den Ringen regelmäßig und nachhaltig Fahrspuren in Radwege. Hätten wir jetzt in der Krise auf Pop-up-Radwege gesetzt, wäre das zulasten der geplanten Maßnahmen gegangen. Das hätte keine nachhaltige Wirkung gehabt. Was wir aktuell verstärkt überprüfen, ist die Benutzungspflicht von Radwegen. Diese können wir aufheben, wenn Faktoren wie die Sicherheit und Einsehbarkeit gewährleistet bleiben.

Wurde es nicht während der Corona-Krise zu eng auf den Radwegen?

Blome: Gerade bei den schmalen Radwegen an den Bordsteinen gibt es immer wieder Klagen, dass es dort für Radfahrer eng wird. Deshalb nehmen wir auch Fahrspuren weg und schaffen mehr Platz für den Radverkehr. Hinweise über Problemstellen bekommen wir auch regelmäßig von der Polizei und vom Ordnungsamt. Das war zum Beispiel für Fußgänger in der Ehrenstraße der Fall. Deshalb haben wir dort die Parkflächen verringert und so mehr Platz geschaffen.

Stieler: Natürlich muss so etwas nach geordneten Kriterien geschehen und darf nicht an den zuständigen Gremien vorbeigehen. In Berlin war das etwas anders, die hatten eine Vorratsplanung für diese Themen, die dann in der Krise schnell umgesetzt werden konnten. So etwas gibt es bei uns nicht. Wir planen, wenn die entsprechenden Beschlüsse kommen, und setzen dies dann auch zeitnah um.

Wie sieht das Konzept für die Altstadt aus?

Blome: Auch hier haben wir Parkraum weggenommen und so mehr Platz vor allem für Fußgänger geschaffen. Ein Vorteil ist hier, dass so der Parkverkehr deutlich abgenommen hat. Das hat die Aufenthaltsqualität in der Altstadt deutlich verbessert. Natürlich kommt es vor, dass wir noch nachsteuern müssen, zum Beispiel wenn es um Ladezonen oder um die Bedürfnisse der Anlieger geht.

Im Eigelstein hatte es wegen der neuen Fußgängerzone Ärger gegeben.

Blome: Den Eigelstein zur Fußgängerzone zu machen, ist ein Thema, das schon lange in verschiedenen Varianten diskutiert wird. Jetzt war es in einem Abschnitt durch eine Baustelle sehr eng geworden. Deshalb haben wir Parkraum weggenommen und im betroffenen Abschnitt eine Fußgängerzone geschaffen. Die Umsetzung erwies sich dann auch wegen einer zusätzlichen Baustelle der Rheinenergie als schwierig. Es gibt zudem immer wieder Autofahrer, die trotz Verbots in die Fußgängerzone hineinfahren. Auch hier haben wir nachgesteuert und die Situation verbessert. Langfristig geht es jetzt darum, den gesamten Eigelstein verkehrsfrei zu bekommen. Dabei wird es aber immer noch Abschnitte geben, die durchfahren und gequert werden dürfen.

Wie schwer ist es aktuell in der Krise den Verkehr zu planen?

Blome: Die Krise hat Prognosen für die Zukunft infrage gestellt und hat uns eine gewisse Unplanbarkeit immer wieder aufgezeigt. Corona hat tiefe Einschnitte auch für den Verkehr mit sich gebracht. Wir mussten uns da immer wieder neu aufstellen und den Mut haben, Maßnahmen immer wieder an die aktuelle Lage anzupassen. Da muss man sehr agil und sensibel sein. Das bedeutet, dass man als Verkehrsplaner seine Komfortzone verlassen muss.

Stieler: Im Krisenstab ging es darum, wie viel Verkehr für eine Stadt im Krisenmodus sicherzustellen ist. Oft wurden uns da Grenzen aufgezeigt und wir mussten Engpässe beseitigen. Das war zum Beispiel bei der Sanitärversorgung von Lkw-Fahrern der Fall. Auch die Aufhebung des Sonntagsfahrverbotes für die Logistikbranche war als Maßnahme des Bundes notwendig. Bei der KVB wurde das Angebot zunächst im Lockdown reduziert und dann wieder aufgestockt, um mehr Platz für die Fahrgäste zu schaffen. Dieses stetige Austarieren war für alle Beteiligten ein spannender Prozess, bei dem wir sehr viel dazugelernt haben.

Welche Auswirkungen haben Dinge wie Homeschooling oder Homeoffice kurz- und langfristig auf den Verkehr?

Blome: Das hat große Auswirkungen. Schüler und Studenten gehören zu den Hauptnutzern des ÖPNVs. An den Unis wird auch weiter online gelehrt und gelernt. Und die Anfangszeiten bei den Schulen werden künftig wohl flexibler sein. Das hat Folgen für die Auslastung von Bus und Bahn. Auch das Homeoffice führt dazu, dass Menschen weniger oder gar nicht mehr ins Büro fahren. Das haben wir für die Stadtverwaltung – wie im übrigen viele der großen Unternehmen -entsprechend forciert, um das Ansteckungsrisiko für unsere Mitarbeitenden zu minimieren. Früher hatten wir morgens und nachmittags Engpässe beim ÖPNV und auf der Straße. Diese Überlastung gibt es sowohl bei den Autos als auch beim ÖPNV aktuell so nicht mehr. Alles hat sich besser verteilt, was ich als große Chance für die Infrastruktur sehe, da wir dann nicht auf extreme Spitzenlast dimensionieren müssen. Positiv wirkt sich auf den Verkehr auch aus, dass man Videokonferenzen oder Webinare nutzt und so auf viele Dienstreisen verzichten kann. Die Menschen haben sich diese Möglichkeiten in der Krise erschlossen und bringen sie nun vermehrt zur Anwendung.

Was macht Ihnen derzeit die größten Sorgen und was die größten Hoffnungen?

Blome: Hoffnung macht mir, dass sich unser Lebensrhythmus verändert hat. Es tut den Menschen gut, wenn sie ihr tägliches Hamsterrad verlassen können und andere Arbeitsformen nutzen können. Da hat die Krise vieles beschleunigt und positive Entwicklung mit sich gebracht. Sorgen macht mir die Bildung der Kinder, da sich die Krise massiv auf den Schulbetrieb auswirkt. Hier geht es auch um die Chancengleichheit bei der Bildung, die durch das Homeschooling oft nicht gewährleistet ist. Dabei hat jedes Kind sein Recht auf Bildung.

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