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Ehrenfeld setzt ein Zeichen zu 80 Jahren Reichsprogromnacht in der Körnerstraße

Köln | Am 10. November gedenkt das Bündnis „Köln stellt sich quer“ gemeinsam mit dem Ehrenfelder Kuratorium Edelweißpiraten, Bezirksbürgermeister Josef Wirges und Rolly und Benjamin Brings der Reichsprogromnacht vor 80 Jahren. Um 18 Uhr gibt es eine Kundgebung an der ehemaligen Synagoge in der Körnerstraße 97. Nach dem anschließenden Schweigemarsch zum Mahnmal der Edelweißpiraten und Zwangsarbeiter an der Bartholomäus-Schink-Straße Ecke Venloer Straße tritt unter anderem Rolly Brings mit seinem Sohn Benjamin auf.

Hinweis der Redaktion: Das Video zeigt die Gedenkveranstaltung in der Körnerstraße im Jahr 2017

Vieles hat sich in der Körnerstraße in den letzten 80, aber vor allem im letzten Jahrzehnt geändert. Eines blieb. Das Gedenken an die Reichsprogromnacht. Jedes Jahr ziehen die, die Geschichte und Erinnerung lebendig halten wollen von der Körnerstraße zum Mahnmal. Heute steht auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge, die von Architekt Robert Stern gestaltet wurde, ein Mehrfamilienhaus und eine Kindertagesstätte. Am neben dem Grundstück liegenden Hochbunker ist 2007 eine Gedenktafel angebracht. In diesem Jahr wollen die Initiatoren das Gedenken mehr Menschen nahe bringen, daher haben sich die unterschiedlichen Bündnisse und Aktivisten zusammengeschlossen.

Bezirksbürgermeister Josef Wirges machte deutlich, wie wichtig gerade aktuell das Erinnern an die Verbrechen der Nazizeit seien: „Rassismus und Antisemitismus haben sich wie Mehltau auf unsere Gesellschaft gelegt“. Wirges meint damit die AfD und vor allem deren Protagonisten Björn Höcke und Andre Poggenburg und spricht in diesem Zusammenhang von „Totengräbern der Demokratie“. Der Vorsitzende der DGB Region Köln Witich Rossmann sieht aber auch eine Gegenbewegung durch Demonstrationen wie „Unteilbar“ oder „Köln zeigt Haltung“, die sich den Rechtspopulisten in den Weg stellt und aus der Mitte der Gesellschaft komme.

Rolly Brings ist einer von denen, die immer wieder an diesem Gedenktag in die Körnerstraße kommen. Er erinnert an David, der in der Körnerstraße wohnte, vertreiben durch die Nazis wurde, den Holocaust überlebte und diese später immer wieder besuchte. Er hatte die Geschehnisse 1938 miterlebt und sich langsam Rolly Brings geöffnet und ihm seine Geschichte erzählt. Daraus machte Rolly Brings den Song „David“. David sprach zunächst Englisch mit Brings, bevor er ins Deutsche wechselte, weil er dem Musiker vertraute und am Ende sprachen sie Kölsch miteinander. Es stimmt nicht, was heute auch auf mancher Führung durch die Körnerstraße erzählt wird, dass die Menschen gegen den Hass damals aufgestanden wären. Die Menschen 1938 glotzten und die Kölner Feuerwehr stand dabei und sicherte die Häuser neben der Synagoge in der Körnerstraße, dass das Feuer nicht übergreift. Mag das Szeneviertel aktuell als multikulti erlebt werden, damals, als die Rufe „Juda verrecke“ durch Ehrenfeld hallten, stellte sich niemand quer.

Rolly Brings singt: „... wenn För de Körnerstroß erhellt, / de Synajoch zesammefällt, SA Minsche wie Veh avzällt, / klein Kinder kriesche en d´r Kält – dann zittert David wie ne Baum, / dä alt un krank em Schneisturm steit. Zick domols lääv hä met dem Alpdraum, / dä wohr es – un dä nit verjeit.

Köln stellt sich heute quer, das Bündnis für das auch Brigitta von Bülow, spricht und das stellt fest: „Was niemand für möglich gehalten hätte, geschieht wieder – auch auf unseren Straßen und in den Parlamenten: Rechtes Gedankengut wird von der AFD und anderen versucht, wieder salonfähig zu machen – rechtes Gedankengut mündet in Straßenschlachten“. Von Bülow machte deutlich, dass sie diese Entwicklung auch persönlich nicht für möglich gehalten hätte.

Wer sich dem Gedenken am 10. November anschließen möchte kann dies am morgigen Samstag tun:

18 Uhr Gedenken mit Miguel Freund vor der früheren Synagoge in der Körnerstraße 97 in Köln-Ehrenfeld

18:30 Uhr Anschließend Schweigemarsch zur Bartholomäus-Schink-Straße/Ecke Venloer Straße

19 Uhr Gedenkveranstaltung vor dem Mahnmal der Edelweißpiraten und Zwangsarbeiter

Es spricht: Prof. Dr. Gudrun Hentges

Es spielen: Rolly und Benjamin Brings und Gäste, Buntes Herz und Lugatti & 9ine

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