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Eine Helferin ist in die Gepäckablage geklettert und verstaut die Rücksäcke der Flüchtlinge

Flüchtlinge erreichen Drehscheibe Köln ermatteter – viele Kleinkinder kommen

Köln | Zwei Züge kamen heute an der Kölner Drehscheibe an, der eine mit über 600 Flüchtlingen, der zweite mit rund 400 Flüchtlingen. Die Strapazen des Herbstes und der langen Reise ist den Flüchtlingen deutlich anzumerken. Viele Kinder sind dabei und wenn der Bus abfährt, winken sie den Kölner Helfern zu und die zurück. Die freiwilligen Helfer sind mittlerweile eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich reizend um die Flüchtlinge kümmert und es herrscht Atmosphäre des Vertrauens.

Strapazen der Flucht nehmen zu

Es sind die Strapazen der langen Reise, bei kalten Temperaturen und die Unsicherheit, die mittlerweile deutlicher zu spüren ist, wenn man die Flüchtlinge an der Drehscheibe in Köln trifft und sieht. Sie sitzen an den Tischen, manche diskutieren mit den Dolmetschern und wirken matt und müde. Das war bei den ersten Zügen noch anders. Da standen die Flüchtlinge vor den Zelten, unterhielten sich, wirkten frischer. Und es waren damals mehr junge Männer. Das hat sich gewandelt, sagt auch Gregor Timmer, Sprecher der Stadt Köln. Heute kamen sehr viele Familien mit kleinen Kindern an. Viele von Ihnen haben Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Fieber und Durchfall. Oder sie essen gar nichts mehr. Gerade den Kleinsten macht die Nahrungsumstellung und die lange Reise ins Ungewisse zu schaffen. Werner Kircher, der die Koordination der Hilfsorganisationen an der Drehscheibe Köln leitet und damit auch die Unfallhilfsstation, spricht von rund 25-30 Hilfeleistungen pro Zug. So habe er erst einen anderthalb Jahre alten Jungen versorgt, der gar nichts mehr gegessen habe. Kircher: "Schokolade geht immer. Und dann hat der Kleine an der Schokolade gelutscht". Kircher, der vom ersten Tag als freiwilliger Helfer im Einsatz ist, bestätigt, dass die Flüchtlinge erschöpfter sind und vor allem die Zahl der Kleinkinder zwischen ein und drei Jahren zugenommen hat.

Freiwillige Ärzte gesucht

Kircher ist im richtigen Leben Busfahrer bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB), die auch den Transport mit den Bussen managen. KVB-Chef Fenske habe ihm gesagt, so lange er an der Drehscheibe gebraucht werde, solle er dort Dienst tun. Dabei versucht Kircher die Ehrenamtlichen so weit wie möglich zu entlasten und wenn dann nur im Wechsel einzusetzen, damit es nicht zu einer Überlastung des Einzelnen komme. Daher kommen die Ehrenamtlichen Helfer in der Unfallhilfstelle auch aus allen Organisationen und würden prima zusammenarbeiten. Auch rund 10 Ärzte haben sich mittlerweile freiwillig gemeldet, so dass auch hier die ehrenamtlichen Kräfte aus den Hilfsorganisationen entlastet würden. Ärzte, die sich noch engagieren möchten, sind aber jederzeit gerne gesehen, sagt Kircher. Freiwillige können sich gerne unter werner.kircher@asb-koeln.de melden. Freiwillige werden über eine SMS alarmiert und eingeteilt. Durch den höheren Zustrom von Kindern, sind Kinderärzte gerne gesehen. Aber auch Pflegepersonal melde sich freiwillig und helfe. Wir treffen auch ein Team der DLRG aus Bayern. Die vier Helfer haben den Zug von Passau aus nach Köln begleitet und machten sich mit einem regulären Zug auf den Rückweg. Die Einsätze der Freiwilligen dauern zwischen 23 und 27 Stunden.

Die Ehrenamtlichen sind die Helden

Die Leistung der Freiwilligen, ob Dolmetscher, Betreuer, KVB oder von der Stadt Köln ist beeindruckend. Ohne diese wären die Menschen nicht zu versorgen. Eine junge Frau kriecht in den Bauch eines Busses, verlädt die Gepäckstücke und ist dabei gut gelaunt. Es ist modern gesprochen eine Community, die zusammen arbeitet und durch ihre positive und den Menschen zugewandte Art vor allem eines schafft: Vertrauen. Dies spiegelt sich zurück, wenn die Kinder und Eltern aus dem Bus zum Abschied winken. Und dass bei einer unsicheren Zukunft, denn auch die Verteilung ist ein Weg in die Ungewissheit. Es ist eine Fahrt wo heute keiner weiß, wo am Ende womöglich der neue Lebensmittelpunkt der Familie durch reinen Zufall sein wird. Einige Flüchtlinge werden von Verwandten abgeholt, oder suchen sich selbst den Weg weiter zu Ihren Verwandten. Auch hierfür ist in den Zelten gesorgt. Es gibt eine Wechselstube, wo Geld getauscht werden kann. Denn die meisten Flüchtlinge, die Geld haben, können nur mit Dollar bezahlen. So kann hier getauscht und gleich daneben etwa am Fahrkartenautomat eine Fahrkarte gelöst werden.

Das Lächeln zählt

Besonders nachgefragt in den Zelten sind die Ladestationen für Smartphones und das kostenfreie Wlan. Kaum ein Erwachsener der nicht telefoniert, eine SMS schreibt oder ein Selfie mit den Kindern macht und dieses verschickt. Die Vernetzung der Flüchtlinge ist hoch. Es gibt einen kleinen Gebetsbereich und für die Kinder Luftballons und eine Spielecke. Eine ältere Betreuerin drückt einem kleinen Jungen einen Stempel auf den Unterarm. Der kleine Junge lächelt, die Betreuerin lächelt zurück. Für einen klitzekleinen Augenblick ist der Ort, das Zelt für Flüchtlinge zwischen Parkhaus und Bahnhof und die Unsicherheit einer langen und gefährlichen Flucht vergessen.

Gregor Timmer geht davon aus, dass auch in den nächsten Tagen eher zwei als ein Zug ankommen und die Drehscheibe noch länger betrieben wird. Wer mithelfen will, kann sich bei der Stadt melden. Derzeit ist das Kontingent an freiwilligen Helfern bei 1.700. Man kommt also nicht jeden Tag zum Einsatz. In der Drehscheibe Köln werden Flüchtlinge kurzzeitig versorgt und reisen dann in die Erstaufnahmestellen des Landes Nordrhein-Westfalen weiter.

Freiwillige die sich an der „Drehscheibe Köln“ engagieren wollen können sich unter folgender Nummer melden: 0221 / 221- 22223. Für Spenden können sich Bürger unter www.ich-helfe.nrw an Initiativen und Ansprechpartner wenden. Die Initiativen bitten darum vorab zu klären, was aktuell benötigt wird.

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