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Gunter Demnig gibt dem Stolperstein in der Brüsseler Straße den letzten Schliff.

Gunter Demnig verlegt 54 neue Stolpersteine

Köln | 54 neue Stolpersteine verlegte Gunter Demnig in dieser Woche in Köln. Sie erinnern an Opfer der Nazi-Diktatur und werden vor dem letzten bekannten Wohnsitz in den Gehweg eingelassen. Die kleinen Messingtafeln nennen ihre Namen und Lebensdaten.

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Arisierungs-Gewinn? Renate und Hans-Ulrich Eysler strießen auf ein dunkles Kapitel in ihrer Familiengeschichte.

Dass vor ihrem Haus Brüsseler Str. 88 ein Stolperstein verlegt wird, war Renate und Hans-Ulrich Eysler ein ganz persönliches Anliegen. Sie haben es von ihrer Mutter geerbt, erst nach deren Tod erfuhren sie, dass diese es 1935 der Jüdin Henriette Salomon abgekauft hatte. Henriette Salomon wohnte noch einige Jahre als Mieterin dort, ehe sie wohl im Rahmen der zunehmenden Nazi-Entrechtungspolitik ausziehen musste.

Schreck über Arisierungs-Gewinn in der eigenen Familie

„Wir waren beide Geschichtslehrer“, erzählt Hans-Ulich Eysler, „und haben mit moralischem Anspruch unterrichtet. Und dann stoßen wir auf das in der eigenen Familiengeschichte.“. Der Schreck sei groß gewesen. Sie begannen mit Hilfe des NS-Dokumentationszentrums die Geschichte von Henriette Salomon zu recherchieren.

Der Verkauf des Hauses geschah offenbar im Rahmen der schleichenden Arisierung. Der offiziell vereinbarte Preis von 25.000 Goldmark war „offensichtlich unter Wert“, ist sich das Kölner Ehepaar einig. Henriette Salomon konnte zunächst nach Holland fliehen, kam nach Einmarsch der Nazis ins KZ Westerbork und wurde im Juli 1943 in Sobibor ermordet. Ihre beiden Söhne konnten 1939 emigrieren, Nachkommen der Familie leben heute im Ausland.

Fünf Stolpersteine für Schülerinnen der Königin-Luise-Schule

Vor der Königin-Luise-Schule setzte Gunter Demnig Stolpersteine für gleich fünf ehemalige jüdische Schülerinnen:Elsie Berg, Liese Lotte Samuel und Hannah Liese Samuel, Alice von der Heyden, Eva Alsberg. Ihr Schicksal hatten Schülerinnen im Rahmen eines Schulprojekts recherchiert. Die Stolpersteine sind die ersten, für die die Schule die Patenschaft übernommen hat, weitere sollen in den nächsten Jahren folgen.

Elsie Berg emigrierte mit ihrer Familie in die Niederlande, wo sie eine Ausbildung zur Krankenschwester in der Nervenheilanstalt Apeldoorn begann. Die deutschen Besatzer deportierten Personal und Patienten 1943 nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden.

Hannah Liese Samuel und ihr Bruder konnten 1938 nach Großbritannien emigrieren. Die jüngere Schwester Liese Lotte floh mit ihren Eltern nach Südfrankreich, wo sie zunächst verhaftet und dann nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden.

Eva Alsberg konnte 1938 mit ihren beiden Brüdern in einem Kindertransport nach England emigrieren. Ihr Vater Alfred starb im Getto Litzmannstadt, ihre Mutter Martha wurde im Vernichtungslager Kulmbach ermordet. Alice von der Heyden (geboren 1897) , die ebenfalls die Königin-Luise-Schule besucht hatte, beging 1944 Selbstmord, um der drohenden deportation zu entgehen.

Ehepaar Spier: vergebliche Sicherheit in Frankreich gesucht

Vor dem Haus Gleueler Str. 163 erinnern zwei Stolpersteine an Hilde und Sie konnten 1935 nach Belgien fliehen, nach dem Einmarsch deutscher Truppen, flohen sie weiter nach Frankreich. Vom Internierungslager Drancy wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo Hilde Spier offenbar sofort nach der Ankunft ermordet wurde. Carl Ludwig Spier starb auf dem Todesmarsch nach Buchenwald. Zuvor war es dem Ehepaar in Nizza gelungen, ihre beiden Kinder in die Obhut des italienisch jüdischen Diplomaten Angelo Donati zu geben, der sie adoptierte und so retten konnte.

An diese Nazi-Opfer erinnern die weiteren Stolpersteine

Weitere Stolpersteine erinnern vor dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium an Helmut Friedmann (konnte nach Palästina fliehen) und Wilhelm Kweksilber (überlebte in einem Versteck in Holland). Schnurgasse 2: Karl Hager (im KZ Sachsenhausen ermordet). Bonner Str. 26: Jacob Maas (in Theresienstadt ermordet) und sein Sohn Jacob (nach einer Hetzjagd an Herzschlag gestorben), Tod durch Herzschlag).

Lotharstr. 14: Auguste Fuchs (in Auschwitz ermordet). Maarweg 27: Robert R., Johanna und Wolf Michael Gidion (Flucht nach Palästina). Geisselstr. 37: Mayer Friedrich und Gertrud Israel Mayer (ermordet in Litzmannstadt). Neumarkt 41: Gottlieb und Ilse Marum (Flucht in die USA). Gymnasium Kreuzgasse: Albert Cohen, Kurt Bernhard Francken, Ernst Benjamin Hoffmann, Paul Schay (alle in Riga ermordet).

Herwarthstr. 3: Josef Heiser (gedemütigt und entrechtet, starb 1939), Liselotte Nienaber (überlebte in einem Versteck). Bismarckstr. 5: Alfred, Agnes und Susanne Rodeno (Flucht in die USA), Magnusstr. 4: Robert und Frieda Geisenheimer (ermordet in Litzmannstadt und Kulmhof), Hilde Geisenheimer (in Theresienstadt befreit) Erna Esser (ermordet in Kulmhof).

Antwerpener Str. 32: Olga Fanny (ermordet in Litzmannstadt), Carl und Johanna Rosenwald (in Riga ermordet) , Liesel Rosenwald (ermordet in Stutthof), Fritz Rosenwald (Flucht in die USA). Moltestr. 123: Hugo Hirsch und Hedwig Süßkind (ermordet in Kulmhof). Richard-Wagner-Str. 49: Alfred und Meta Eichengrün (ermordet in Litzmannstadt), Betty und Sibylla Eichengrün (ermordet in Kulmhof).

Lochnerstr. 11: Lejzor Lippa Proter (Flucht nach Belgien, 1944 gestorben), Rosa Proter (ermordet in Auschwitz), Jakob, Benno Hermann, Joseph und Selma Proter (Flucht nach Palästina). Kaiserswerther Str. 1: Wilhelm Rosendahl (ermordet in Kulmhof).

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