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Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt zwei neue Stoplersteine vor dem Haupteingang des Gymnasiums Kreuzgasse unter Beteiligung von vielen Schülern, Lehrern, Bezirksbürgermeister Hupke und Kölns Schuldezernentin Agnes Klein.

Gymnasium Kreuzgasse: Zwei Stolpersteine für Richard Rosendahl und Gottfried Ballin

Köln | Sie waren Schüler des Gymnasium Kreuzgasse von 1923 bis 1933: Richard Rosendahl und Gottfried Ballin. Beide bestanden im Jahr 1933 ihr Abitur. Danach durften sie allerdings in Deutschland nicht mehr studieren. Die Schule schreibt: Die Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Kreuzgasse möchten mit diesem Stolperstein an ihre ehemaligen Mitschüler und deren Schicksal erinnern.“ Insgesamt verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig in den nächsten beiden Tagen 65 neue Stolpersteine in Köln.
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Fotostrecke: Gunter Demnig verlegt zwei Stolpersteine für Richard Rosendahl und Gottfried Ballin >
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Bezirksbürgermeister Hupke betonte die Wichtigkeit eines solchen Moments des Gedenkens. Ein Moment wider des Vergessens an mutige junge Menschen, die unter bösen, üblen und brachialen Bedingungen für Menschlichkeit eingestanden und gegen Ungerechtigkeit gekämpft haben und dabei mit dem Leben, Gefängnis und Folter eines Unrechtregimes bezahlt haben. Das dürfe sich nicht wiederholen. Das Gedenken daran, wie es heute am Gymnasium Kreuzgasse passiere, sei die beste Garantie, dass sich Ähnliches nicht wiederhole. Hupke erzählte auch sein eigenes Schlüsselerlebnis das ihn tief geprägt habe, sein Besuch als junger Mann und Soldat der Bundeswehr in Bergen Belsen. Fünf Schülerinnen erzählten die Lebensgeschichte der zwei ehemaligen Kreuzgassen-Abiturienten und lasen eine Brief der Tochter von Richard Rosendahl vor. Hedwig Hermann, geborene Rosendahl, bedankte sich darin für die würdige Aufarbeitung des Schicksals ihres Vaters durch die Schüler des Gymnasium Kreuzgasse und dass sie sich so intensiv mit dem Schicksal politisch und rassistisch Verfolgter auseinandergesetzt hätten.

Weiter heißt es in einem Text des Gymnasiums: „Gottfried und Richard bestanden im Jahre 1933 ihr Abitur am Gymnasium Kreuzgasse. Da sie beide aus jüdischen Familien kamen, durften sie in NSDeutschland nicht mehr studieren. Beide begannen eine Lehre, in ihrer Freizeit betätigten sie sich politisch in einer geheimen Widerstandsgruppe, der SAP. Die SAP hatte erkannt, dass die aggressive NS-Politik zum Krieg führen würde und versuchte, mit Flugschriften aufklärerisch zu wirken. Die Gruppe wurde verraten und Richard und Gottfried wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die 1933 getroffene Feststellung „Hitler bedeutet Krieg“ war im NS-Regime ausreichend, um wegen Hochverrat angeklagt und verurteilt zu werden. Der dann 1939 beginnende Krieg verhinderte die Freilassung, beide blieben bis 1943 in Haft, wurden dann in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Gottfried versuchte noch 1943 einen Ausbruchsversuch, bei dem er ums Leben kam. Richard überlebte Auschwitz.“

Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, dem alternativen Ehrenbürger der Stadt. Sie sind Mahnmale, die an konkrete Opfer des Nationalsozialismus erinnern, die ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Freitod getrieben wurden.

65 neue Stolpersteine für Köln

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt am 31. März und 1. April 2014 etwa 65 Stolpersteine in Köln. Sechs davon (an unterschiedlichen Orten) stifteten Schulen oder Schulklassen, die sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema der Verfolgung während der NS-Zeit auseinandergesetzt hatten. Andere erinnern an jüdische Bewohner des Hauses Boisseréestraße 3, die während der NS-Zeit ermordet oder vertrieben wurden.

Fast 30 Jahre lang lebte die Familie Simchowitz in dem Gebäude. Dr. Sascha Simchowitz, geboren 1865, absolvierte ein medizinisches Studium, schlug aber bald eine Laufbahn als Literat ein und machte sich als Kenner des zeitgenössischen kulturellen und kulturpolitischen Geschehens einen Namen. Vor allem galt er als Experte für russische und russisch-jüdische Literatur. 1904 erhielt Dr. Simchowitz zunächst einen Lehrauftrag für Literaturwissenschaft an der Kölner Handelshochschule. 1920 übernahm er an der Kölner Universität den neuen Bereich der Theaterkunde. Er wurde damit zu einem der Begründer der Theaterwissenschaft in Deutschland.

Parallel zum Beginn seiner Lehrtätigkeit beriefen die städtischen Bühnen Dr. Simchowitz 1903 zum Dramaturgen. In dieser Funktion war er 27 Jahre lang maßgeblich an der Gestaltung des Spielplans für das Kölner Schauspielhaus beteiligt. 1930 starb Dr. Sascha Simchowitz, heute ist er fast vergessen.

Nach dem Tod ihres Mannes wohnten Betty Simchowitz, 1865 geborene Theodor, und der Sohn Hermann zunächst weiter in der Boisseréestraße. Hermann Simchowitz, hatte wie sein Vater Medizin studiert und eine Facharztausbildung als Internist und Röntgenologe absolviert. Anfang der 1930er Jahre arbeitete er als Assistenzarzt am Städtischen Bürgerhospital. Als die NS-Behörden ihn 1933 aus dem Dienst entließen, eröffnete er in der Wohnung in der Boisseréestraße eine internistische Praxis. Vermutlich emigrierte Dr. Hermann Simchowitz um 1937 in die USA. Betty Simchowitz war es nicht möglich auszuwandern. Sie wurde um 1939 gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen und in das Ghettohaus St.-Apern-Straße 29-31 einzuziehen. Von dort deportierte man sie im Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 20. November 1942 ermordet wurde. Den Stolperstein für Hermann Simchowitz hat Rolly Brings, heutiger Bewohner des Hauses, gestiftet.

Auch Bernhard Friedemann und Melinka Nelli Friedemann, geborene Jakob, wohnten Ende der 1920er Jahre mit der Tochter Ursula in der Boisseréestraße 3. Bernhard Friedemann war Kaufmann. Ab 1930 zog die Familie mehrfach innerhalb Kölns um. 1942 musste sie in das Ghettohaus Beethovenstraße 16 einziehen, im März 1942 wurde sie in das Sammellager für Juden in Köln-Müngersdorf eingewiesen. Am 20. Juli desselben Jahres deportierten die Nationalsozialisten die Familie von Köln nach Minsk, wo man sie unmittelbar nach der Ankunft ermordete.

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