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v.l.n.r.: Petra Rinnenburger, Felix Wächter und Markus Greitemann stellten am heutigen Freitag das Fassadenkonzept am Historischen Archiv vor. Bild: Stadt Köln

Historisches Archiv bekommt „Brise soleil“

Köln | Am heutigen Freitag haben die Verantwortlichen für den Neubau des Historischen Archivs Details zur zukünftigen Fassade des Gebäudes erläutert. Die „Brise soleil“ soll die Räumlichkeiten im Inneren vor allzu viel Lichteinfall und zu hohen Temperaturen schützen.

Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Hitzewelle ist es von überragender Bedeutung, dass bei Neubauten wie dem Historischen Archiv die starke Sonneneinstrahlung nicht dazu führt, dass zugleich auch die Kosten für Klima und Kühlung in die Höhe schießen. Die Lösung ist eine aus vielen Lamellen bestehende „Brise soleil“, die zugleich auch Schatten an Sonnentagen spendet. Die Lamellen sind dabei vor der äußeren Fassade des Gebäudes angebracht. Sommer wie Winter sorgen sie somit für einen optimalen Lichteinfall, wie Architekt Prof. Felix Waechter beim heutigen Pressetermin erläuterte.

Die tiefen, außenseitig vor die Fassaden gehängten Lamellen rund um den Mantelbau haben aber nicht nur eine technische Funktion, sondern sind im Entwurf des Architekturbüros „Waechter + Waechter Architekten" ein wesentliches Gestaltungsmerkmal des Hauses. Die Lamellen erzeugen ein ständig wechselndes Licht- und Schattenspiel auf der Fassade und symbolisieren zugleich Offenheit und Transparenz.

Die gesamte Gebäudehülle soll durch die changierende Farbigkeit der Baubronze „eine lebendige und mit schöner Patina alternde Anmutung" erzielen, betonte Waechter. Die Fassade erscheint, je nach Blickwinkel, offen und geschlossen zugleich. „Sie verkörpert so nach außen den Anspruch und das Selbstverständnis des Stadtarchivs als Speicher und Schatzhaus der Geschichte sowie zugleich als einladender, anziehender Mittelpunkt der Geschichtsvermittlung und des -austauschs."

Das Klimakonzept

Je mehr ein Gebäude vor Sonneneinstrahlung geschützt ist, desto weniger Energie muss aufgewendet werden, die Räume herunter zu kühlen. Je mehr Licht im Winter einfällt, desto weniger muss Kunstlicht zugeschaltet werden. Durch die weitgehend natürliche Verschattung trägt die Fassadenkonstruktion wesentlich zur Erfüllung der hohen energetischen und konservatorischen Anforderungen bei. Direkte Sonneneinstrahlung in den Werkstatt- und Büroräumen wird hingegen im Sommer weitgehend verhindert.

In den Wintermonaten sieht das anders aus. Dann fällt wegen der tiefer stehenden Sonne das dann gewünschte Tageslicht ins Haus. An den nach Süden und Westen ausgerichteten Fassaden sind darüber hinaus außenliegende, senkrechtgeführte Textilrollos (Screens) vorgesehen, deren Führungsschienen in die Lamellen integriert werden. Die geplante Fassadenkonstruktion ermöglicht es somit, die hohen Anforderungen an das Raumklima einzuhalten und den haustechnischen Aufwand zu reduzieren. Sie ist damit im besten Sinn nachhaltig und wirtschaftlich. Damit dient die „Brise soleil" auch dem Energiesparen.

Das Klimakonzept wird zwei Anforderungen gerecht: den „geschlossenen", tresor-ähnlichen Archivbereichen zur Aufbewahrung beschädigter Archivalien, Fotografien und Büchern einerseits sowie den „offenen" Flächen wie Ausstellungs- und Vortragsräumlichkeiten, Büros, Labor-, Werkstatt- und Leseräumen andererseits. Zum Konzept gehören neben einer raumlufttechnischen Klimaanlage (RLT), die die neun Klimazonen im Gebäude für die unterschiedlichen sensiblen Archivalien und Fotografien sicherstellt, auch eine Wärmepumpenanlage, eine Photovoltaikanlage sowie eine neu gebaute Brunnenanlage und ein Eisspeicher auf dem Grundstück des Neubaus.

Archivneubau – ein Gebäude mit Superlativen

Die Fassade des dreigeschossigen Mantelbaus setzt sich aus rund 1.030 einzelnen Fensterelementen zusammen. Diese haben jeweils eine Breite von 90 Zentimetern und eine Höhe von etwa 3,40 Metern (Obergeschosse) bis 3,80 Metern (Erdgeschoss). Alle Lamellen zusammen haben eine Länge von etwa 4.500 Metern. Zum Vergleich: Die Hohenzollernbrücke hat eine Länge von rund 410 Metern.

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Die Bauarbeiten für den Neubau sind schon weit vorangeschritten. Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln/Michael Albers

Die Fassade des dreigeschossigen Mantelbaus (nur diese verfügt über die „Brise soleil" genannten feststehenden Sonnschutzlamellen) hat eine Fläche von rund 2.400 Quadratmetern. Hinzu kommen rund 1.500 Quadratmeter Glasfassade der Höfe und ungefähr 2.100 Quadratmeter geschlossene Metallfassade des Magazinbaus. Insgesamt verfügt das Gebäude damit über eine Fassadenfläche von etwa 6.000 Quadratmetern.

Der Archivneubau ist 126 Meter lang und 45 Meter breit. Der Mantelbau hat eine Höhe von rund elf Metern, der zentrale Magazinbau, das sogenannte „Schatzhaus", etwa 20 Meter. Die Grundfläche von 4.470 Quadratmetern ist ungefähr halb so groß wie die des Kölner Doms.

Der Neubau wird Europas modernstes kommunales Archiv

Am Eifelwall errichtet die Stadt Köln Europas modernstes kommunales Archiv, in dem das Historische Archiv der Stadt Köln und das Rheinische Bildarchiv ihren neuen Platz finden. Bauherrin ist die städtische Gebäudewirtschaft. Gebaut wird nach den Plänen des Architekturbüros „Waechter + Waechter Architekten" aus Darmstadt eine dreigeschossige Mantelbebauung, in dessen Mitte sich das so genannte Schatzhaus erhebt, das mit seinen Magazinen die Archivalien und Fotografien schützt.

Auf einer Gesamtfläche von etwa 22.580 Quadratmetern stehen rund 58 Regalkilometer und 460 Planschränke für das Archivgut zur Verfügung. Das Rheinische Bildarchiv bekommt weitere 2,2 Regalkilometer Lagerfläche. Es bietet gleichzeitig rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Platz. Im Lesesaal stehen 45 Plätze für die Arbeit mit Archivgut zur Verfügung. Der Neubau Historisches Archiv und Rheinisches Bildarchiv ist mit Gesamtkosten in Höhe von 75,9 Millionen Euro (zuzüglich 10 Prozent Risikoreserve) veranschlagt. Die funktionsfähige Übergabe an die Nutzer ist für 2020 geplant.

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