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Gastgeber Abraham Lehrer (r.), NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (3.v.l.) und Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprachen in der großen jüdischen Synagoge. Damit soll eine neue Tradition begründet werden.

Hoher Besuch an der Roonstraße

Köln | Am gestrigen Mittwoch fand in der Jüdischen Synagoge an der Roonstraße der erste Jahresempfang an. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und viele weitere hochkarätige Gäste kamen.

Die Organisatoren der Synagogen-Gemeinde richteten sich bei der Terminfindung nach dem Pessach-Fest, das traditionell im Frühling stattfindet. Damit begehen Anhänger der Weltreligion den Auszug aus Ägypten, es begann in diesem Jahr am 31. März und endet nach einer Woche am 7. April. Mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprachen zugleich zwei hochrangige weltliche Vertreter im großen Betsaal der Synagoge, um so die Verbundenheit zwischen Christen und Juden zum Ausdruck zu bringen.

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie hochkarätige Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Köln und der Kölner Stadtgesellschaft waren zugegen. Neben Reker und Laschet waren unter anderem der NRW-Minister für Justiz, Peter Bliesenbach, sowie das Präsidium des NRW-Landtags, namentlich André Kuper als Präsident und Carina Gödecke als Vizepräsidentin, dabei. Auch der Kölner Notar und Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins, Konrad Adenauer, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kölner IHK, Dr. Ulrich Soénius sowie die beiden Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld und Innenstadt, Josef Wirges und Andreas Hupke fanden sich neben Vertreterinnen und Vertretern aller demokratischen Parteien zu diesem Treffen ein. Ahmet Dilek, stellvertretender Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union Ditib, vertrat die dritte der großen monotheistischen Weltreligionen.

Jüdisches Leben gehört zur Heimat

„Das Judentum hat seinen festen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft und den werden wir verteidigen. Wir werden jede Form von Antisemitismus bekämpfen – im Netz, in den Schulen, überall“, betonte der CDU-Politiker und Landesvater in seiner Rede. Er erinnerte an den ersten Besuch eines Papstes in der Synagoge im Jahr 2005, es war Papst Benedikt XIV anlässlich des Weltjugendtages und Laschet war damals Minister unter anderem für Integration. „Das jüdische Leben gehört zur Heimat, Juden aber wurde lange Zeit das Recht auf Heimat verwehrt. Juden aber sind Teil unserer Gesellschaft“, so Laschet weiter.

Anlässlich der jüngsten Vorfälle von Antisemitismus, die sich nicht selten hinter dem Deckmantel vermeintlicher Israel-Kritik verbergen, kündigte der CDU-Politiker weitere Schritte an. „Wir werden die Schulgemeinden dabei unterstützen, jeglicher Form von Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten. Ein entsprechendes Rundschreiben der Schulministerin wird zeitnah an die Schulen versandt. Zudem wird das Thema andauernder Tagesordnungspunkt bei den regelmäßigen Dienstbesprechungen mit den Schulleiterinnen und Schulleitern sein“, so der Ministerpräsident.

Köln blickt auf lange Geschichte jüdischen Lebens zurück

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Im ersten Stock erinnern Mahnwände an die dunklsten Jahre christlich-jüdischen Zusammenlebens.

Kölns erste Bürgerin machte auf die Fortschritte bei den Bauvorbereitungen für das Jüdische Museum auf dem Rathausvorplatz aufmerksam. Zugleich kündigte sie an, dass nach derzeitiger Planung am 28. Juni dieses Jahres der Grundstein für das Haus der Jüdischen Kultur gelegt werde. In drei Jahren feiert die Stadt zudem das 1700-jährige Bestehen jüdischen Lebens in Köln. Dafür habe sich eigens ein Verein gegründet, der die Feierlichkeiten zu diesem Anlass vorbereiten soll. Applaus brandete auf, als Reker die Forderung unterstützte, so genannte „Russlanddeutsche“ (die meisten von ihnen jüdischen Glaubens) im Rentenrecht gleichzustellen. Auch sonst habe Köln eine wichtige Rolle gespielt, so waren es Mitglieder der Kölner Gemeinde, die Ende des 19. Jahrhunderts wichtige Impulse in der Zionismus-Bewegung eingebracht haben. Unter anderem stamme der blaue Davidstern, das Symbol der heutigen Nationalflagge von Israel, von einem Kölner.

Selbstkritisch und nachdenklich ging Reker auch auf die jüngere Geschichte und den Völkermord an den Juden während des Dritten Reiches ein. „Köln war kein besonderer Hort des Widerstandes. Die Shoa hat den Gesprächsfaden zerrissen. Nur wenn wir die gesellschaftlichen Mechanismen ihrer Entstehung verstehen, können wir verhindern, dass es sich wiederholt“, gab sie den Anwesenden zu bedenken.

Forderung nach einem Antisemitismus-Beauftragten

Für den Gastgeber, Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Mitglied des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Köln, soll die gestrige Zusammenkunft der Beginn einer neuen Tradition werden. Er kritisierte die schleichende Enttabuisierung und die immer offener zu Tage tretenden Feindsseligkeiten und Diskriminierungen gegenüber Angehörigen dieser Weltreligion. „Vor 15 Jahren taten sie es mit falschen Namen, seit rund sieben Jahren hat sich das verändert“, so Lehrer. Er forderte einen Antisemitismusbeauftragten für NRW, wie es in seit kurzem auch auf Bundesebene sowie in einigen Bundesländern gebe.

Allerdings bemängelte Lehrer auch, dass sich deutlich mehr als die rund 20 Prozent potentiell antisemitischer Menschen in Deutschland dem gestiegenen Antisemitismus nicht in den Weg stellen. So erinnerte Lehrer an die Nominierung eines bekennenden „Israel-Kritikers“ für den Musikpreis Echo oder die so genannte „BDS-Bewegung“ (Boykott, Divestment and Sanctions). Einer der Protagonisten dieser Bewegung, der Musiker Roger Waters, macht seit einigen Jahren Front gegen Israel. „Und er ist kein Antisemit?, so die kritische Nachfrage Lehrers.

In Umfragen gaben zuletzt eine Mehrheit der jüdischen Mitbürger an, bestimmte Stadtbezirke zu meiden (60 Prozent) oder auf das Tragen jüdischer Symbole wie der Kipa zu verzichten (rund 70 Prozent); aus Angst, dafür angefeindet oder gar physisch angegriffen zu werden. Auf der anderen Seite scheint das Wissen um die Vergangenheit immer mehr zu verblassen. Fast die Hälfte (47 Prozent) der 14- bis 16-Jährigen wissen nichts mit dem Begriff „Auschwitz“ anzufangen. Hier könnte eine aktivere Erinnerungskultur, beispielsweise ein KZ-Besuch als verpflichtende Schulveranstaltung, sinnvoll sein. „Wir müssen uns der Vergangenheit bewusst sein, Unwissen soll die Ausnahme bleiben“, so Lehrer abschließend.

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