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Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes hob „Keine Kurzen für Kurze“ vor 20 Jahren aus der Taufe und wird auch in diesem Jahr wieder Ordnungskräfte bei ihren Kontrollgängen begleiten.

„Keine Kurzen für Kurze“: 20 Jahre Kampf gegen Alkohol

Köln | Es war vor 20 Jahren: Mit Sorge sah Elfi Scho-Antwerpes, wie ihre Kinder und deren Freunde an den Karnevalstagen Alkohol konsumierten. Sie beschloss zu handeln – und hob die Aktion „Keine Kurzen für Kurze“ aus der Taufe. Die ist bis heute so erfolgreich, dass sie auch von anderen Städten wie Münster oder Stuttgart kopiert wurde.

Zum Erfolg trug auch die enge Zusammenarbeit vieler Institutionen bei. Auch für die kommenden Karnevalstagen wurde wieder ein umfangreiches Programm aufgestellt. „Eingeleitet“ wird es mit Plakaten in 220 Citylight-Aushängen. Die KVB verbreitet den Slogan „Keine Kurzen für Kurze“ sogar ganzjährig in den Linien 1, 7 und 9.

Weiberfastnacht ist Großkampftag für Streetworker

Die meisten Probleme mit übermäßigem Alkoholgenuss gibt es erfahrungsgemäß an Weiberfastnacht. Zwischen 9 und 18 Uhr sind dann schichtweise 20 Streetworker der Stadt und der AWO in Kleingruppen unterwegs. Haupteinsatzgebiet: Altstadt und Zülpicher Straße. Auf dem Fischmarkt stehen wieder zwei „Streetwork-Pavillons“: Hier können Jugendliche und junge Erwachsene mit warmen Mahlzeiten und Getränken, mit Wasser und Süßigkeiten versorgt werden. Sogar Kondome werden ausgehändigt – Vorbeugung ist alles.

Im Rahmen von „Keine Kurzen für Kurze“ entstand auch „HaLt“ (Hart am Limit), getragen von der Fachstelle für Suchtprävention der Drogenhilfe Köln. In den Anfangsjahren ihres Einsatzes stellte Scho-Antwerpes fest, dass stark betrunkene Kinder und Jugendliche – aktuell ist Wodka angesagt – eher nach dem Zufallsprinzip in ein Krankenhaus gefahren wurden und dort zwischen Erwachsenen eher unangemessen behandelt wurden.

Viele Eltern wissen nichts vom Alkoholkonsum ihrer Kinder

Dank HaLT werden sie jetzt in drei Klinken – Kinderklinik Porz, Klinik Amsterdamer Straße und Uni-Klinik – gebracht, die Kinder- und Jugendabteilungen haben. Zum festen Programm gehört auch die sofortige Benachrichtigung der Eltern, die oft genug erst so von der Alkoholsucht ihrer Kinder erfahren. Außerdem wird für Gruppen ein „Risikocheck“ als Präventionsmaßnahme angeboten.

Während der gesamten Karnevalstage steht in jedem Stadtteil auch der „Gefährdungs-Meldungs-Sofort-Dienst“ (GSD) bereit, um in Krisensituationen die Kindeswohlgefährdungssituation abzuklären. Sorgen bereitet den Verantwortlichen erfahrungsgemäß der Veedelszug am Karnevalssonntag in Porz-Wahn. „Gewaltausbrüche nach Alkoholkonsum und Wildpinkeln“ seien hier an der Tagesordnung. Grund: Es gibt nicht genug städtische Ordnungskräfte und die Polizei ist überfordert.

Mindestens ein Kiosk wurde schon geschlossen

Zur Prävention gehört die Kontrolle von Kiosken und Supermärkten. Wer trotz Verbot hochprozentigen Alkohol an Kinder und Jugendliche verkauft, muss mit Ordnungsstrafen bis zu 3.000 Euro, im Wiederholungsfall mit Gewerbeverbot rechnen. Mindestens ein Kiosk wurde nach dreimaliger Abmahnung geschlossen, genauere Zahlen über Verstöße liegen nicht vor.

Nicht ganz einfach ist es, eine Erfolgsstatistik für die Karnevalstage vorzulegen. Der Alkoholkonsum ist zum einen vom Wetter abhängig, beim 11.11. – ein weiterer „heißer“ Tag – von dessen Lage, etwa an einem Wochenende. 2014 wurden 24 Jugendliche zwischen Weiberfastnacht und Karnevalsdienstag in eine Klinik eingeliefert, 2017 und 2018 jeweils 10. Streetworker hatten an Weiberfastnacht 2018 Kontakt zu 1.323 Jugendlichen, 1.042 Mal ging es um Alkohol. Zusätzlich wurden 2018 am Fischmarkt 50 Jugendliche versorgt. Ordnungskräfte führten über 900 Präventivgespräche. 235 Jugendliche mussten Alkohol abgeben, den sie aufgrund ihres Alters nicht besitzen durften, 178 Mal wurden Zigaretten vernichtet.

Erfolgsstatistik übers ganze Jahr bezogen

Etwas klarer sieht die Erfolgsstatistik über ein ganzes Jahr betrachtet aus. Danach sank die Zahl der Patienten im Alter von 10 bis 20 Jahren mit der Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol – akute Intoxikation“ in Köln von 208 im Jahr 2016 auf 169 im Jahr 2017 – ein Rückgang um 19 Prozent. Im Regierungsbezirk Köln blieb die Zahl in beiden Jahren mit 1.149 bzw. 1.150 konstant. In ganz Nordrhein-Westfalen sank sie im Vergleichszeitraum um 5 Prozent (5.191/4.924).

Insgesamt sind Jugendliche in Deutschland durchaus trinkfreudig. Nach dem „Alkoholsurvey 2016“ (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) hatten 65 Prozent der 12-bis 17-Jährigen schon einmal Alkohol getrunken, 11 Prozent mindestens einmal in der Woche. 14 Prozent gaben an, mindestens einen der letzten 30 Tage mit Rauschtrinken verbracht zu haben. Bei den 18- bis 25-Jährigen waren es sogar 38 Prozent, 31 Prozent trinken regelmäßig.

„Keine Kurzen für Kurze“ wird’s noch lange geben

Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin und Vorstandsmitglied im „Paritätischen Köln“, und die zuständige Noch-Jugenddezernentin Agnes Klein sind sich in der Beurteilung der Erfolgsgeschichte einig. Sie wissen aber auch: Karneval wird weiter Schwerpunkt sein, doch ist „Keine Kurzen für Kurze“ ganzjährig angelegt. Und wird es wohl noch viele Jahre geben. „Denn jede neue Generation von Jugendlichen muss ihre eigenen Erfahrungen mit Alkohol machen“. Daher sieht Scho-Antwerpes kein Ende für das Aufklärungs- und Hilfeangebot.

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