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Prof. Dr. Klaus Schneider: Ein selbstkritischer Blick zurück an seinem letzten Arbeitstag.

Klaus Schneider zieht Bilanz nach 18 Jahren an der Spitze des RJM

Köln | Prof. Dr. Klaus Schneider stand 18 Jahre lang an der Spitze des Rautenstrauch-Joest-Museums. Der 2011 fertiggestellte Museumsneubau auf dem ehemaligen „Kölner Loch“ ist dabei sowohl sein größter, persönlicher Triumph, wie auch seine schmerzlichste Niederlage. Im Interview mit Report-k.de-Redakteur Ralph Kruppa blickt er zurück auf ein bewegtes Berufsleben.

Tatsächlich strebte der junge Klaus Schneider zunächst einen völlig anderen Beruf an. Nach seinem Abitur schrieb er sich an der Kölner Sporthochschule ein, um hier die Ausbildung zum Sportlehrer zu absolvieren. 1976 nahm er tatsächlich eine Stelle als Sportlehrer an seiner ehemaligen Schule an. Doch 1977 reiste er für ein halbes Jahr mit einem kleinen Postbus durch Westafrika. Es sollte sein Leben verändern.

Denn fortan widmete sich Schneider der Forschung, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sporthochschule, dann gewann sein Interesse an der Ethnologie die Oberhand. Er absolvierte ein zweites Studium in Köln, promovierte in Frankfurt am Main und ging dann zu Forschungszwecken wieder nach Afrika. Dort erlebte er auch die deutsche Wiedervereinigung, dank Mittelwellenempfangs durch die Deutsche Welle zeitnah. „Damalige Mitarbeiter haben aus Styropor eine meterhohe Mauer gebaut, deren Fall wir dann mit allen europäischen Freunden symbolisch nachgespielt haben“, gerät der heute 64-Jährige noch immer ins Schwärmen. Schauplatz dieses „Mauerfalls“ war die zweitgrößte Stadt im heutigen Burkina Faso, Bobo-Dioulasso.

Zurück in Europa nahm Schneider zunächst eine Stelle in Hamburg an, bevor er 1996 an seine alte Wirkungsstätte, das Rautenstrauch-Joest-Museum, zurückkehrte. Hier hatte er schon 1980/81 an der damals wegweisenden Ausstellung „Rausch & Realität“ als Kurator mitgewirkt. Zusammen mit dem legendären „Doping-Papst“ Manfred Donike thematisierte er den Themenkomplex „Drogen und Sport“. Vier Jahre nach seiner Rückkehr, im Jahr 2000, folgte dann die Berufung zum Direktor des Museums.

Kulturzentrum am Neumarkt – Highlight und Tiefpunkt zugleich

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In den Jahren seiner Leitung führte Schneider 14 große Sonderausstellungen durch. Im Jahr 2005 folgte dann eine sechsjährige Bauphase für den neuen Gebäudekomplex an der Cäcilienstraße, früher bekannt als „Kölner Loch“. Die Realisierung des Neubaus war – trotz der schon damals auftretenden Schwierigkeiten und Verzögerungen – Schneiders „persönliches Highlight“. 2011 eingeweiht wurde das Völkerkundemuseum das am zweit häufigsten besuchte in der Domstadt. Dafür erhielt das Museums 2012 sogar den wichtigsten, europäischen Museumspreis, den des Europarats.

Doch der Neubau wurde zugleich auch zu einer Tragödie. Die aktuell wieder niedrigen Besucherzahlen sind Folge immer wiederkehrender Schließungen aufgrund von Mängeln, erst die Sprinkleranlage, zuletzt die Sicherheitstechnik. „Wir haben ein Desaster erlebt. Ich glaubte damals, ich könnte durch persönliches Engagement etwas bewirken, Prozesse beschleunigen, Aufklärungsarbeit leisten. Ich konnte überhaupt nichts bewirken. Das ist das einzige, das ich bedaure“, so das Resümee des scheidenden Direktors und zugleich ein Ratschlag an seine Nachfolgerin, sich zukünftig auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren.

Das RJM: Inhaltlich sehr gut aufgestellt

Auch im Ruhestand will Schneider sich nicht komplett zurückziehen. Falls dies gewünscht ist, werde er sich weiterhin im Umfeld des Museums engagieren. Seine Nachfolgerin, der gebürtigen Niederländerin Nanette Jacomijn Snoep, bringe sehr gute Konzepte mit nach Köln. Ein kompletter Strategiewechsel sei das aber nicht. Vieles von dem, was Snoep ab 2019 realisieren will, gebe es schon. Vor allem inhaltlich sei das Museum sehr gut aufgestellt, wie sie bei ihrer ersten Pressekonferenz an ihrem zukünftigen Arbeitsplatz ausdrücklich betonte (Report-k.de berichtete).

Und dass Museen wie das RJM auch schwierige Themen anspreche, zeige gerade die derzeit laufende Sonderausstellung „Fast Fashion“. Die nimmt das schreckliche Unglück in einer Kleiderfabrik in Bangladesh zum Anlass, die Schattenseiten der Modeindustrie zu thematisieren (Report-k.de berichtete). Trotz der fortwährenden Kritik an den geringen Besucherzahlen, in einem Punkt zeigen sich auch erfreuliche Tendenzen. „Wir haben für diese Ausstellung alleine 85 angemeldete Führungen für Schulklassen; so viel wie noch nie zuvor“, so Schneider abschließend.

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