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Nuray Amrhein mit dem Deckelbecher und zwei Inventarbüchern aus dem Makk.

Köln gehört zu den Pionieren bei der deutschen Provenienzforschung

Geraubter Kunst auf der Spur

Köln | Prächtig ist der aufwendig gestaltete Deckelbecher aus der Renaissancezeit, der zur Sammlung des Museums für angewandte Kunst gehört. Und er hat gerade während der NS-Zeit eine bewegte Geschichte erfahren. Er gehörte damals dem Kunsthändler Theodor Fischer und wurde mit einem Wert von 16.000 Reichsmark ausgewiesen. Er spielte eine Rolle bei einem Geschenk, das der hochrangige NS-Politiker Hermann Göring für sich eingefordert hatte. Es sollte ein Taufgeschenk für seine Tochter Ella sein.

Ausgewählt wurde dafür ein Cranach-Gemälde, das die Stadt Köln übergeben sollte. Allerdings gab es Probleme, den Kunsthändler dafür angemessen zu bezahlen und so erhielt dieser im Austausch einen Van Gogh, der aber teurer war als der Cranach und so kam der besagte Becher in den Besitz des Museums. In dessen Inventarbüchern sind insgesamt 400 Objekte verzeichnet, die zwischen 1933 und 1945 erworben worden sind.

In einem aktuellen Projekt sollen diese darauf überprüft werden, ob es sich um NS-Raubkunst handelt. Diese wurde von den Nationalsozialisten aus jüdischem Besitz entweder beschlagnahmt oder man nutzte die Not der jüdischen Familien aus, die ihre Flucht aus Nazideutschland finanzieren mussten. „Beim Becher bestand wegen des Kunsthändlers der Verdacht. Bislang konnten wir aber nur recherchieren, dass der Becher aus einer Schweizer Privatsammlung stammt“, berichtet Nuray Amrhein, Leiterin der Dokumentation am Makk. Was den Cranach betraf, kam das politisch motivierte Tauschgeschäft 1969 vor verschiedene Gerichte. Dort wurde festgestellt, dass die Schenkung erzwungen war und das Gemälde ging an das Wallraf.

Bei der Provenienzforschung geht es genau darum, herauszufinden, welche Kunst und Kulturgüter sich unrechtmäßig in den Sammlungen von Museen befinden. 1998, als 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, gab es dazu eine wegweisende Konferenz in Washington, an der 44 Nationen teilgenommen haben. Man erkannte damals die moralische Selbstverpflichtung bei der Suche nach NS-Raubkunst aktiv voranzuschreiten und gerechte und faire Lösungen mit den rechtmäßigen Besitzern und deren Nachfahren zu finden.

In Köln handelte man unter damaligen Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer schnell. Das galt für das Gemälde von Otto Müller „Zwei weibliche Halbakte“, das im alten Wallraf-Richartz-Museum zu sehen war. Es war Teil der Sammlung des Rechtsanwalts Ismar Littmann, der sich 1934 umbrachte, weil er den Druck der Nazis nicht weiter ertragen konnte. 1999 konnte es an Littmanns Tochter Ruth Haller zurückgegeben werden. Es war eine der ersten Rückgaben in der Bundesrepublik. Allerdings einigte man sich darauf, dass die Stadt das Kunstwerk von der Besitzerin zurückkauft, sodass es sich jetzt in der Sammlung des Ludwig befindet. Bis heute konnten insgesamt 23 Kunstwerke an die rechtmäßigen, jüdischen Besitzer zurückgegeben werden. Etwa die Hälfte davon wurde von der Stadt wieder neu erworben.

Schon früh gab es in Köln ein Projekt für Provenienzforschung, das seinen Platz am Wallraf fand. Dort wurden insgesamt 270 Ankäufe überprüft. Später wurde der Arbeitskreis Provenienzforschung gegründet und in Köln gab es dazu die erste deutsche Fachtagung. Seit 2007 gibt es beim Kulturdezernat eine Referentenstelle für Provenienzforschung, die gerade um eine weitere Stelle aufgestockt worden ist. Es sind die Arbeitsplätze der Kunsthistorikerin Britta Olényi von Husen und des Historikers Marcus Leifeld. Von hier aus wird eine enge Zusammenarbeit mit allen städtischen Museen in Köln gepflegt.

Dabei gibt es verschiedene Vorgehensweise. Dazu gehört die Aufnahme der Forschungsarbeit, wenn Nachfahren bei bestimmten Objekten einen Verdacht auf Raubkunst hegen. Dann muss die Herkunft intensiv überprüft werden, was zum Beispiel anhand der Inventarbücher geschieht. Daraus entsteht ein Forschungsbericht, der auch das Schicksal der beraubten Familie enthält. Daraus resultiert eine Empfehlung an den Rat, der über eine Rückgabe entscheidet.

Ebenso wichtig ist die systematische Überprüfung von gesamten Sammlungsbeständen, bei denen die Möglichkeit besteht, dass sich Raubkunst darunter befinden könnten. Finanzielle Unterstützung kommt für die sehr aufwendige Forschungsarbeit vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Gründe für einen Verdacht sind zum Beispiel Kunsthändler, von denen bekannt ist, dass sie in der NS-Zeit mit Raubkunst gehandelt haben. Überprüft wurden bei verschiedenen Projekten bis jetzt die Sammlung Josef Haubrich, das grafische Kabinett im Wallraf und die grafischen Bestände im Ludwig. Jetzt folgt das Makk als neues Projekt der Kölner Forscher. Bislang wurden so mehr als 4000 Objekte untersucht.

Ein weiteres Themenfeld sind Sammlungsobjekte wie beim Rautenstrauch-Joest-Museum, die einen kolonialen Kontext haben und die sich unrechtmäßig in der Sammlung befinden. Hier gibt es das Problem, dass anders wie bei der NS-Raubkunst noch klare Richtlinien und Handlungsanweisungen fehlen. So müssen nun internationale Richtlinien auch in Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern gefunden werden. Denn die Objekte stammen aus allen Teilen der Welt.

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