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Rund 10.000 Menschen folgten am gestrigen Sonntag dem Aufruf von mehr als 100 Initiativen. Köln zeigte Haltung.

„Köln zeigt Haltung“ 10.000 machen mit

Köln | Unter dem Motto „Köln zeigt Haltung“ hatte ein breites Bündnis am Sonntag zum Protest gegen Fremdenhass und zur Solidarität mit den Flüchtlingen aufgerufen. Und Kölner machte mit: 7.000 Menschen drängten sich zunächst auf dem Roncalliplatz, 10.000 waren es dann auf dem Heumarkt. Und das alles in – so die Polizei – in „friedlich-entspannter“ Atmosphäre.

„Solidarität statt Hetze“ – so eröffnete Wolfgang Uelleberg-van Dawen vom „Runden Tisch für Integration“ die Kundgebung auf dem Roncalliplatz. Und fuhr fort: „Unsere Hände wollen helfen und nicht abschieden.“ 120 Initiativen, Vereine, Gewerkschaften und Parteien hatten zu Kundgebungen und Demonstration aufgerufen. Entsprechend bunt waren die Fahnen, Transparente und Parolen. Sogar ein pinkfarbener Ballon-Flamingo fühlte sich zwischen Jung und Alt wohl wohl.

Kirchenvertreter mahnen: Hört den Nöten der Menschen zu

Die Aussage „Unser Kreuz hat keine Haken“ vereinte Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses, und Rolf Domnig vom Evangelischen Stadtkirchenverband. „Nächstenliebe kennt keine Grenzen, weder zwischen Staaten, Hautfarbe oder Religionen. Nächstenliebe hat nichts mit Gutmenschentum zu tun.“ Sie mahnten zuzuhören, wenn Menschen über ihre Nöte sprächen: „Wenn wir es nicht tun, tun das andere.“.

Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrates, forderte schließlich eine Politik der sozialen Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Armut. Nur so könne „Rechtsextremismus, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit wirklich bekämpft“ werden. Marianne Arndt von der „AG Bleiben“ warb für einen Abschiebestopp für Flüchtlinge, die sich integriert und durch eine Arbeitsstelle für ihr Leben sorgen könnten.

Vom Roncalliplatz ging es friedlich zum Heumarkt

Nach der Kundgebung auf dem Roncalliplatz zogen die Menschen friedlich zum Heumarkt, wo viele andere schon auf die „Abschluss“-Kundgebung warteten. Kasalla, Max Mutzke und die Beer Bitches mit Carolin Kebekus heizten die Stimmung an. Bei „Sag Dir keiner, wie blöd Du bist“ und „Schrei nach Liebe“ wurde engagiert mitgesungen.

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Oberbürgermeisterin Henriette Reker eröffnete den politischen Teil. „Ein großartiges Signal für Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt“ bedankte sie sich bei den Demonstranten. „Köln ist ohne Migration nicht denkbar, sie gehört zu dieser Stadt wie der Rhein“, sagte sie. Sie sei eine Chance und „keinesfalls die Mutter aller Probleme“.

Caritas-Vertreterin fordert Abschiebestopp nach Afghanistan

Die folgenden Redner verwiesen auf die Probleme einzelner Flüchtlingsgruppen. So wünschte sich Shewa Sium von der Frauen-Beratungsstelle Agisra (Arbeitsgemeinschaft gegen internationale sexuelle und rassistische Ausbeutung) einen besseren Schutz von Frauen und Kindern in Sammelunterkünften vor sexuellen Übergriffen. Susanne Rabe-Rahman (Caritas) forderte mit dem Hinweis auf die unsichere Lage in Afghanistan einen sofortigen Abschiebestopp dorthin. Simone Treis vom Rom e.V. verwies auf die Alltagsdiskriminierung, die Roma und Sinti in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien immer noch ausgesetzt sind: „Sie werden ins Elend abgeschoben“, klagte sie die aktuelle Politik an.

Immer wieder von Tränen unterbrochen und vom Beifall der Zuhörer aufgemuntert reportierte Maura Rafelt von der Initiative „Seebrücke“ über die Situation auf dem Mittelmeer, wo bis heute so viele Flüchtlinge ertrunken seien, wie es vergleichsweise die Zahl der Passagiere von fünf großen Kreuzfahrtschiffen entspreche. Die Dunkelziffer aber sei noch größer. Sie dankte OB Reker für deren Offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, in dem sie sich mit ihren Amtskollegen aus Bonn und Düsseldorf für die Fortsetzung der Seenot-Rettungsaktionen im Mittelmeer einsetzt.

Nicht alle Demonstranten hielten bis zum Schluss durch

Fortgesetzt wurde die Kundgebung auf dem Heumarkt, der sich in der Zwischenzeit merklich geleert hatte mit Beiträgen der Kabarettisten Sebastian 23, Philipp Simon, Jilet „Wallah“ Ayse und Wilfried Schmickler. Letzterer machte unter anderem Vorschläge zur „Verfreundlichung der Welt“. Und bevor dann alle Organisatoren und Organisatorinnen auf der Bühne mit Walter Hildebrandt „Imagine“ von John Lennon sangen, warnte Südstadt-Pfarrer Hans Mörter in seinem Schlusswort vor einer Wiederkehr Weimarer Verhältnisse. Auch 1928 habe es mit Hass, Angst, Schuldzuweisungen und Kämpfen auf der Straße angefangen. Heute, 90 Jahre später, aber sei es anders, machte er Hoffnung: Man stehe zusammen und zeige Haltung.

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