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Mit einem Trichter auf dem Breslauer Platz kontrollierte die Kölner Polizei Ausländer am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht

Kommentar: Silvesternacht 2016 in Köln – Was wir lernen könnten...

Köln | Die Silvesternacht 2016 in Köln ist wieder Diskussionsgegenstand. Die einen lobhudeln der Kölner Polizei, die anderen verdammen die Kölner Polizei und rufen „Racial Profiling“ und die in der Mitte sagen „Wie man es macht, ist es falsch“. Gar nicht geführt wird die Debatte und die Diskussion was wir aus 2015 und 2016 lernen können, sondern versinkt in schrillen Tönen. Ein Kommentar von Andi Goral aus der Redaktion von report-K.de

Die Kölner Polizei sagt selbst, „Nafri“, der interne Ausdruck für Nordafrikaner, auf einer öffentlichen Plattform wie Twitter genutzt, war ein Fehler, also Thema abgehakt. Der Vorwurf des „Racial Profiling“ steht weiter im Raum, wird auch von Amnesty International vorgebracht. Die Polizei hält dagegen und spricht von engen Grenzen, die man gesetzt habe, ihrer Aufgabe Straftaten zu verhindern und, dass sie nur potentielle Straftäter angesprochen habe. Einer differenzierten Betrachtung halten die Argumente und Vorwürfe beider Seiten nicht stand, aber an beiden ist auch ein Fünkchen Wahrheit. Die Polizei und das dürfte vollkommen unstrittig sein, wollte enge Grenzen setzen, nachdem man festgestellt hatte, dass auch in diesem Jahr wieder auffallend viele junge Männer mit Migrationshintergrund nach Köln gekommen sind. Davon war – zugegebenermaßen – nicht nur die Polizei überrascht, vor allem vor dem Hintergrund der medialen deutschen Vorberichterstattung und von der Polizei angekündigten harten Linie.

Dabei – analysiert man heute mit klarem Menschenverstand - ist dies überhaupt nicht überraschend, stellt man die Frage, welche Informationen es denn für die, als von der Polizei kritisch bezeichnete Klientel, im Vorfeld gegeben hat? Oder glauben wir, dass diese die klassischen deutschen Medien rezipiert? Anders als bei lange integrierten Migrantengruppen gibt es keine Medien speziell für diese Zielgruppe, die sie über Themen aus ihrer neuen Wahlheimat informiert. Ein Spartenangebot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erreicht keinen 20-Jährigen aus den Maghreb-Staaten, Afrika, Pakistan oder Afghanistan, um nur einige Länder zu nennen. Wir sollten uns also mit dem Thema intensiv beschäftigen, wie wir miteinander kommunizieren: Die, die hier sind und die, die neu hinzugekommen sind und wie uns unsere gegenseitigen Botschaften überhaupt erreichen. Und das ist keine Sozialromantik, sondern ein Grundsatz menschlichen Zusammenlebens.

Warum treffen sich Migranten an Bahnhöfen? Sie sind als Orte leicht zu finden und allgemein bekannt. Heute werden sie in der Debatte um die ersten Gastarbeiter in diesem Kontext „Sehnsuchtsorte der Migration“ genannt. Früher, wer in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts groß geworden ist, kennt Sätze wie: „Da gammeln nur Südländer rum“, galten sie dem deutschen Bürger als schmuddelig und Treffpunkt der unbeliebten Gastarbeiter. Haben wir erwartet, dass die jungen Männer in ihren Asylunterkünften bleiben und dann dort Kamillentee zu Silvester aus Plastikbechern trinken? Vor allem, weil wir sie, die Flüchtlinge, gerade in Köln gab es ja auch eine Drehscheibe, über das gesamte Land NRW verteilt haben. Also treffen sie sich an Silvester in den Metropolen und dort zunächst an und in den Hauptbahnhöfen. Wo denn bitte sonst? Im Kuhweg in Flittard?

Die Kölner Polizei hat am Hauptbahnhof Trichter gebildet, um, und hier ist auch am Begriff „Racial Profiling“ ein Fünkchen Wahrheit, die von ihr im Vorfeld festgelegte „Klientel“, wie Mathies es nennt zu kontrollieren und zu entzerren. Aggressiv waren sie – zumindest am Breslauer Platz nicht. Vielleicht geht das auch organisatorisch nicht anders, Polizeiarbeit bei diesen Menschenmassen, so ablaufen lassen zu müssen. Aber und hier steht besonders die Frage im Raum, was können wir lernen, was passiert in einer solchen Phase.

Die Polizei hatte an diesem Abend zwar 1.700 Vollzugsbeamte, aber nur vier Kulturmittler, also Dolmetscher, im Einsatz. Die jungen Männer standen an, zeigten ihre Ausweisdokumente vor und konnten dann den Platz wieder verlassen und feiern gehen. Vielleicht wäre der Begriff „Schikane“ besser als „Racial Profiling“, denn darum ging es schon auch. Wie gesagt, das Fünkchen Wahrheit. Dabei steht hier die Frage im Raum, warum hat man diese operative Phase nicht genutzt, um eine vernünftige Ansprache an die jungen Männer zu halten? Warum gab es nicht viel mehr Kultur- und Sprachmittler, zumindest am Breslauer Platz, Streetworker, die den jungen Männern im persönlichen Dialog klar machen, was in dieser Gesellschaft erlaubt ist und was nicht? Warum es diese Kontrollen gibt und was 2015 vorgefallen ist? Hier haben Land, Stadt und Ordnungsbehörden eine Chance verstreichen lassen, so viele junge Männer und Migranten auf einem Fleck zu erreichen und zwar in der Kommunikationsform mit der man diese erreicht: der mündlichen Ansprache, dem Dialog. Auch wenn, der ein oder andere Straftäter oder Unbeirrbare sich davon nicht hätte beeindrucken lassen.

Stattdessen gab es Absperrgitter um den Dom und dort ein Kulturprogramm für deutsche Bildungsbürger mit Kreide zum Malen. Das sah toll aus und machte den Kulturbürgern sichtlich Spaß. Aber integrativ wirkt das nicht. Ein Zaun ist ein Zaun und eine Lichtinstallation auf Deutsch richtet sich eben nur an die Mehrheitsgesellschaft.

Alles zusammen genommen verlief die Silvesternacht gut und diese Feststellung wäre wichtig, um die schrille Debatte in sachliche Bahnen zu lenken. Die Polizei hat einen guten Job gemacht und die Stadt eine tolle Kulturveranstaltung abgehalten, mit den entsprechend ihr so wichtigen schönen Bildern.

Auf der Strecke blieb – hier ist auch das Land NRW in der Pflicht - die Integration und die Kommunikation zur Integration. Und das meint nicht eine Party für junge Männer mit Migrationshintergrund, sondern nach der bewussten Grenzziehung durch die Ordnungsbehörden, eine verständliche Ansprache, wie in diesem Land rechtsstaatliche Prinzipien funktionieren, wie wir persönliche Freiheit definieren und dass wir das Recht des Anderen auf seine Selbstbestimmtheit in jeglicher Hinsicht achten und respektieren. Dies fehlte in Urdu, Hindu, Paschtu, auf Arabisch oder jeder anderen Sprache. Das könnten wir lernen aus der Silvesternacht 2016 und hier sind Landes- und Kommunalpolitik, aber auch die Polizei gefordert, ihr Konzept zu erweitern. Wichtiger als die Diskussion, ob man die Schutzzone rund um den Dom noch erweitert. Hier sollte die Debatte sachlich ansetzen, denn die schrillen Töne sind Flugbenzin im Feuer des Wahljahres 2017.

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