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Berthold Beitz, 98, wurde heute Vormittag in der Kassenhalle der Kölner Kreissparkasse vom Lew-Kopelew Forum ausgezeichnet. Im Hintergrund sein Laudator Peer Steinbrück, der seine erste Begegnung mit Beitz im Alter von 16 Jahren hatte, als Beitz seinem damaligen Segelclub ein Boot schenkte.

Lew-Kopelew-Preis: Berthold Beitz hoch gelobt und ausgezeichnet

Köln | In diesem Jahr wäre Lew Kopelew 100 Jahre alt geworden. Das nach ihm benannte Forum ehrte heute den 98 Jahre alten Berthold Beitz, weltweit bekannter ehemaliger Unternehmenslenker von Krupp, aber als Ölmanager in Galizien auch Retter hunderter Juden vor der SS und ihrer Vernichtung. Die Laudatio hielt Peer Steinbrück der mit den Worten endete: „Wir ehren einen buchstäblich ausgezeichneten Mann“. Beitz dankte denen die ihn ehrten und nannte ihre Ausführungen übertrieben.

Beitz und seine Frau Else sind „Gerechte unter den Völkern“

Die Kassenhalle der Kreissparkasse Köln war schon am frühen Morgen fast bis auf den letzten Platz belegt. Die Vergabe des „Preis für Frieden und Menschenrechte“ des Lew-Kopelew-Forum stand auf dem Programm. Geehrt wurde Berthold Beitz, geboren im September 1913 in Zemmin in Vorpommern, aber nicht für seine Tätigkeit als Unternehmenslenker, wie Steinbrück ihn bezeichnete, sondern für seine Menschlichkeit. Beitz und seine Frau sind von der Gedenkstätte Yad Vaschem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet. Im zweiten Weltkrieg war Beitz als Ölmanager in Galizien und rettete dort, so haben es die Recherchen von Historikern ergeben und ist von Überlebenden verbrieft mehrere hundert jüdische Mitarbeiter. Steinbrück erklärte dazu, dass Beitz in dieser Sache nicht nach Öffentlichkeit gesucht habe. Beitz habe „kaltblütig“ gehandelt, als er 220 seiner Ölarbeiter aus den Fängen der SS gerettet, sich durch eine Absperrung gedrängt habe und die bereits zum Abtransport aufgestellten Mitarbeiter mitgenommen habe. Beim anschließenden Verhör durch die Gestapo, nachdem er denunziert worden ist, sei ihm der Zufall zu Hilfe gekommen. Denn der Mann der ihn verhört hatte war ihm aus Greifswald bekannt und der ließ ihn und seine Frau Elsa laufen. Später habe er seinem Retter einen Job bei Krupp verschafft und auf einem Empfang in der Villa Hügel ihn mit den Worten „ohne den stünde ich hier nicht“ vorgestellt habe. Neben den Heldentaten im zweiten Weltkrieg wurde auch Beitz Rolle in der Ost-West-Verständigung im Kalten Krieg ausführlich gewürdigt.

Kein Parteigänger

Steinbrück charakterisierte Beitz als unangepassten und unabhängigen Menschen, der immer seinen eigenen Weg gegangen sei und alles nur kein Parteigänger war. „Sie waren immer frei zu handeln und frei zu widerstehen“, rief Steinbrück dem fast hundertjährigen Beitz zu. John F. Kennedy, soll, so berichtet es Steinbrück, bei einem Treffen mit Beitz gesagt haben: „Endlich mal ein unverkrampfter Deutscher“. Als Beitz nach dem Zusammenbruch der DDR Honecker eine Bleibe anbot, beschimpften ihn nicht wenige als „Kryptokommunisten“ unterstreicht Steinbrück sein Bild des Unangepassten. Beitz sei aber auch ein Gentleman gewesen, dem seine Maßanzüge 20 Jahre lang passten, dem die Etikette wichtig war, weil sie, so interpretiert Steinbrück, das „Zusammenleben mit Einigen erst möglich mache“.

Solidarität und Ausgleich

Es gibt aber auch ein direkte Verbindung zwischen Lew Kopelew und Beitz. Denn die Krupp-Stiftung förderte das Kopelew-Projekt die „Erforschung der Geschichte deutsch-russischer Fremdenbilder“. Fritz Pleitgen der Vorsitzende des Lew-Kopelew-Forums überreichte dazu Beitz heute einen Band der daraus entstanden ist. Zudem schenkte er Beitz Facsimiles von Bildern, die die Ölarbeiter in Galizien in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigen. Zur Preisbegründung sagte Pleitgen: „In Berthold Beitz ehrt das Lew-Kopelew-Forum eine Manager-Persönlichkeit, deren Wirken dem öffentlichen Bewusstsein als moralisch integer und sozial zukunftsweisend eingeprägt bleiben soll. Solidarität und Ausgleich, Sozialverpflichtung und Achtung der Menschenwürde sind die leitenden Prinzipien, die der Lebensleistung des Preisträgers ihr Fundament gaben; sie bestimmten die moralische Ausrichtung eines Handelns, das dem Gemeinwohl stets verpflichtet blieb, und sie ermöglichten zugleich eine Freiheit des Handelns, die durch das Gewissen jederzeit gerechtfertigt war.“

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