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lew_kopelew_24-11-2013

ARD Korrespondent Jörg Armbruster, sein Lebensretter Ammar Zakaria, Abdulkader Abdulrahim, Suaad Tayeb, Fritz Pleitgen, Jean Asselborn und Kreissparkassenvorstand Wüerst.

Lew Kopelew Preis an die Friedensaktivisten Suaad Tayed, Abdulkar Abdulrahim und Ammar Zakaria

Köln | In der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln wurde heute Morgen der Lew Kopelew-Preis 2013 an die Friedensaktivisten Suaad Tayed, Abdulkar Abdulrahim und Ammar Zakaria aus Syrien verliehen. Fritz Pleitgen würdigte das Engagement und machte mit drastischen Worten und einem Film auf die Situation in Syrien aufmerksam. Abdulkar Abdulrahim und Ammar Zakaria helfen als Ärzte nicht nur Syrern, sondern Zakaria rettete auch dem ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster das Leben. Suaad Tayed gründete die Organisation „Naschda now“, auf Deutsch „Hilfe jetzt“.

Suaad Tayed koordinierte die Hilfen der Organisation, wurde verfolgt und so Fritz Pleitgen, drei Monate eingekerkert. Auch danach half sie wieder und wurde erneut für 45 Tage interniert. Dann gelang die Flucht in den Libanon und von dort aus kam sie nach Deutschland. Pleitgen beschrieb die Situation in Syrien so: „125.000 Menschen haben in dem Bürgerkrieg, in dem auch ausländische Kräfte mitmischen, bislang ihr Leben verloren. Millionen sind auf der Flucht. In weiten Teilen Syriens herrschen apokalyptische Zustände. Und ein Ende des Schreckens ist nicht abzusehen.“

Am Karfreitag 2013 wurde der ARD-Korrespondent Jörg Armbruster von einer Kugel getroffen. Bauchschuss. Sein Kollege Martin Durm, so Pleitgen, raste zu einer Untergrundklinik, wo Verwundete nur in den Kellerräumen versorgt werden können, weil die Obergeschosse zu gefährdet seien. Die Ambulanz sei mit Verwundeten überfüllt gewesen, der Boden voller Blut. Ammar Zakaria, der Anästhesist, habe auf sofortige Operation bestanden, ein Eingriff, der Armbruster das Leben rettete. Bis drei Uhr morgens, so der ARD-Mann, sei ununterbrochen operiert worden und Zakaria habe kein Geld für den Eingriff angenommen. Zakaria habe zunächst für die Regierung gearbeitet, musste aber schwer misshandelte Gefangene behandeln und konnte dies nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. So wechselte er auf die Seite der Opposition, so Pleitgen. Mit den „Ärzten ohne Grenzen“ baute er zunächst ein Feldlazerett auf, später organisierte er in Aleppo medizinische Versorgung.

Abdulkar Abdulrahim arbeitete auch in Aleppo, zunächst im Lazarett Al-Zarzoor, wo er mit 20 Ärzten den Menschen half. Ständig in der Angst selbst als Helfer von angeblichen Terroristen vielen Gefahren ausgesetzt zu sein und unter Arbeitsbedingungen ohne Elektrizität, ohne ausreichende Betäubungs- und Schmerzmittel, Seren, Antibiotika und Blutkonserven gearbeitet. Heute hilft Abdulkar Abdulrahim in Attmeh nahe der türkischen Grenze als Notfalldoktor. Fritz Pleitgen mahnte zum Ende seiner Rede: „Die Welt darf sich nicht von dieser Katstrophe abwenden, sondern sollte alles daran setzen, das furchbare Elend zu beenden.

Jean Asselborn, Vize Premier und Außenminister des Großherzogtums Luxemburg führte zur geschichtlichen und aktuellen Situation der Region und zu Syrien aus. Dabei analysierte Asselborn auch die Person Assads und dessen Handeln, dem er klägliches Versagen vorwirft und der ein Machthaber sei, der sein eigenes Volk verachte und tyrannisiere. Aber auch den Europäern schreibt Asselborn ins Geschichtsbuch, dass Fehler gemacht worden seien: „Wir haben die Regime gesehen und dabei – aus pragmatischen – Gründen die Völker übersehen. Im Fall Syrien zeigt sich mit Nachdruck, wie auch anderswo in der arabischen Welt, dass Diktaturen als Stabilitätsfaktoren reine Fiktion sind.“

Asselborn beschreibt die aktuelle Lage als Stellvertreterkrieg: „So kämpfen heute islamische Extremisten von Al-Kaida, genauso wie Hisbollah-Milizen oder Kämpfer der Iranischen Nationalgarden. Der Kampf der Armee des Regimes gegen die freie syrische Armee der Opposition ist komplex und greift weit über Syrien hinaus. Es geht um strategische Positionierungen: Durch diese Beteiligung ausländischer staatlicher und nichtstaatlicher Akteure wird der Konflikt immer mehr zu einem Stellvertreterkrieg:

> zwischen Iran, Saudi-Arabien, Katar und der Türkei um regionale Vormacht;
> zwischen Sunniten und Schiiten um die konfessionelle Dominanz;
> zwischen der Türkei, Saudi-Arabien, Katar ud Ägypten um die Rolle als „sunnitische“ Führungsmacht;
> zwischen Israel und Iran um das Existenzrecht Israels, dies auf dem Hintergrund des iranischen Nuklearprogramms;
> zwischen Arabern, Kurden, Türkei und Persern und nicht zuletzt
> zwischen den beiden Weltmächten USA und Russland um regionalen und globalen Einfluss.“

Asselborn beschrieb drastisch die humanitäre Lage in Syrien: „Das Leiden der Zivilbevölkerung ist unvorstellbar groß – eine Katastrophe biblischen Ausmaßes. Die geschätzte Zahl der Hilfsbedürftigen ist inzwischen auf etwa 9,3 Millionen gestiegen - 2,5 Millionen mehr als noch im September. 6,5 Millionen davon sind Vertriebene innerhalb des Landes, auch hier hat die Zahl deutlich, um etwa die Hälfte zugenommen. Über 2 Millionen haben ihr Land verlassen, 6.000 kommen jeden Tag hinzu. Seit Beginn des Krieges mussten 4.000 Schulen geschlossen werden.“ Vier von zehn Menschen seien mittlerweile auf Hilfe angewiesen. Als Fazit zog der luxemburgische Außenminister, dass jeder weitere Tag der Herrschaft Assads die Zahl der Toten vermehre und die Gräben des Hasses vertiefe. Die Menschen in Syrien bräuchten eine Perspektive auf eine neue politische Ordnung, mit der auch die Versöhnung einhergehen müsse.

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