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Hochwassermarken am Packhof zu den Hochwassern in Hann. Münden am Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser. Die oberste Markierung zum 24. Juli 1342 ist der Pegelstand des Magdalenenhochwassers.| Foto: Axel Hindemith - Eigenes Werk, Gemeinfrei aus den Commons von Wikipedia

Magdalenenhochwasser von 1342: Sommerhochwasser, Sturzfluten und die Frage nach der Verantwortung für 2021 in NRW

Köln | Das Hochwasser von 1342 trägt seinen Namen, weil es rund um den Maria Magdalenatag mitten im Juli 1342 stattfand. Es war ein Sommerhochwasser ungeahnten Ausmaßes, dass aber schon mit Aktivitäten des Menschen, wie Abholzung und landwirtschaftlicher Nutzung in Zusammenhang steht. Dabei sind Extremwetterlagen in Deutschland im Sommer nicht ungewöhnlich, etwa "Vb-Wetterlagen" die 2002 und 2013 für schwere Unwetter in Bayern sorgten oder die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“, die für das Ereignis vergangene Woche steht. Der Blick zurück ins Mittelalter, Analysen und die aktuelle Analyse des Kachelmann Wetterkanals zu den Sturzfluten zeigen deutlich, dass die Lage anscheinend von den Verantwortlichen etwa im Innenministerium Nordrhein-Westfalen zu lax eingeschätzt wurde. Dabei warnte nicht nur Kachelmann, sondern auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) frühzeitig. Die Frage ob das NRW-Innenministerium und die Landesregierung unter Ministerpräsident Laschet in der Katastrophenvorsorge versagt haben, wird immer dringender.

Das Magdalenenhochwasser von 1342

Im Sommer 1342 kam es in Deutschland und auch im Rheingebiet zu extrem heftigen Niederschlägen im Zeitraum 19. bis 25. Juli 1342. Da der Tag der heiligen Maria Magdalena am 22. Juli liegt, erhielt die Flut ihren Namen: Magdalenenhochwasser. Auch der Rhein war betroffen. Nach einer sommerlichen Trockenperiode entstand eine Großwetterlage, die unterschiedliche Bezeichnungen trägt, wie etwa "Tief Mitteleuropa", "Trog Mitteleuropa" die mit Vb-ähnlichen Wetterlagen oder einer quasistationären Kaltfront oder zyklonalen Westlage/Südwestlage diskutiert werden. 1342 lag das Zentrum des Niederschlages im Einzugsgebiet des Mains. In Ober- und Mittelfranken entstand eine Flutwelle, die am 21. Juli den Rhein erreichte und am 24./25. Juli die Niederlande erreichte. Das Magdalenenhochwasser gilt als die historisch belegte Überschwemmungskatastrophe bei der zahlreiche Menschen ihr Leben verloren. Auf einer Gedenktafel in Würzburg steht: „Im Jahre des Herrn 1342 [...] schwoll der Main so stark an wie nie zuvor, daß er oberhalb der Stufen des Würzburger Doms und darüber hinaus die ersten steinernen Statuen umspülte. Die Brücke mit ihren Türmen, die Mauern und viele steinerne Häuser in Würzburg stürzten zusammen. [...]“ An vielen Orten wurden Häuser und Brücken zerstört sowie die Ernten, was damals in der Folge zu Hungersnöten führte. Zahlreiche Städte haben das Magdalenenhochwasser dokumentiert. Das Magdalenenhochwasser änderte auch die Topographie des Landes, so etwa in Duisburg, wo ein Altrheinarm verlandete. Aber auch Donau, Mosel, Moldau, Elbe, Weser, Werra und Unstrut waren betroffen. Alleine in der Donauregion sollen 6.000 Menschen gestorben sein.

Eveline Zbinden beschäftigt sich unter dem Titel „Das Magdalenen-Hochwasser von 1342 – der hydrologische Gau“ in Mitteleuropa in der Zeitschrift "Wasser Energie Luft" (Ausgabe 3-2011) mit dem Magdalenen-Hochwasser: „Das Auftreten der Flut 1342 lässt sich als Folge einer tragischen Verkettung mehrerer Faktoren erklären: Die metereologischen Auswirkungen einer ausserordentlichen Wetterlage wurden durch Beschaffenheit der Böden verschärft. Zudem erhöhte die Entwaldung die Abflussgeschwindigkeit des Wassers.“ In ihrer abschließenden Wertung kommt Zbinden zum Schluss: „Das größte Katastrophenpotenzial liegt oft allein in der Fehleinschätzung von Desastern. Zu stark liegt jeweils die Aufmerksamkeit auf dem jüngst Erfahrenen und zu schnell verliert man aus dem Blick, dass noch Schlimmeres möglich ist.“

Die Warnungen der Experten waren eindeutig

Am 13. Juli warnte der Deutsche Wetterdienst: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor örtlich anhaltendem Starkregen mit Gewittern in Süd- und Westdeutschland. Betroffen seien zunächst Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg, teilte der DWD am Dienstagvormittag mit. Möglich seien Überflutungen von Kellern und Straßen, örtlich Blitzschäden, Hochwasser in Bächen und Flüssen sowie Erdrutsche. Hintergrund der Unwetter sind warme und sehr feuchte Luftmassen, die in einem Bereich schwacher Luftdruckgegensätze das Wettergeschehen bestimmen. In Westdeutschland seien örtlich Niederschlagsmengen von bis zu knapp 200 Liter pro Quadratmeter nicht ausgeschlossen.

Der Deutsche Wetterdienst teilte nach den Starkregenereignissen mit, dass nicht bewiesen sei, dass der Klimawandel die verheerende Flutkatastrophe auslöste. Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst sagte der „Bild“: „Ein solches regionales Unwetter ist ein Einzelereignis, das ist Wetter. Die Behauptung, der Klimawandel ist schuld, ist so nicht haltbar.“

Bereits in einer Veröffentlichung von 2019 („Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“) hatte die Bundesbehörde betont, dass es für Deutschland keinen Trend zu mehr Hochwasser im Sommer und auch keinen Anstieg der Niederschlagsmengen im Sommer gebe. „Ein einzelnes Hochwasserereignis lässt sich nicht mit dem Klimawandel erklären“, schrieben die Experten zudem. Die Warnungen des DWD waren eindeutig und unmissverständlich.

Jörg Kachelmann warnte auf seinem Wetterkanal und analysiert in der Chronologie die Ereignisse aus metereologischer Sicht

Die „Meteorologische Chronologie der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands im Juli 2021“ auf dem Wetterkanal von Jörg Kachelmann ist eindrucksvoll und hier in Gänze mit Karten nachzulesen: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/meteorologische-chronologie-der-flutkatastrophe-im-westen-deutschlands-im-juli-2021/

Im Fazit erklärt Wetterexperte Fabian Ruhnau des Wetterkanals von Kachelmann, dass sich das Extremwetter bereits am Wochenende vor dem Mittwoch andeutete und sogar klar Orte wie Hagen und den Tag des Ereignisses benannten. Zu Wochenbeginn bestätigten sich diese ersten Annahmen und konkretisierten sich von Tag zu Tag mehr. Ruhnau schreibt: „Die Gefahr extremer Regenmengen in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bestätigte sich zu Wochenbeginn und konnte in der Kurzfrist und im Nowcasting am Dienstag und Mittwoch immer mehr konkretisiert werden. So zeichnete sich die Katastrophe insbesondere im Bereich der Eifel und an den Flüssen und Bächen aus der Eifel heraus immer deutlicher ab. Der dort letzte und entscheidende Schub Starkregen zum Mittwochabend, war sowohl in hochaufgelösten Wettermodellen, sicher und ganz konkret dann einige Stunden vorher mit dem Regenradar zu verfolgen. Entsprechend lösten auch frühzeitig extreme Sturzfluthinweise (violett) aus."

Großwetterlagentyp "Tief Mitteleuropa"

Report-K bat den DWD um eine Einordnung des Wettergeschehens. Der DWD schreibt, dass die Großwetterlage der vergangenen Woche keine Vb-Wetterlage war, sondern sich dem Großwetterlagentyp „Tief Mitteleuropa“ zuordnen lasse: Dabei liegt ein Tief über Mitteleuropa, im Falle der vergangenen Woche war dieses Tief zudem eine Zeit lang sehr ortsfest beziehungsweise hat sich nur geringfügig verlagert. Durch die Position des Tiefs über Mitteleuropa und der Tiefdrehung entgegen des Uhrzeigersinns wurden sehr feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum einbezogen, die um das Tief herum von Nord/Nordost in den Westen Deutschlands geführt wurden. Solche Wetterlagen gibt und gab es schon immer, allerdings waren die beteiligten Luftmassen sehr feucht. Im Zuge der Klimaerwärmung verdunstet mehr Wasser, wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, der dann potenziell ausregnen und solche enormen Regenmengen hervorbringen kann.

Hat das NRW-Innenministerium versagt?

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Behörden wie das Innenministerium des Landes NRW zuständig für die Gefahrenabwehr und damit einhergehend für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz nicht schon seit Wochenbeginn, also Montag den 12. Juli, Warnungen an die Bevölkerung herausgaben und sich auf ein mögliches Unwetterszenario mit Sturzfluten vorbereiteten. Ereignisse, die von Wetterlagen wie „Tief Mitteleuropa“ oder „Vb-Wetterlagen“ ausgelöst werden, sind in Deutschland und Europa, samt ihrer verheerenden Auswirkungen seit dem Mittelalter bekannt. Auch bekannt waren die Regen- und Niederschlagsmengen sowie die Füllstände von Talsperren oder deren Einzugsgebieten. Das Ausrechnen von Abflussmengen ist mit einem einfachen Taschenrechner zu bewerkstelligen. Das sich vor dem Hintergrund eines solchen Ereignisses verheerende Schäden wie etwa der Einsturz von Häusern nicht vermeiden lassen ist der eine Teil. Warum aber nicht eindringlicher gewarnt wurde, frühzeitig Krisenstäbe und Vorbereitungen getroffen wurden, sollten und müssten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Innenminister Herbert Reul doch dringend erklären, vor allem vor dem Hintergrund der vielen Toten und dem unendlichen Leid, das ihren Angehörigen zugefügt wurde. NRW-Innenminister Reul (CDU) negiert dies aber, denn er sagte nach der Unwetterkatastrophe: "Das Wesen von Katastrophen ist, dass sie nicht vorhergesagt werden können. Das Wesen von Naturkatastrophen ist, dass sie erst recht nicht vorhergesagt werden können." Mit dieser Aussage zeigt sich der NRW-Innenminister Reul von der CDU unaufgeschlossen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen, einfachsten mathematischen Berechnungen und lenkt von Verantwortlichkeiten seiner Behörde im Bereich der Gefahrenabwehr ab.

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