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Museum Ludwig stellt Jahresprogramm 2018 vor

Köln | Das städtische Museum Ludwig stellt sein Ausstellungsprogramm 2018 vor: Günter Peter Straschek Emigration, Haegue Yang, Gabriele Münter und Fotografien von Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch – das sind nur einige Höhepunkte im kommenden Jahr im Museum Ludwig. Hausherr Yilmaz Dziewior zog zudem eine positive Bilanz für das laufende Jahr.

Mit dem Dokumentarfilm von Günter Peter Straschek beginnt die Ausstellungsreihe:

Günter Peter Straschek Emigration – Film – Politik

3. März bis 1. Juli 2018

Jetzt rückt er ins Zentrum einer Ausstellung, die Strascheks Schaffen im Kontext der revolutionären Filmarbeit der 1960er und 1970er Jahre vorstellt. Straschek (1942–2009) ist einer der bedeutendsten Erforscher des europäischen Filmexils. Viele der über zweitausend vor den Nazis geflohenen Filmleute kommen in dem fünfstündigen Film zu Wort.

Die Ausstellung erinnert an Straschek als einen Unversöhnlichen, dessen beharrlicher Blick die verleugnete Vergangenheit auf die Tagesordnung setzte. Geschult hat er diesen Blick auch im Kino, etwa am kompromisslosen Werk der Filmemacher Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, in deren Film Einleitung zu Arnold Schoenbergs ,Begleitmusik zu einer Lichtspielscene‘ Straschek auftritt. Von 1966 an studierte er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). 1968 flog er im Zuge der Auseinandersetzung um seinen Film Ein Western für den SDS von der Akademie. Die dffb-„Wochenschau“, die die Vorgänge dokumentiert, ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie Strascheks Film Zum Begriff des ‚kritischen Kommunismus‘ bei Antonio Labriola (1970).

Haegue Yang ETA 1994-2018

18. April bis 12. August 2018

Preisverleihung: Wolfgang-Hahn-Preis 17. April 2018

2018 richtet das Museum Ludwig der Wolfgang-Hahn-Preisträgerin Haegue Yang (*1971 in Seoul, lebt in Berlin und Seoul) die weltweit erste große Überblicksausstellung aus. Über 120 Arbeiten aus den Jahren 1994 bis heute beleuchten die Vielfalt ihres Schaffens: von den frühen, an Fluxus erinnernden Objekten der 1990er Jahre über Lackbilder, Fotografien, Papier- und Videoarbeiten, Skulpturen und performative Werke bis hin zu raumgreifenden Installationen.

Mit ihrem Werk bewegt sich Haegue Yang zwischen unterschiedlichen Kulturen und Zeiten. Ein offener und grenzüberschreitender Prozess prägt ihre künstlerische Denkweise und Praxis. Hieraus entstehen konzeptorientierte, dabei atmosphärisch verdichtete Installationen, in denen eine Vielfalt von Medien zum Einsatz kommt. Industriell produzierte „Readymades“ wie Jalousien, Glühbirnen, Scheinwerfer, bunte Kabel, Ventilatoren kombiniert Yang mit Dingen aus unterschiedlichen Kontexten oder in aufwendiger Handarbeit produzierten Objekten.

Als roter Faden ziehen sich Fragen der kulturellen Identität durch Haegue Yangs Werk. Statt abendländischer Vorstellungen von Exotismus suggeriert sie eine Wahrnehmung der Welt und findet immer wieder neue Ausdrucksformen, die es ihr erlauben, interkulturelle Beziehungen nachzuzeichnen. Die Szenografie und räumliche Anordnung der Arbeiten verleiht der Überblicksausstellung den Charakter eines Gesamtkunstwerks – in sich stimmig, aber voller Dissonanzen.

Doing the Document. Fotografien von Diane Arbus bis Piet Zwart

31. August 2018 – 6. Januar 2019

Künstler*innen: Diane Arbus, Boris Becker, Karl Blossfeldt, Walker Evans, Lee Friedlander, Florence Henri, David Hockney, Candida Höfer, Gabriele und Helmut Nothhelfer, Max Regenberg, Albert Renger-Patzsch, Tata Ronkholz, August Sander, Hugo und Karl Hugo Schmölz, Friedrich Seidenstücker, Wolfgang Tillmans, Garry Winogrand, Piet Zwart

All diese Fotografinnen und Fotografen eint ein dokumentarisch-künstlerischer Ansatz, der mit Doing the Document vorgestellt und zugleich befragt wird. Walker Evans bezeichnete seine Fotografien nicht als dokumentarisch, sondern sprach von einem „dokumentarischen Stil“. Wo endet das Dokument und wo beginnt die künstlerische Geste? Dies ist eine Frage, die in postfaktischen Zeiten und der zunehmenden Ästhetisierung von Archiv- und Dokumentationsmaterial in der zeitgenössischen Kunst wieder neu zu verhandeln ist.

Gabriele Münter Malen ohne Umschweife

15. September 2018 – 13. Januar 2019

Gabriele Münter (1877 Berlin – Murnau 1962) war eine Künstlerfigur des deutschen Expressionismus und der Künstlergruppe Der Blaue Reiter, deren Gründung in Münters Haus in Murnau stattfand. Über ihre Rolle als engagierte Persönlichkeit, Vermittlerin und langjährige Lebensgefährtin Wassily Kandinskys hinaus zeigt diese Ausstellung erstmals, wie wichtig und eigenständig Gabriele Münter als Malerin war: Mit über hundert Gemälden, darunter erstmals der Öffentlichkeit präsentierte Werke aus dem Nachlass, erlaubt sie einen neuen Blick auf diese starke Künstlerin.

Münter gehört zu den wenigen frühen erfolgreichen Frauen der Moderne. Ihre Offenheit und Experimentierfreudigkeit als Malerin, Fotografin und Grafikerin wird nun erstmals ausführlich präsentiert. Zu ihren bekannten Gemälden gehören Porträts, etwa von Marianne Werefkin oder Kandinsky sowie romantische Landschaften ihrer bayerischen Wahlheimat. Mit seltenen Fotografien, die Münter um 1900 bei einer mehrjährigen USA-Reise aufgenommen hat, beginnt die Ausstellung; im Mittelpunkt steht ihr malerisches OEuvre, das neben farbig intensiven Porträts und Landschaften auch Interieurs, Abstraktion oder „primitivistische Bilder“ umfasst.

Der Expressionismus ist insbesondere durch die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig stark vertreten: Es besitzt Gemälde von Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Max Pechstein, von Künstlern des Blauen Reiter wie Franz Marc, August Macke und Alexej Jawlensky. Ein Bild von Gabriele Münter fehlt erstaunlicherweise. Im Rahmen der Ausstellung soll diese Leerstelle geschlossen und ein Gemälde erworben werden.

Ein Großteil der Werke stammt aus der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung und aus dem Lenbachhaus in München, das diese Ausstellung organisiert, sowie aus internationalen Sammlungen wie dem Des Moines Art Center, Iowa, dem Centre Pompidou, Paris oder dem Israel Museum, Jerusalem.

Black Power – Flower Power: Fotografien von Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch

3. Februar -3. Juni 2018

Im 50. Todesjahr von Martin Luther King stellt das Museum Ludwig die Werke des Fotografenehepaars Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch aus, das mit Sympathie und beobachtender Distanz das San Francisco der bewegten 1960er Jahre einfing.
Es war eine Zeit, in der gerade an der Westküste der USA auf besondere Weise die verschiedenen Strömungen von Bürgerrechtsbewegung und counterculture zusammenkamen, aus der die Black Panthers hervorgingen und Hippies im Stadtteil Haight-Ashbury neue Lebens- und Arbeitsformen erprobten. Die Politisierung und Radikalisierung nach der Ermordung von Malcolm X und den blutigen Rassenunruhen in Watts, Los Angeles, standen neben anarchischem Hedonismus, und die agitativen Plakate der Black Panther reihten sich zu den psychedelischen Postern ins Stadtbild.

2013 erhielt das Museum Ludwig von der Pirkle Jones Foundation in San Francisco 51 Fotografien als Schenkung. Im Februar 2018 werden sie zum ersten Mal gesammelt präsentiert.

Name der Fotografin Aenne Biermann

16. Juni – 23. September 2018

Aenne Biermann schuf zwischen 1925 und ihrem frühen Tod 1933 Fotografien von ihrer nächsten Umgebung und prägte in ihnen die fotografische Moderne mit. Ihr Nachlass gilt bis heute als verschollen, und nur wenige Institutionen verwahren Originalabzüge Aenne Biermanns. Das Museum Ludwig wird seinen Bestand von über 20 Aufnahmen erstmals vollständig präsentieren.

Alexander von Humboldt, die Fotografie und sein Erbe

13. Oktober 2018 – 3. Februar 2019

2019 wird der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt begangen. Humboldt, der weit Gereiste und gut Vernetzte, saß nicht nur in der Kommission, die 1839 für die weltweite Veröffentlichung eines ersten fotografischen Verfahrens stimmte. Ihm wurden in der Folge auch fotografische Alben geschenkt, kostbare Unikate. Dazu zählt ein Album von 1844, das der Erfinder der Fotografie auf Papier, W. H. F. Talbot, Humboldt widmete – eines der ersten Fotobücher überhaupt. Von Paul de Rosti erhielt Humboldt 1858 ein großformatiges Album mit Aufnahmen aus Mexiko und Venezuela in Reminiszenz an seine Südamerika-Reisen. Ihre Entstehungsgeschichte und ihr Weg in die Sammlung des Museum Ludwig wird rekonstruiert und damit ein Blick weit zurück in die Fotogeschichte geworfen.

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