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Symbolbild: Ein muslimischer Junge der ethnischen Minderheit der Pomaken wird von einem Arzt während eines Massenbeschneidungsrituals in Ribnovo (Bulgarien)  im Jahr 2006 beschnitten.

Omar Kezze, der Kölner Chirurg hinter dem Beschneidungsurteil - Arzt wurde angeklagt und freigesprochen

Köln | Als Chirurg Omar Kezze an einem Donnerstag in Köln zum Schnitt ansetzte, konnte er nicht ahnen, welche Lawine die Beschneidung auslösen würde. Er wurde angeklagt und freigesprochen. Seitdem ist das gegen ihn gesprochene Beschneidungsurteil in aller Munde. Doch Omar Kezzes persönliche Geschichte ist unbekannt. Jetzt, an diesem Freitagmittag, sitzt er in seiner Praxis und schildert den bewegenden Fall aus seiner Sicht.

Eine Patientin im Wartezimmer trägt kurze Shorts, draußen rattert die U-Bahn. Durch das geöffnete Fenster hört man die Glocken der gegenüberstehenden Kirche. Broschüren zu Organspenden liegen aus. An den Wänden hängen arabische Schriftzeichen. Auf Kezzes Visitenkarte steht Hausarzt (Chirurg).

Omar Kezze (62) beginnt: Für ihn ist die Operation am 4. November 2010 ein Routineeingriff. Eine Patientin brachte am Vortag Besuch aus dem Ausland in seine Praxis, eine Muslimin mit ihrem vierjährigen Sohn. Der Junge sollte aus religiösen Gründen beschnitten werden. Am nächsten Tag folgt der Eingriff. "In üblicher Weise", sagt Kezze und meint: mit Betäubung. Er entfernt die Vorhaut des Jungen, macht vier Nähte und legt einen Verband. "Ich habe der Mutter meine Visitenkarte mit meiner Privatnummer und Handynummer mitgegeben", sagt Kezze. "Wenn etwas passiert, rufen sie mich bitte an."

Kezze ist ein offener, gläubiger Mann

Omar Kezze stammt aus Aleppo, wo sich syrische Rebellen und das Regime von Präsident Baschar Assad einen erbitterten Kampf liefern. Er ist ein offener, gläubiger Mann, der fließend deutsch spricht und auch gerne lacht. Sein weißes Hemd hängt über der Hose, sein Vollbart ist getrimmt. Ein Foto von sich will er nicht in der Zeitung sehen.

1986 zog er nach Deutschland, hat hier die Fachausbildung zum Chirurgen gemacht und öffnete 1991 seine Praxis als Allgemeinmediziner in Köln. Seitdem macht er Beschneidungen - aus religiösen Gründen bei Muslimen oder traditionellen Gründen auch bei Christen aus Afrika. "Ich habe genug Erfahrung", sagt er. Die Beschneidung bei dem Jungen sei nicht die erste gewesen - aus religiösen Gründen war es seine vorerst letzte.

Am Abend nach der Beschneidung meldet sich die Mutter des Jungen, weil "vermutlich etwas blutet". Er sei hingefahren, habe den Verband gewechselt und dem Jungen sei es gut gegangen. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Am übernächsten Morgen befindet sich die Mutter mit dem Kind in der Notaufnahme der Kölner Universitätsklinik - wegen Nachblutungen.

Die Klinik schaltet die Polizei ein. "Für den behandelnden Arzt ergab sich der begründete Verdacht, dass bei der Beschneidung des Jungen medizinisch nicht einwandfrei gehandelt wurde, daher hat er die Polizei informiert", sagt ein Sprecher der Klinik. "Mit der Tatsache, dass die Beschneidung religiös motiviert war", habe die Information der Polizei nichts zu tun gehabt.

Freisprüche aus unterschiedlichen Gründen

Kezze wird von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Sie wirft ihm vor, "eine andere Person mittels eines gefährlichen Werkzeugs körperlich misshandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben". Das Amtsgericht Köln (Az. 528 Ds 30/11) spricht Kezze allerdings frei, weil die Einwilligung der Eltern wirksam gewesen sei. Mit der Entfernung der Vorhaut werde einer "drohenden Stigmatisierung des Kindes entgegengewirkt", entscheiden die Richter.

Die Staatsanwaltschaft geht in Berufung. Im Mai urteilt das Landgericht Köln (Az. 151 Ns 169/11), es spricht Kezze ebenfalls frei, wertet die religiös motivierte Beschneidung aber als Körperverletzung und damit als Straftat. Kezze habe in einem Verbotsirrtum gehandelt und sei deshalb nicht schuldig, entscheiden die Richter. Er habe fachlich einwandfrei gehandelt. "Ein Behandlungsfehler liegt nicht vor."

Heute - mit mehreren Monaten Abstand - hat Kezze mit dem Fall abgeschlossen. "Ich stehe zu meiner Tat", sagt er. "Es war ein fairer Prozess." Die "Geschichte" betreffe ihn nicht mehr. Allein könne er nichts tun, jetzt seien die muslimischen Verbände und die Politik gefragt.

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