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Im Maschinenraum der "MS Stadt Köln" - Halt statt volle Fahrt voraus seit 2006. Diesen Zustand will jetzt ein Verein ändern

Ratsschiff „Stadt Köln“: Verein der Freunde und Förderer will sich gründen

Eng schmiegt sich ein Kleinod zwischen still vor sich hindieselnden modernen Flusskreuzfahrtschiffen an den Kai des Niehler Hafens. Es ist das Ratsschiff der Stadt Köln in dessen Bugsalon heute der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) geladen hatte, um das Schiff zum „Denkmal des Monats“ zu erklären. 2006 war die letzte Fahrt der „Stadt Köln“, auf der schon Elisabeth II., Prinz Charles, Charles de Gaulle oder Michael Jackson den Rhein erlebten. Die, die sich jetzt engagieren, wollen das Schiff aus seinem Dornröschenschlaf erwecken und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Dornröschen schläft seit sechs Jahren

Der RVDL hat es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Monat ein anderes Objekt von besonderer denkmalpflegerischer Bedeutung vorzustellen. Die "MS Stadt Köln" ist ein schwimmendes Denkmal und noch dazu ein ganz Besonderes und zwar nicht nur für Köln, sondern auch für das Land und die Bundesrepublik. 1938 ließ der Rat der Stadt Köln das Motorschiff Köln in der Schiffswerft Christof Ruthof in Mainz-Kastell bauen. Anlass war die Internationale Verkehrsausstellung. Das Schiff trägt aber auch in seinem Inneren sozusagen ein Kölner Herz, denn es wird von zwei Deutzmotoren angetrieben, die zweimal 375 PS liefern. Damit erreicht das Schiff die extrem schnelle Geschwindigkeit von rund 32 km/h und verbraucht etwa 160l Diesel pro Betriebsstunde. Grund für die Schnelligkeit ist die Leichtbauweise, in der das Schiff hergestellt wurde. Zum einen sind Teile des Schiffes aus Aluminium, zum anderen hat man die Motoren nicht auf einem schweren Stahlfundament aufgeschraubt, sondern auf Federn gelagert und sogar auf Getriebe und Kupplung verzichtet. Dies führt zu einer besonderen Technik, die der Kapitän und Maschinist anwenden müssen, wenn sie wenden wollen: Sie müssen einen Motor anhalten, dann die Ventile umstellen und diesen Motor neu starten, dann dreht das Schiff auf der Stelle. Auch wenn das Schiff losfährt, muss die Mannschaft auf Zack sein, denn läuft der Motor, dann drehen sich auch sofort die Schrauben. Dazu setzt die Steuerungstechnik auf den sogenannten Lürseneffekt, eine Schnellboottechnik der 1930er Jahre, der die Schiffswelle verlängert und damit das Schiff schneller werden lässt. Technische Raffinessen, die absolut einmalig sein dürften. Das Schiff misst 53,2 mal 7,27 Meter und hat einen Tiefgang von nur 1,06 Metern.

Das Repräsentationsschiff mit Nazi- und demokratischer Vergangenheit

Das Schiff wurde in der Nazizeit gebaut und trug bei der Schiffstaufe den Namen „Hansestadt Köln“. Geplant war wohl eine Fahrt mit Hitler zur Internationalen Verkehrsausstellung 1940, die aber wegen des Kriegsausbruches nicht mehr stattfand. Allerdings gibt es Fotodokumente, die auch Hitler an Bord zeigen. Die Kriegszeit verbrachte das Schiff wohl in St. Goarshausen und wurde anders als etwa die „Goethe“ nicht versenkt. Mit einem Coup „entwendeten“ die Amerikaner das Schiff aus der französischen Besatzungszone. Sie überstrichen den Namen „Hansestadt Köln“ und tauften es als „US Army“ um. Im Rahmen der Entnazifizierung wurden dann auch alle an die Nazizeit erinnernden Symbole entfernt. Aber schon die Amerikaner zeigten auf dem Schiff ihren Gästen die Schönheiten des Rheins.

1952 übernahm die Stadt Köln wieder die Eigentümerschaft und taufte das Schiff auf den Namen „Stadt Köln“. Sowohl die Stadt als auch die junge Bundesrepublik nutzten das Schiff dann für Repräsentationsaufgaben, da es sich durch das Appartement dafür auch besonders gut eignet. Bis 2006 befuhr das Schiff noch unter Kapitän Henning den Rheinstrom. 2008 gab es noch einmal eine Überführung in den Mülheimer Hafen. Jetzt schläft das Schiff einen Dornröschenschlaf, dem einige wackere Streiter nun mit der Gründung eines Vereins der „Freunde und Förderer der MS Stadt Köln“ ein Ende bereiten wollen. Denn die "MS Stadt Köln", wie auch die Fotostrecke von report-k.de zeigt, ist ein Kleinod, das dem, der das Schiff besucht eine Zeitreise ermöglicht.

So will der Verein erreichen, dass das Schiff wieder in den Rheinauhafen umzieht und dort vielleicht als Museumsschiff eine herausragende Stellung einnehmen könnte und damit auch wirtschaftlich eine Perspektive entwickeln könnte. Denn wer hat schon ein Schiff mit einer solchen Vergangenheit und den Originalmöbeln in denen Elisabeth II, Kennedy, Charles de Gaulle, Prinz Charles und sogar schon Michael Jackson saßen? Eigentlich sind hier auch der Bund und das Land gefordert, die Sanierung zu begleiten. Und natürlich träumt man davon, das Schiff immer mal wieder für Fahrten auch wieder den Rhein auf und ab fahren zu lassen.

Als Erstes fordert der Verein eine umfassende technische Bestandsaufnahme und die Erstellung einer Dringlichkeitsliste um die Substanz des schwimmenden Denkmals zu erhalten und eine Schritt für Schritt Sanierung. Im Rheinauhafen an einer exponierten Stelle am Schokoladenmuseum wäre für den Verein ein optimale Stelle. Mit einer kleinen Gastronomie und als Museum, das gleich zwei sein könnte: ein zeitgeschichtliches und ein technisches. Andere Länder machen aus solchen Objekten gut gehende touristische Ziele und welche Stadt hat schon ein Schiff mit Original-Möbeln, auf denen ein Kennedy und ein Michael Jackson saß? Auch kleine Veranstaltungen kann man sich gut vorstellen, aus der Politik oder mal einen Senatsabend einer Kölner Karnevalsgesellschaft.

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