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Roncalliplatz: 7000 Jahre Stadtgeschichte auf 60 Metern

Auf dem Roncalliplatz können sich Besucher auf eine Zeitreise entlang des Bauzaums am Domhotel machen.

Köln | Normalerweise gehören Bauzäune nicht unbedingt zu den Blickfängen einer Innenstadt. Das ist an der großen Baustelle des Domhotels auf dem Roncalliplatz ganz anders. Dort bleiben viele Kölner und Touristen stehen und betrachten interessiert die dort seit April angebrachten großflächigen Tafeln. Diese zeigen auf einer Strecke von etwa 60 Metern aufwendig illustriert die Kölner Stadtgeschichte von der Zeit vor den Römern um 5000 v. Chr. bis in die Jetztzeit der modernen Metropole am Rhein.

„Die Idee ist vom Bauherrn, der Bayerischen Versorgungskammer, an uns herangetragen worden, die das Projekt auch finanziert hat. Für uns ist das ein Glücksfall, gerade in einer Zeit, in der wir unsere Dauerausstellug im Zeughaus nicht zeigen können“, sagt der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Mario Kramp, der mit seinem Team das Projekt mit Unterstützung des Römisch-Germanischen Museums und des NS-Dok umgesetzt hat. Neu sind jetzt abendliche Führungen mit dem engagierten Team der Besucherinformation des Museums. „So ein Projekt mit einer Ausstellung an einem Bauzaun hat es in dieser Form noch nie gegeben, da betreten wir Neuland“, freut sich Kramp.

Dabei gehört der zentrale Platz am Dom zu den spannendsten und historisch bewegtesten Orten Kölns. Schon die Römer haben ihn zu einem zentralen Platz gemacht, wie das Dionysos-Mosaik zeigt. Heute ist es Teil des Römisch-Germanischen Museums, in der Römerzeit schmückte es eine große Villa. Im Mittelalter befand sich dort das Zentrum der Macht mit dem Erzbischöflichen Palais und den weltlichen und geistlichen Gerichten. Auf dem Domhof stand auch der „Blaue Stein“, an den zum Tode verurteilte Personen gestoßen worden sind. Damals war der Platz komplett umbaut und konnte nur durch eine Pforte betreten werden.

Dass der Platz heute so offen ist, liegt auch daran, dass das Domhotel zurückgesetzt wurde und so den Blick auf den Dom freigab. 1916 gab es auf dem Platz das erste Treffen Mata Haris mit dem deutschen Geheimdienstchef. Neugestaltet wurde dieser nach dem Ende des 19. Jahrhunderts und nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Das Machtzentrum hatte sich da schon längst verschoben – denn nicht der Erzbischof, sondern der Rat bekam die Macht in der Stadt. Ende des Mittelalters verschwindet das Erzbischöfliche Palais und die Gerichte verschwinden mit der Franzosenzeit in Köln. Heute steht der Dom als großes Denkmal ganz im Mittelpunkt des Geschehens.

All das findet sich auch bei der Freiluftausstellung am Bauzaun wieder und wird beim neuen Führungsangebot vor Ort wieder lebendig. Denn das Mosaik, die römische Hafenstraße oder das Richterfenster des Doms liegen in unmittelbarer Nähe. Dessen Entstehung vom Alten Dom bis zur heutigen gotischen Kathedrale lässt sich bei der Tafelausstellung gut nachvollziehen. Per QR-Code können die Infos auch in englischer Sprache abgerufen werden. So werden außerdem auch Filme zur Stadtgeschichte angeboten. Abrufbar ist das Ganze auch online für zu Hause.

Die erste Führung gibt es am 22. August um 18.30 Uhr. Treffpunkt ist die Römertafel am Anfang des Bauzauns. Weitere Führungen gibt es am 19. und 26. September sowie am 17. und 24. Oktober jeweils um 18.30 Uhr.

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