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Geschäftsführer Jörg J. Schmitz mit dem typischen Studierenden und seinen Bedürfnissen. In Köln ist das Studieren zwar besonders beliebt, aber eben auch besonders teuer.

Studentenwerk Köln: 6.000 Wohnheimplätze bis 2023 sind ein sportliches Ziel

Köln | Das Kölner Studentenwerk hat am heutigen Dienstag gleich zwei wichtige Dokumente vorgestellt. Neben dem Geschäftsbericht für das Jahr 2017 gab es auch neue Zahlen zur Situation von Studierenden in Köln. Vor allem der Wohnungsmarkt und die hier vorhandene Knappheit an Grundstücken macht den Verantwortlichen Sorgen.

Zwar ist die Anstalt öffentlichen Rechts nur eine von acht Studentenwerken in NRW, mit einer Bilanzsumme von rund 133 Millionen Euro aber die größte. Und weil der amtierende Geschäftsführer Jörg J. Schmitz und sein Vorgänger in den vergangenen Jahren vorsichtig gewirtschaftet haben, verfügt das Kölner Studierendenwerk über eine ausgesprochen positive Eigenkapitalquote. Am Geld also liegt es nicht, dass vor allem das studentische Wohnen in Köln so teuer ist.

Zwar hat auch das Studierendenwerk seine etwas mehr als 5.000 Wohnheimplätze dank moderater Mietsteigerungen auf jetzt durchschnittlich 262 Euro leicht erhöht. Mit knapp 15 Millionen Euro sind die Einnahmen aus der Vermietung des Wohnheimbestandes mit inzwischen 29 Prozent der wichtigste Einnahmeposten. Es folgen mit 13,139 Millionen die Einnahmen aus der Gastronomie sowie mit 12,269 Millionen Euro die so genannten „Sozialbeiträge“ der rund 87.000 Studierenden, die in das Studentenwerk einzahlen. Der Zuschuss des Landes NRW, vor langer Zeit einmal genau so hoch wie die Sozialbeiträge der Studierenden, verbleibt seit Jahren konstant bei rund fünf Millionen Euro. Das ist nur so rund ein Zehntel des Gesamtetats des Kölner Studierendenwerks.

Teurer Wohnungsmarkt zwingt zum Arbeiten

Dabei haben es Studierende schwer genug. Nicht nur, dass die Anforderungen im Zuge des so genannten „Bologna“-Prozesses deutlich angezogen haben. Die Lebenshaltungskosten steigen weiter an, ohne dass die Förderungen nach dem BAföG an die gestiegenen Kosten angepasst wurden. So rutscht die Zahl der BaföG-Empfänger unter den Studierenden von einst 20.000 auf inzwischen 17.000 ab. Mit dem Höchstsatz von rund 730 Euro im Monat und einem Wohngeldanteil von lediglich 250 Euro kann man in Köln kaum über die Runden kommen. Folge: Immer mehr müssen sich neben den gängigen nach neuen Wegen umsehen, wie sie ihr Leben in der Großstadt finanzieren können, zumal Studierende im Durchschnitt in der Domstadt alleine 366 Euro für Wohnkosten aufbringen müssen. Mit 73 Prozent arbeiten deutlich mehr Studierende zusätzlich als im Durchschnitt von Land (64 Prozent) und Bund (61 Prozent), um sich das Studieren in der Großstadt Köln leisten zu können. Und weil sie im Durchschnitt zehn Stunden die Woche nebenbei jobben müssen, leidet das Studium. Und wer die Regelstudienzeit überschreitet, erhält in der Regel auch keine Leistungen mehr nach dem BAföG.

Der hohe Anteil lässt sich auch in den Ergebnissen der Befragung zur wirtschaftlichen Situation ablesen. Unter den 1.910 befragten Kölner Studierenden, die für den 21. Sozialbericht die Fragebögen ausgefüllt zurückschickten, ergab sich eine durchschnittliche Einnahme von 995 Euro, deutlich mehr als in NRW (944 Euro) und auf Bundesebene (918 Euro). Auch der Medianwert der Einnahmen lag in Köln mit 950 Euro deutlich vor den anderen beiden Bezugsgrößen (895 buw. 860 Euro). 86 Prozent der Studierenden in Köln gaben an, dass sie von ihren Eltern finanziell unterstützt werden, im Schnitt mit 560 Euro pro Monat. Die Lücke zwischen Elternzuschüssen, BAföG-Höchstsatz und den festgestellten Einnahmen geht auf das Konto von Jobs, sind sich die Verantwortlichen sicher.

Psychologische und Sozialberatung als Schwerpunkte

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Der Sitz des Studierendenwerks nahe der Kölner Uni. Ein Wasserschaden und die anschließenden Dacharbeiten sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Ansonsten ist die Einrichtung solide aufgestellt.

Mit mehr als 3.000 Beratungen und über 1.000 Kurzberatungen hat das Studierendenwerk zudem eine wichtige Funktion in der Lösung alltäglicher Probleme für viele Studierende. Immerhin konnte die Einrichtung im vergangenen Jahr aus zwei halben Stellen in der so wichtigen Sozialberatung den Bedarf etwas besser bedienen. Mit alleine acht Psychologen in den eigenen Reihen werden viele Studierende auf Prüfungen vorbereitet, bauen Stress ab oder erhalten Unterweisungen zum richtigen Lernen.

Und mit einem neu entwickelten Online-Tool hat das Studierendenwerk überdies auch einen Schritt in Richtung Digitalisierung gemacht; streng gesichert, um die Vertraulichkeit der Beratung zu gewährleisten, wie Schmitz hervorhob.

Gastronomie mit verbesserter Bewertung

Auch mit der Beurteilung der eigenen gastronomischen Betriebe zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden. Mit etwas mehr als zweieinhalb Millionen ausgegebenen Gerichten gehört das Kölner Studierendenwerk zu den größten Caterern bundesweit. Trotz der großen Summe lege man besonders viel Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Auch die Integration ausländischer (Ess-)Kultur ist ein wichtiges Anliegen und wird mit regelmäßigen Aktionen umgesetzt.

Während die Beurteilung der Qualität und das Preis-Leistungsverhältnis zuletzt besser bewertet als in den anderen Studierendenwerken, bleiben dennoch Mängel. Die liegen vor allem an den Räumlichkeiten der großen Mensen von Universität und Technischer Hochschule TH. „Hier haben wir Nachholbedarf“, räumte auch Schmitz im heutigen Pressegespräch ein.

Ehrgeizige Ziele und ein Mangel an geeigneten Grundstücken

Erklärtes Ziel des Studierendenwerks ist es, weiterhin neuen Wohnraum zu schaffen. Neben der eigenen Bau- und Ausbautätigkeit, berät die Anstalt öffentlichen Rechts auch andere Akteure wie etwa die beiden christlichen Kirchen bei der Umsetzung von Projekten für studentisches Wohnen. Doch die bisher angedachten und geplanten Neubauprojekte wie in der Franz-Kreuter-Straße in Köln-Ehrenfeld oder die bereits realisierten Projekte in Deutz, Zollstock oder Opladen dürften kaum ausreichen, dass selbst gesteckte Ziel von 6.000 Wohnheimplätzen bis 2023 schaffen zu können.

Auf Unterstützung hofft Schmitz vor allem durch die öffentlichen Eigentümer von Grundstücken wie die Stadt Köln, der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB-NRW sowie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die ebenfalls über nennenswerte Grundstücksbestände verfügt. Neben der eigenen Bautätigkeit kommt für das Studierendenwerk auch die Anmietung von Dritten in Frage. Allerdings bedarf es hier einer intensiven Beratung. Das liegt auch an der speziellen Klientel: Die sei in der Regel jung, sehr international und mitunter kreativ in der Nutzung der Liegenschaften.

Längst hat das Studierendenwerk auch außerhalb der Stadtgrenzen Fuß gefasst. So sollen am Standort Hürth demnächst neben den bereits existierenden 400 Wohnheimplätzen weitere 250 hinzu kommen, geht es nach dem Willen von Schmitz. Die Verhandlungen mit der Stadt Hürth laufen. Auch wenn die Fluktuation sehr hoch ist, ein Maßstab für eine mögliche Unzufriedenheit mit dem Standort lässt sich daraus nicht ablesen, so Schmitz weiter. „Der Standort Hürth ist nicht nur wegen der moderaten Preise sehr beliebt“, stellt der Geschäftsführer des Studierendenwerks klar. Trotz der ehrgeizigen Ziele macht sich Schmitz nichts vor. „Die Probleme auf dem Kölner Wohnungsmarkt werden wir auch mit 6.000 oder mehr Wohnheimplätzen nicht alleine lösen. Das Ziel selbst ist durchaus sportlich.“

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