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Alice Schwarzer: Reker-Vorschläge sind "wahnsinnig naiv"

Übergriffe in Köln: Drei Verdächtige ermittelt - Alice Schwarzer zu Henriette Reker

Köln | Nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hat die Polizei laut NRW-Innenminister Ralf Jäger drei Verdächtige ermittelt. Details zu den Tatverdächtigen wollte Jäger nicht nennen, um die schwierigen Ermittlungen nicht zu gefährden. Unterdessen steigt die Zahl der Anzeigen: Bislang seien knapp über 100 Anzeigen erstattet worden, teilte die Kölner Polizei mit. Alice Schwarzer äußerte sich zu Rekers Verhaltensregeln für junge Frauen und auch Heiko Maas äußerte sich erneut. Die Kölner Polizei will die Ermittlungsgruppe aufstocken berichtet die "Rheinische Post".

In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Ausgangspunkt für die Übergriffe soll eine Gruppe von etwa 1.000 Männern gewesen sein. Es habe zahlreiche Sexualdelikte gegeben, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Kölner Polizei will Ermittlungsgruppe zur Silvesternacht aufstocken

Die Polizei in Köln plant offenbar, die Ermittlungsgruppe Neujahr, die die sexuellen Übergriffe auf mehrere Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht untersucht, auf 80 Ermittler aufzustocken. Das berichtet die "Rheinische Post" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Polizeikreise. Als die Ermittlungsgruppe Neujahr nach Bekanntwerden der Übergriffe am 1. Januar eingerichtet wurde, waren es nur neun Beamte.

Alice Schwarzer: Reker-Vorschläge sind "wahnsinnig naiv"

Die Publizistin und "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer hat Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker kritisiert, nachdem diese "Verhaltensregeln" für Frauen und junge Mädchen angekündigt hatte: "Es ist wahrscheinlich gut gemeint, aber natürlich wahnsinnig naiv. Bei diesen Jungs, die da Terror gemacht haben, ist natürlich eine Armlänge gar nichts", so Schwarzer in der Sendung "hr1-Start". "Statt potentiellen Opfern Ratschläge zu geben, würde ich lieber dafür sorgen, dass die Täter nicht mehr zu Tätern werden können. Und da hat eine Oberbürgermeisterin eine Menge zu tun", sagte die Publizistin.Schwarzer, die fünf Fußminuten vom Kölner Hauptbahnhof wohnt, wehrte sich im Interview auch gegen Kritik, dass in der Medienberichterstattung die Herkunft der mutmaßlichen Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum betont werde. "Ich glaube, die Vorverurteilung ist groß, wenn wir darüber schweigen. Der wirkliche Rassismus ist, dass man es nicht sagt." Reker hatte nach den Übergriffen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof am Dienstag angekündigt, Verhaltensregeln zu aktualisieren, wie Frauen sich auf öffentlichen Feiern wie Karneval verhalten sollten. Zu den Regeln gehöre zum Beispiel, zu Fremden eine Armlänge Distanz zu halten.

Maas bezeichnet Übergriffe in Köln als "Zivilisationsbruch"

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) die Polizei gegen Kritik verteidigt und die Vorkommnisse am Kölner Hauptbahnhof als "Zivilisationsbruch" bezeichnet: "Die Polizei muss sich die Frage stellen lassen, ob sie die Vorfälle wirklich schon in der Silvesternacht ernst genug genommen hat. Es sollte jetzt aber auch keine vorschnellen Schuldzuweisungen geben", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wichtig ist, dass sich so etwas nicht wiederholen darf."

Maas bekräftigte seine Einschätzung, dass es sich bei den Vorfällen in Köln um eine neue Dimension organisierter Kriminalität handele. "Wenn Tausend Menschen sich zu einer enthemmten Horde zusammenfinden und das offenbar so geplant war, dann ist das nicht weniger als ein zeitweiliger Zivilisationsbruch", sagte er. Die Botschaft sei klar, so Maas.

"Wer glaubt, in unseren Städten rechtsfreie Räume schaffen zu können, dem wird sich der Rechtsstaat mit aller Macht entgegenstellen." Es müsse alles getan werden, um die Täter zu ermitteln und dann konsequent zur Rechenschaft zu ziehen, so der Bundesjustizminister. Nie wieder dürften Menschen solchen zügellosen Massen schutzlos ausgeliefert sein, betonte Maas.

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