Köln Nachrichten Köln Nachrichten

fw_sperrzone_08122015a

Was passiert nach einem Bombenfund?

Köln | Dass bei Bauarbeiten in Köln Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, ist keine Seltenheit. Experten schätzen, dass diese „Aufräumarbeiten“ noch gut hundert Jahre dauern werden. Dabei gehen die Kampfmittelräumdienste nach einem genauen Regelwerk vor.

Über 1,4 Millionen Tonnen Bomben warfen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg über Deutschland ab. Vor allem die Industriegebiete und Ballungszentren wie das Ruhrgebiet, Köln, Hamburg und Berlin waren ihre Hauptziele. Allein über Köln warfen die Briten beim 1000-Bomber-Angriff am 31. Mai 1942 rund 540 Tonnen Sprengbomben. Nach vorsichtigen Schätzungen von Experten werden noch über 100.000 Blindgänger unter deutschen Städten vermutet. Genau kann das jedoch niemand sagen.

Jede zehnte Bombe detonierte beim Aufschlag nicht

Etwa jede zehnte Bombe der Alliierten detonierte beim Aufschlag nicht und wurde damit zum Blindgänger. Diese liegen dann oft über Jahre unentdeckt im Boden. Die Zünder der Bomben können aus verschiedenen Gründen nicht explodieren. Oft sind sogenannte Langzeitzünder in den Bomben verbaut, die eine spätere Zündung vorsahen. Diese mit Aceton gefüllten Zündplättchen sollten erst Stunden oder Tage nach dem eigentlichen Angriff auslösen, um Angst zu verbreiten, Bergungsarbeiten zu behindern und die Moral der Bevölkerung zu brechen.

Die hohe Zahl an abgeworfenen Bomben über deutschen Städten macht es nahezu unmöglich, systematisch und präventiv nach den Blindgängern zu suchen. Dies wird zwar immer wieder gefordert, scheitert aber sehr häufig an hohen Kosten, die in den meisten Fällen vom jeweiligen Bundesland gezahlt werden müssen. Sie zahlen die Luftbilder, das Team für Entschärfung und Vernichtung des Sprengkörpers, während die Kommunen Evakuierung betroffener Anwohner, Polizei und Feuerwehr bezahlen. Nur für Altlasten der Wehrmacht kommt der Bund als Rechtsnachfolger des „Dritten Reichs“ auf.

Bombensuche bei Bau des „Miqua“ kostet die Stadt eine halbe Million Euro

Auf Nachfrage von report-k beziffert die Stadt die Kosten für Suche und Entschärfung der Weltkriegsbomben im Bereich des Neuen Stadtarchivs am Eifelwall mit 70.000 Euro. Bei der Suche wurde jedoch außer Haushaltsschrott nichts gefunden. An der Ausgrabungsstätte „MiQua“ auf dem Rathausplatz werden die Kosten allein für die Kampfmittelsondierung mit 500.000 Euro angegeben. Hier wurde eine Weltkriegsbombe gefunden und entschärft. Zusätzlich fallen am „MiQua“, das durch die alten Ausgrabungen aus der Römerzeit eine komplizierte Baustelle ist, noch Kosten für Verzögerungen für Baufirmen und daraus entstandene bauliche Maßnahmen an.

Die präventive Suche bei Bauarbeiten ist mithilfe von Metalldetektoren und Auswertung von Luftbildern in belasteten Gebieten vorgeschrieben. Bauherren sind in diesen Gebieten bei Neubauten ab einer Grabungstiefe von 80 cm dazu verpflichtet, ihren Baugrund anhand von Luftbildern untersuchen zu lassen. Wenn der Baugrund als „Landkampfgebiet“ des Zweiten Weltkriegs eingestuft wird, ist auch eine Bodenuntersuchung mit Bohrungen vorgeschrieben.

Aufnahmen der US-Luftwaffe können bei der Suche helfen

Die präventive Suche nach Bomben ist in Bereichen, die von US-amerikanischen Bombern ins Fadenkreuz genommen wurden, besser durchführbar als in anderen. Amerikanische Bomberstaffeln fotografierten nach einem Angriff das bombardierte Gebiet, um ihren Erfolg zu dokumentieren. Aus diesen Fotos können Experten noch Jahrzehnte nach den Angriffen auf mögliche Blindgänger schließen. Bombenexplosionen hinterlassen größere Krater im Boden als Einschläge von Blindgängern.

Deswegen werden die Fotos von Kampfmittelbeseitigern ausgewertet. Wolfgang Spyra, Kampfmittelexperte von der Technischen Universität Cottbus, sagt über die Bombensuche in Deutschland: "Die Gefahr, die von Blindgängern ausgeht, wird allgemein unterschätzt“. Es sei außerordentliches Glück, dass bisher nur wenige Menschen verletzt oder getötet worden seien. Seit dem Jahr 2000 starben elf Mitarbeiter von Kampfmittelräumdiensten bei Explosionen, häufig werden aber auch Bauarbeiter oder Landwirte verletzt oder getötet.

Nicht alle Bomben können vor Ort entschärft werden

Meistens werden die Bomben bei Bauarbeiten entdeckt. Die Entschärfung erfolgt nach einem genau vorgeschriebenen Regelwerk. Blindgänger können sehr unterschiedliche Bauarten, Größen und Zündmechanismen haben. Abhängig von der jeweiligen Bombe wird in den meisten Fällen vor Ort entschärft, ist dies nicht möglich wird die Bombe entweder gesichert und abtransportiert oder muss im schlimmsten Fall vor Ort gesprengt werden.

Je nach Größe und Einschätzung der Experten des Kampfmittelräumdienstes wird als erstes ein Evakuierungsradius festgelegt. Polizei und Ordnungsamt sperren das Gebiet weiträumig ab und evakuieren den Bereich. Beamte gehen von Haus zu Haus und fordern die Bewohner zum Verlassen der Evakuierungszone auf. Erst nach erfolgreicher Entschärfung können sie wieder zurück.

Die Gefahr durch im Boden schlummernde Bomben wird von vielen Menschen unterschätzt. Nur durch großes Glück kommt es sehr selten zu tödlichen Zwischenfällen mit Weltkriegsbomben. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass in Ballungsgebieten wie Köln regelmäßig evakuiert wird und der Verkehr umgeleitet.

Am 18. Mai wurde in Gremberghoven bei einer solchen Probebohrung eine 5 Zentnerbombe englischer Bauart gefunden. Betroffen waren etwa 2.500 Menschen, eine Schule und zwei Kindergärten mussten geschlossen werden sowie Bus und Bahnverkehr gestoppt werden. Nach 5 Stunden konnte die Bombe erfolgreich entschärft werden.

Ebenso wurde am 31. Mai in Köln-Ossendorf bei einer Flächensondierung auf einem Industriegrund eine 2,5 Zentner-Bombe entdeckt. Polizei und Feuerwehr evakuierten etwa 250 Anwohner und Mitarbeiter umliegender Firmen und eine Flüchtlingsunterkunft.

Der jüngste Bombenfund war am 2. August auf einem Sportplatz in Grevenbroich mehrere Fliegerbomben gefunden. Anwohner in einem Umkreis von 500 Metern mussten ihre Häuser verlassen. Nach einer Stunde konnte Entwarnung gegeben werden.

Im Jahr 2015 gab es nach Auskunft der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf 31 Bombenfunde im Kölner Stadtgebiet, 2016 wurden 20 Bomben entschärft.

Zurück zur Rubrik Köln Nachrichten

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Köln Nachrichten

3_Terrasse

Köln | Ein unbekanntes Kapitel Kölner Stadtgeschichte schlägt das Stadtmuseum auf: Die Teilnahme der Stadt an der EXPO 1937 in Paris – festgehalten in eindrucksvollen Fotos von Vater und Sohn Schmölz. Sie werden hier erstmals öffentlich präsentiert. Zu verdanken ist die facettenreiche und spannende Sonderausstellung „Köln an der Seine“ einem Zufall und Jacques Offenbach.

hippo_step_23082019

841.000 Besucher wurden im vergangenen Jahr verzeichnet. Zahl der Jahreskarten stieg auf 41.000. China Light Festival bringt 100.000 im Winter.

Köln|Zufrieden zeigt sich der Kölner Zoo mit seinem gestern präsentierten Jahresergebnis. Es ist eines der besten der vergangenen Jahre. Zwar kamen 2018 mit 841.000 Tagesbesuchern etwas weniger Menschen (2017: 882.000), dafür stieg die Zahl der verkauften Jahreskarten von 37.000 auf 41.000. Besonders viele Gäste kamen im Spätsommer und Herbst nach Riehl. Auch das China Light-Festival war nach Informationen des Zoos mit 100.000 Besuchern ein großer Erfolg.

benecke_22082019

Köln| Mark Benecke, Kölner Kriminalbiologe und Vorsitzender des Vereins Pro Tattoo, hat scharfe Kritik an der Neuregelung für Tattoo-Entfernungen per Laser geübt. Sie sollen ab Ende 2020 nur noch Fachärzten vorbehalten sein: "Die Neuregelung ist sinnlos", sagte Benecke der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Viele Ärzte hätten weder ein Interesse daran noch Zeit dafür, argumentierte er.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >