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Screenshot aus "Wikipedia" zum Artikel Archäologische Zone

"Wikipedia" und das Projekt Archäologische Zone/Jüdisches Museum

Köln | Jeder kennt "Wikipedia", jeder nutzt "Wikipedia". In "Wikipedia" gibt es auch einen langen Artikel zur Kölner Archäologischen Zone und zum geplanten Bau des jüdischen Museums. Der liest sich, wie ein Werbetext und greift die aktuelle Diskussion, weder aus der interessierten Öffentlichkeit, noch aus den Stadtratssitzungen auf oder weist darauf hin. Wer vor allem den Abschnitt zum Museum liest, der gespickt mit Jubeladjektiven ist, der hat den Eindruck, als würden dort schon Bauarbeiter die Mauern hochziehen und das Museum sei heute schon ein wirtschaftlicher und kultureller Leuchtturm. Was ihm natürlich zu wünschen ist. Report-k.de dokumentiert den Stand des "Wikipedia"-Artikels vom heutigen Tag und stellt dessen Objektivität in Frage.

Der ehemalige Tagesthemen-Moderator Hans-Joachim Friedrichs, unter dessen Namen auch ein bekannter Journalistenpreis vergeben wird, hat den Journalismus mit den Worten geprägt, dass sich ein guter Journalist mit keiner Sache gemein machen solle. Dies sollte auch für ein publizistisches Angebot das sich "freie Enzyklopädie" nennt, gelten. Am Beispiel des aktuellen Artikels zur Archäologischen Zone Köln erkennt man die Mängel des Mitmachprojektes "Wikipedia", wie fehlende Quellenangaben, aber auch falsche Darstellung von Fakten im zeitlichen Ablauf.

Fehlende Quellenangaben

So steht im ersten Absatz in der Beschreibung "Bisher wurden etwa 250.000 Artefakte und 120.000 Proben aus Fauna und Flora freigelegt." Hier muss man bei einem seriösen Medium oder einer Enzyklopädie die Quellenangabe einfordern, denn die Schreiber von Wikipedia, werden dies nicht nachgezählt haben. Im nächsten Abschnitt "Geschichte und Hintergründe" geht der Wikipedia Artikel dann auf die Historie ein. Auch erwähnt man dort, dass es Kontroversen über die Arbeit der wissenschaftlichen Leitung gab. Dann folgt ein Satz der zu denken gibt, auch wenn, die Quellen dann mit Fußnoten gekennzeichnet im Netz als PDF abrufbar sind: "April und Juli 2012 wurden Gutachten über die vorbildliche Grabungsarbeit ausgestellt." Hier fehlt der klare Hinweis auf den Auftraggeber der Gutachten, wenn eine Wertung wie "vorbildlich" vorgenommen wird. Der Auftraggeber war die Stadt Köln.

Nach "Wikipedia" hat man den Eindruck die Bagger baggern schon am Museum

Wer den Abschnitt zum Bereich "Museum" liest und die aktuelle Diskussion in Köln aktiv verfolgt, der ist irritiert über die Art und Weise der Darstellung in "Wikipedia". Dort wird nicht der Stand der Diskussion dokumentiert, sondern hier steht ein einseitiger Werbetext ohne Angabe der Quelle. Wir dokumentieren den Stand des Textes im Wortlaut [Stand 19.1.2013, 7:58 Uhr, inklusive Schreibfehler, kursiv gesetzt]:

"Parallel zu den Grabungen entsteht in Köln, auf und unter dem Rathausplatz, eine beeindruckende Museumslandschaft, die ein etwa 13.500 m² großes Areal mit insgesamt 7500 m² Ausstellungsfläche umfasst. Moderne Museumsarchitektur macht Vergangenheit zum Erlebnisraum. Das jüdische Kulturerbe wird integrativer Bestandteil der archäologischen Zone des Jüdischen Museums.

Auf 7500 m² soll für die Besucherinnen und Besucher der archäologischen Zone des Jüdischen Museums über- und unterirdisch Geschichte unmittelbar erlebbar gemacht und Brüch veranschaulicht werden. Weite Teile des neuen Museums erstrecken sich unterirdisch unter dem Rathaus, dem Spanischen Bau und dem Rathausplatz. Auf dem Rathausplatz setzt das Jüdische Museum einen markanten architektonischen und städtebaulichen Akzent: „ica“, der Neubau auf dem Rathausplatz, wird integrativer Bestandteil des Gesamtprojekts. Hier werden herausragende Zeugnisse jüdischer Kultur präsentiert. Zusätzlich vorgesehen sind ein Sonderausstellungsbereich und ein moderner Veranstaltungssaal.

Das Museum gründet sich auf folgende vier Hauptthemen und ihre räumliche und zeitliche Wechselbeziehung:
- römischer Statthalterpalast und Fränkischer Königssitz
- mittelalterliches Rathaus
- jüdisches Quartier und spätere jüdische Geschichte
- mittelalterliches und neuzeitliches Stadtquartier bis zum Zweiten Weltkrieg.

Der Fokus auf das regionale Erbe ist für die Bereiche Tourismus und Identitätsfindung von enormer kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Im Rahmen der Kölner Stadtentwicklung stellt das Projekt einen Schwerpunkt zur Verbesserung der Infrastruktur der Stadt dar.

Das entstehende Museumsgebäude am Kölner Rathausplatz wurde vom Saarbrücker Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch + Hirsch entworfen und soll die Archäologische Zone des Jüdischen Museums Köln zu einer Einheit verbinden. Darauf aufbauend wurde ein Ausstellungskonzept entwickelt, das das Jüdische Museum als integralen Bestandteil der gesamten Archäologischen Zone erlebbar macht. Das Museum soll eines der größten Museen Europas werden."

Virtuelle Geschichtsschreibung ist ihrer Zeit voraus

Wer diesen Abschnitt liest und nicht die Realität kennt, der hat den Eindruck, die Stadt Köln baut schon und hat schon den Eröffnungstermin bekannt gegeben. Nicht ein Wort zur aktuellen Diskussion um nur einen Punkt zu nennen, etwa der Beteiligung des Landschaftsverbandes Rheinland oder von Diskussionen aus dem Kölner Stadtrat. Dagegen lesen wir Adjektive wie "beeindruckende Museumslandschaft", "einen markanten architektonischen und städtebaulichen Akzent" oder "herausragende Zeugnisse jüdischer Kultur". Aussagen wie "von enormer kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung" oder "Verbesserung der Infrastruktur der Stadt" und "Das Museum soll eines der größten Museen Europas werden." Auch hier gibt es keine einzige Quellenangabe, wer diese Aussagen getroffen hat. Zudem schreibt "Wikipedia" der Geschichte damit voraus. Etwa die wirtschaftliche Bedeutung des Museums ist derzeit eine Annahme. Das man sich das Alles für Köln und das Museum wünscht, ist richtig und legitim. Es aber schon als Fakt darzustellen, ist nicht nur schlechter Stil, sondern schlichtweg falsch und zeigt wie unsauber und unzuverlässig "Wikipedia" arbeitet. Der Experte für neuzeitliche Geschichte an der Universität Wien Peter Haber, der den Umgang mit wissenschaftlichen Quellen untersucht hat, bemängelt die Neutralität von "Wikipedia" gerade bei historischen Ereignissen. Ein neutraler Artikel der die Fakten sammelt würde beim heutigen Stand des Projektes völlig ausreichen.

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