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Myriam „Mimi“ Chebabi (Mitte) führt singend, tanzend und mit viel Witz souverän durch die Immisitzung. Foto: Jassin Eghbal

10. Immisitzung lädt zu „Asylantencasting“ und Tele-Therapie

Köln | Das „richtige“ kölsche Jubiläum steht erst im nächsten Jahr an – doch die jetzt 10. „Immisitzung“ beweist: Die Karnevalssitzung, bei der fast 80 Menschen aus 13 Nationen auf und hinter der Bühne mitwirken, ist fester Bestandteil des kölschen Brauchtums geworden. Auch sie überzeugt wieder mit heißer Weltmusik, mitreißenden Tanzeinlagen und munteren Sketchen zwischen Klamauk und bitterer Satire. Der Premierenbeifall im Bürgerhaus Stollwerck nach gut dreieinhalb Stunden – Pause inklusive – war nur folgerichtig.

Das Markenzeichen und Gründungsgrund der Immisitzung ist die Sicht der Kölner „Immis“ auf die Probleme dieser Welt – seien sie global, deutsch oder lokal. Da muss sich ein Flüchtling der Kommission stellen, die über seinen Asylantrag entscheidet: Ein „Asylantencasting“, bei dem sich die „Jury“ darüber streitet, wie emotionsgeladen die Begründung sein muss. Ein bitterböser Sketch vor dem realen Hintergrund, dass in Bayern ein schwuler Asylbewerber abgelehnt wurde, weil er zu wenig „tuntig“ erschien, und ein anderer, weil er zu „tuntig“ war. In beiden Herkunftsländern – Syrien und Afghanistan – wird Homosexualität verfolgt.

Beim Multikulti-Essen hört die Toleranz schnell auf

Bei einem Buffet wird die gegenseitige Toleranz auf die Probe gestellt. Denn auch sie geht wie die Liebe durch den Magen – und hört spätestens bei gefüllten Hammelhoden auf. Sorgen machen sich die brasilianischen Immis auch um den aktuellen Zustand ihres Heimatlandes und verwandeln das Staatsmotto „Ordem e Progresso (Ordnung und Fortschritt)“ in einen wütenden „Samba de Fascismo“. Auch der Fremdenhass der AfD ist Thema – und wehe, wenn ein Schoßdackel nicht rasserein ist! Insgesamt aber hat die Spiegelsicht „von außen“ abgenommen. Ein Zeichen für fortgeschrittene Integration? Der in Köln lebende Franke im Ensemble nimmt das höchst selbstironisch.

Aber es gibt ja noch genug andere Themen. Etwa das neue Datenschutzgesetz: Darf man das Publikum einfach so zum Mitsingen auffordern? Dann die Auseinandersetzung mit Computer-Iris“, die die Herrschaft über ein Ehepaar und dessen Haushalt an sich reißt. Die seltenen Fledermäuse, denen die – vorläufige – Rettung des Hambacher Forstes zu verdanken ist, geraten in die Fänge eine gerissenen RWE-Vampirs. Grotesk das Südstadt-Pärchen, das gemobbt wird, weil es in einer preiswerten Wohnung lebt und vergeblich eine imageförderne Mieterhöhung verlangt. Loriot-Qualität hat die unter technischen Störungen leidende Tele-Therapiesitzung.

Sitzungspräsidentin „Mimi“ streichelt die kölsche Seelen

Natürlich wird auch die kölsche Seele gestreichelt. Da darf der Nubbel in einer glücklichen Love-Story weiterleben, und die souveräne Sitzungspräsidentin Myriam „Mimi“ Chebabi singt den Klassiker „Ich bin ne kölsche Jung“ derart gefühlig, dass man Willy Millowitsch glatt vergessen könnte – um das Lied dann mit brasilianischen Rhythmen auf Höchsttemperatur zu bringen. Zwischen den einzelnen Nummern dann immer wieder die Streitgespräche zwischen dem kölschen Jung und seinem französischen Freund, zwei Puppen im Stil der Muppets Waldorf und Stadler. Eine Schreckensvision: Bald gibt es nur noch Kölsch aus der E-Flasche. Zum Schluss kommen dann alle Ensemble-Mitglieder in einer wilden „Rock Horror Picture Show“ auf die Bühne: Horror für ein AfD-braunes Pärchen, das sich unvermittelt in dieser bunten Menge wiederfindet.

Fazit: ein unterhaltsamer Abend zum Mitsingen, der aber erst nach der Pause richtig auf Fahrt kommt. Bis zum 5. März stehen noch 20 Auftritte im Stollwerck auf dem Programm. Vielleicht gelingt es bis dahin, die Tontechnik so zu regulieren, dass man die Texte besser versteht. Auch täte einigen Sketchen eine Kürzung kommt, um schneller zur Pointe zu kommen.

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